FAZ 07.12.2025
16:45 Uhr

Münchner Dominanz: „Das Nonplusultra – nicht nur in der Bundesliga“


Eine Halbzeit hält der VfB wacker gegen die Bayern stand, doch dann kommt Harry Kane. Das Spiel zeigt, wie groß der Abstand zwischen dem Rekordmeister und seinen Verfolgern ist

Münchner Dominanz: „Das Nonplusultra – nicht nur in der Bundesliga“

6:0 gegen RB Leipzig, 4:1 bei der TSG Hoffenheim, 3:0 bei Eintracht Frankfurt, 3:0 gegen Bayer 04 Leverkusen – und nun ein 5:0 beim VfB Stuttgart. Eine Spitzenspielbilanz, die beim FC Bayern München keine Wünsche offenließ. Allein Borussia Dortmund schaffte es dank einer starken zweiten Halbzeit, die Niederlage beim 1:2 in München knapp zu halten. Alles in allem haben die ersten dreizehn Spiel­tage dieser Bundesliga-Saison eindeutig offenbart, wie groß der Abstand zwischen dem Rekordmeister und seinen aussichtslosen Verfolgern ist. Dass statt Bayern Bayer der Klassenprimus in der Saison 2023/24 war, darf getrost als Ausnahme von der Regel eingeschätzt werden. Schlimmer noch für die unsichtbare Konkurrenz: Die Münchner, früher ob ihrer oft knappen Erfolge über die direkte Konkurrenz auch als „Dusel-Bayern“ etikettiert, scheinen es heutzutage nicht mehr unter einem Abstand von Minimum drei Toren in den sogenannten Spitzenspielen, die in Wirklichkeit Demonstrationen der einseitigen Dominanz der Münchner sind, zu machen. Weil sie die besseren Spieler, weil sie die Siegermentalität über neunzig Minuten und weil sie ein Ensemble geformt haben, das der Stuttgarter Trainer Sebastian Hoeneß am Samstag nach der Niederlage seiner Mannschaft als das „Nonplusultra – nicht nur in der Bundesliga“ adelte. Wer es sich mit einem relativ schmal gehaltenen Kader leisten kann, in einem Topspiel eine Stunde auf Harry Kane, den Stürmer aller Stürmer in dieser Bundesliga, zu verzichten, um auf einen noch frischeren Kane am morgigen Dienstag im Champions-League-Heimspiel gegen Sporting Lissabon zu bauen, kann gleichwohl aus dem Vollen schöpfen. Bayern-Trainer Vincent Kompany ist in der komfortablen Lage, auch ohne den Liga-Schützenkönig und ohne Manuel Neuer im Tor eine Mannschaft formen zu können, die schon bis zur Einwechslung des 32 Jahre alten Mittelstürmers besser war als der in der ersten Hälfte noch wuchtig Widerstand leistende Tabellensechste aus Stuttgart. Mit Kane kommt die Torgarantie Die Schwaben rieben sich bei ihrem Mann-gegen-Mann-Fußball dermaßen auf, dass sie nach dem Seitenwechsel kaum noch etwas zuzusetzen hatten und den Bayern peu à peu erlaubten, ihren Fußball mit Tiefenwirkung zu entfalten. „Sie haben uns heute fertig gemacht“, beschrieb der tief enttäuschte Deniz Undav, der die vorangegangenen sechs Treffer für den VfB erzielt hatte, die Stuttgarter Ohnmachtsgefühle. Als Kane kam, wurde aus der Torverheißung rasch eine Torgarantie. Und wie! Der Mittelstürmer mit den raumgreifenden Allroundtopqualitäten als Vollstrecker, Verteidiger oder Passlieferant war mitsamt den nach rund einer Stunde gleichfalls eingewechselten Lennart Karl und Aleksandar Pavlovic sogleich zur Stelle, um für eindeutige Verhältnisse zu sorgen. Also baute er mit drei Treffern binnen 22 Minuten den knappen 1:0-Halbzeitvorsprung durch Konrad Laimers Hackentor (11. Minute) mit einem Gewaltschuss, der mit der ­Rasanz von 128 Stundenkilometer einschlug, auf 2:0 aus (66.) und traf nach dem 3:0 durch Stanisic (78.) auch zum 4:0 per Handelfmeter (82.) und 5:0 nach Olises Flanke per Innenrist zum 5:0 (88.). Selbst mit Kurzarbeit kann ein Schützenkönig wie Kane, der seine Bundesliga-Torbilanz auf 17 Treffer nach dem dreizehnten Spieltag ausbaute, zum Spieler des Tages werden – mit einer Mannschaft, die auch dank Kompanys Führungsqualitäten, zusammenhält und Widerstände zu brechen versteht. Es sprach für Kompany, dass er dem vor der Pause noch mithaltenden Gegner Respekt zollte („Stuttgart ist besser in die Zweikämpfe gekommen“). Und erst dann die von den Bayern nach dem Wechsel praktizierte Tiefenschärfe als Ursache für den überdeutlichen Sieg hervorhob. „Wir sind zum richtigen Zeitpunkt in die Tiefe gekommen, die Wechsel und die Körperlichkeit unseres Kaders haben uns geholfen, eine viel stärkere zweite Hälfte zu spielen.“ Dass die Münchner auf der nationalen Bühne zuletzt ein paar Probleme mit physisch wuchtigen Gegenspielern wie denen von Union Berlin hatten – 2:2 und damit der bisher einzige Mini-Makel in der Bundesligabilanz plus ein hart erkämpfter 3:2-Erfolg im Pokalachtelfinale – sowie beim 3:1-Sieg nach 0:1-Rückstand in der Nachspielzeit über den FC St. Pauli, offen­barte, dass selbst die Bayern an manchen Tagen verwundbar sind. Auch auf höchstem Niveau wie bei der 1:3-Niederlage im Champions-League-Auswärtsspiel ge­gen den FC Arsenal. Was nicht allzu weh tat, weil die Münchner bei sich geblieben sind und die großen Preise erst im Mai vergeben werden.