FAZ 29.01.2026
18:01 Uhr

Müller gegen „Campact“: „Ich unterstütze die AfD nicht“


Die Kampagnengruppe Campact plakatiert, Müller-Milch-Eigentümer Theo Müller unterstütze die AfD. Das lässt sich dieser nicht nachsagen – und fordert Unterlassung. Er sei weder Mitglied noch habe er die Partei jemals finanziell oder sonst unterstützt.

Müller gegen „Campact“: „Ich unterstütze die AfD nicht“

Seit Wochen führt die Kampagnenorganisation „Campact“ eine Kampagne gegen den Unternehmer Theo Müller und dessen Molkerei-Konzern. Sie unterstellt ihm, er unterstütze die AfD. 2,2 Millionen Sticker will Campact in Umlauf gebracht haben, mit denen man Produkte von Müller-Milch mit Aussagen wie „Alles AfD oder was?“ bekleben kann. Seit Mitte Januar werden bundesweit 28.000 Plakate aufgehängt, auf denen etwa zu lesen steht „Jetzt mit AfD-Geschmack: Konzerngründer Theo Müller unterstützt die rechtsextreme AfD“. Kein Mitglied der Partei, keine Spenden, keine Unterstützung Diese Unterstellung will sich Müller nicht länger bieten lassen. Er fordert Campact auf, die Aussagen „Alles AfD oder was? Konzerngründer Theo Müller unterstützt die rechtsex­treme AfD“ und „Jetzt mit AfD-Geschmack: Konzerngründer Theo Müller unterstützt die rechtsextreme AfD“ zu unterlassen und nicht mehr zu verbreiten. In der Unterlassungsaufforderung sagt Müller, was er der NZZ schon in einem Interview im Februar 2024 sagte: „Ich bin kein AfD-Mitglied und möchte auch keins werden.“ Und: Er habe die AfD zu keinem Zeitpunkt unterstützt und der Partei auch niemals Geld gespendet. Mit der Kampagne, schreibt Müllers Anwalt Christian Schertz, mit der „solitären undifferenzierten blickfangartigen Herausstellung“ der beiden inkriminierten Sätze, stelle Campact eine unwahre Tatsachenbehauptung auf. Theo Müller habe „zu keinem Zeitpunkt die AfD unterstützt“, er habe „nie irgendwelche finanziellen Zuwendungen an die Partei vorgenommen“, er sei seit 30 Jahren Mitglied in der CSU und bekenne sich hierzu ausdrücklich. Die Campact-Kampagne behaupte das Gegenteil und vermittle den „zwingenden Eindruck“, dass Müller „zu den Unterstützern der AfD gehört und insbesondere entsprechende Spenden an die Partei geleistet“ habe. Persönlichkeitsrechte „in mannigfaltiger Weise“ verletzt Das werde auch nicht durch eine Presseerklärung relativiert, in der Campact auf eine persönliche Freundschaft zwischen Müller und der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel verwies. Eine persönliche Freundschaft sei von der Frage zu trennen, ob man eine Partei tatsächlich oder finanziell unterstütze. Durch den Satz „Konzerngründer Theo Müller unterstützt die rechtsextreme AfD“ verletze Campact Müllers Persönlichkeitsrechte „in mannigfaltiger Weise“. Sollte Campact die Aussagen nicht unterlassen, geht Müller vor Gericht. Schaut man sich die Begründung an, mit der Campact die Aktion losgetreten hat, zeigt sich, wie vage diese ausfällt. Sie rekurriert auf die private Bekanntschaft zwischen Müller und Weidel, die zum Beispiel skandalisiert wurde, als die beiden bei einem Restaurantbesuch in Cannes beobachtet wurden, auf ein Foto, für das sie beim Besuch der Bayreuther Festspiele posierten, und auf Müllers Interview in der NZZ, aus dem Campact einzelne Aussagen herausrupft. Mit Alice Weidel befreundet So heißt es etwa, der Unternehmer habe eine Koalition zwischen CDU und AfD in Sachsen empfohlen. Schaut man genau hin, stellt man fest, dass Müller im Interview sagt, die CDU könne mit der AfD sprechen oder mit der SPD eine Minderheitsregierung bilden. Auf die Frage „Was sind Sie: ein interessierter Beobachter oder ein Sympathisant?“ antwortet er: „Irgendwas dazwischen.“ Was er von Björn Höcke halte, will die NZZ von Müller wissen. Der ist in seiner Einschätzung etwas unsicher, sagt dann aber: „Wenn Herr Höcke so schlimm ist, sollte die Regierung in Thüringen Artikel 18 des Grundgesetzes zur Anwendung bringen und ihm die Grundrechte entziehen.“ An anderer Stelle wiederum heißt es: „Alice Weidel ist eine Freundin.“ Den Satz stellte die NZZ an den Anfang eines Begleitartikels. Nimmt man nur diese Schnipsel – „irgendwas dazwischen“, „Freundin“ –, kann man aus Müller-Milch braune Soße machen, aber auch nur dann. Das Vorgehen der Organisation Campact, die im Jahr 2024 nach eigenen Angaben dank Spenden auf Einnahmen von 24,63 Millionen Euro kam, erinnert an die Pranger-Aktion vom letzten November, bei der Campact von Firmen binnen kurzer Frist wissen wollte, ob sie Mitglied im Verband „Die Familienunternehmer“ seien, dessen Präsidentin sich dafür ausgesprochen hatte, auch mit der AfD zu reden (inzwischen hat sich das wieder geändert). Agitiert wurde unter anderem gegen den Drogeriekonzern DM, von dem sich dann aber herausstellte, dass er dem Verband schon seit einigen Monaten nicht mehr angehört hatte.