Es fallen Nebelfetzen in die Fußballarena in München, als die Spieler des FC Bayern sich dort an diesem 14. Dezember für das 14. Bundesligaspiel aufstellen. Und mit ihnen, meint man, kommt die Frage auf, die sich kurz vor Weihnachten, wenn’s im Stadion kalt und manchmal sogar nebelig wird, selbst diese Bayern stellen müssen, die in dieser Saison in 13 Bundesligaspielen zwölf Siege und ein Unterschieden gesammelt haben: Was braucht es, um an so einem Abend als Tabellenerster gegen den Tabellenletzten zu gewinnen? Einen Spieler wie Lennart Karl, der seit Wochen Tor um Tor schießt und an diesem Sonntag den ersten Treffer der Bayern erzielen wird? Einen Spieler wie Harry Kane, der seit Jahren Tor um Tor schießt und an diesem Sonntag den zweiten Treffer der Bayern erzielen wird? Eine Spielidee, die die Karls und Kanes immer wieder in Positionen bringt, in denen sie Tore schießen können? „Unser Feuer ist die Geschichte von Itō, Phonzie und Jamal“ Ja, ja und ja. Doch wenn man Vincent Kompany, dem Trainer der Bayern, glaubt, braucht es mit Blick auf die vielen kalten Wochen, die so eine Saison hat, neben guten Spielern und einer guten Spielidee auch eine gute Geschichte. Als der FC Bayern am Dienstagabend, an dem es in München noch nicht so kalt und nebelig war, in der Champions League gegen Sporting Lissabon gewonnen hat (3:1), hat Kompany danach einen seltenen Einblick in die Kabine seiner Mannschaft gegeben. In der vergangenen Saison, sagte er, sei es „die Geschichte von Harry Kane und Eric Dier“ gewesen, die „ein Feuer“ in der Mannschaft entfache habe, weil die damals 31 Jahre alten Kane und Dier in ihren Karrieren noch nicht eine Meisterschaft oder einen Pokal gewonnen hatten. Und in dieser Saison? „Ich finde, dieses Jahr ist unser Feuer die Geschichte von Itō, Phonzie und Jamal – wie hart die Jungs gekämpft haben, um zurückzukommen.“ Es ist wirklich eine ganz gute Geschichte, dass Hiroki Itō, Alphsonso Davies und Jamal Musiala, die aufgrund von schweren Verletzungen monatelang ausgefallen sind, nun wie Itō (Mittelfußbruch) und Davies (Kreuzbandriss) wieder mitgespielt haben oder wie Musiala (Wadenbeinbruch) bald wieder mitspielen werden. Doch mit Blick auf das, was der FC Bayern in dieser Saison erreichen will, wird dann an diesem Sonntagabend unter den Nebelfetzen sichtbar, dass eine ganz gute Geschichte nicht genügen wird. Am Ende ist das Spiel des Tabellenersten aus München gegen den Tabellenletzten aus Mainz 2:2 ausgegangen – und hat aus Sicht der Heimmannschaft zwei Geschichten hervorgebracht. Die erste: Dem FC Bayern hat trotz des Mitwirkens des Innenverteidigers Itō (wird in der 61. Minute ausgewechselt) und des Außenverteidigers Davies (wird in der 61. Minute eingewechselt) ein bisschen das Feuer gefehlt. Doch das ist an diesem Punkt der Saison nachvollziehbar, weshalb es die zweite Geschichte ist, die man sich in München merken sollte: Der Mannschaft des FC Bayern hat ohne Dayot Upamaceno und Jonathan Tah in den entscheidenden Szenen die Stabilität gefehlt. Beim ersten Mainzer Treffer von Kacper Potulski (45.+2 Minute) verschätzt sich Min-jae Kim. Beim zweiten Mainzer Treffer von Lee Jae-sung (67.) steht Josip Stanišić falsch. So machen die Mainzer aus einem 0:1 (Lennart Karl, 29.) ein 2:1 und schaffen im ersten Bundesligaspiel unter dem neuen Trainer Urs Fischer nur deswegen nicht einen sensationellen Sieg, weil Harry Kane im Strafraum gefoult wird und den darauffolgenden Strafstoß in der 87. Minute ins Tor schießt. Was, wenn Upamaceno und Tah, die an diesem Sonntag geschont wurden, dem FC Bayern in einem wichtigen Spiel fehlen würden? Im Moment scheinen weder Kim noch Itō und auch nicht Stanišić dieselbe Stabilität in der Innenverteidigung bieten zu können. In der Bundesliga dürfte das egal sein, weil FC Bayern trotz des Punktverlust seinen Punktevorsprung vor dem Tabellenzweiten Leipzig (1:3-Niederlage gegen Union Berlin) vergrößert hat. Doch der nächste Gewinn der nächsten Meisterschaft alleine wäre eine Geschichte, die beim FC Bayern kein Feuer entfachen kann, weil sie schon zu oft erzählt worden ist.
