Ob Matthias K. wohl geglaubt hat, sein Verbrechen würde nie auffliegen? Hört man der Staatsanwaltschaft an diesem Dienstag im Saal 102 des Landgerichts Koblenz zu, scheint es so. Die Ermittler werfen dem Einunddreißigjährigen vor, im vergangenen Juli in Bad Neuenahr-Ahrweiler seine getrennt lebende Frau Anna ermordet zu haben – aus Habgier, niedrigen Beweggründen und heimtückisch. Die Tat und vor allem die Beseitigung des Leichnams soll er dabei mit einer erschreckenden Akribie geplant haben: Die Tote wurde einbetoniert im Boden seiner Garage gefunden. Schon einige Tage vor der Tat, so skizziert es der Staatsanwalt am Dienstag, habe K. dort einige Fliesen entfernt und eine 70 Zentimeter tiefe Grube ausgehoben. Seiner neuen Partnerin und seinem Vater erzählte er, dort habe es einen Wasserrohrbruch gegeben. Die von ihm für seine Legende mit etwas Wasser gefüllte Grube zeigte er demnach sogar seiner neuen Partnerin. Anschließend „brach er einen Streit vom Zaun“, mit dem Ziel, dass seine Partnerin für einige Tage zu ihrer Mutter zog. Das Haus hatte er nun für sich, um seine Tat umzusetzen. Den Flur legte er dafür mit Malervlies aus. In den folgenden Tagen versuchte er, Anna K. ins Haus zu locken, vorgeblich um eine komplizierte Angelegenheit zu besprechen. Unter anderem täuschte er vor, das Mikrofon seines Smartphones sei kaputt. Schließlich willigte sie ein. Am 17. Juli meldete sich K. daraufhin mittags von der Arbeit ab, unter dem Vorwand, sein Sohn sei gestürzt. Als Anna K. schließlich das Haus betreten habe, soll er mit einem Fleischermesser insgesamt 17-mal auf ihren Oberkörper, Kopf und Hals eingestochen haben. Ihr Handy zerschlug er laut Anklage mit einem Hammer. Anschließend schrieb er ihr von seinem Gerät eine Nachricht, in der er sich darüber beklagte, dass sie nicht wie vereinbart vorbeigekommen sei. Den in Malervlies gewickelten Leichnam, ihr Handy sowie das Tatmesser legte er in die Grube und verschloss diese mit Schnellbeton. Als dieser getrocknet war, verflieste er den Boden wieder, im Beisein des gemeinsamen vierjährigen Sohns. Die Mutter von Anna K. weint während der Verhandlung Die Mutter von Anna K. ist Nebenklägerin. Es fällt ihr sichtlich schwer, der Anklage zu lauschen, sie bricht in Tränen aus. Matthias K. indes, ein großer, unauffälliger junger Mann in grauem Pullover, bleibt äußerlich ungerührt – selbst als der Staatsanwalt schildert, wie er vergeblich versucht haben soll, dem Leichnam Kopf und Arme abzutrennen, damit er besser in die Grube passt. Er will sich am nächsten Prozesstag zu den Vorwürfen einlassen. Wie die Staatsanwaltschaft im Sommer mitteilte, hatte er die Tat nach zwei Tagen gestanden. Anna K. war kurz nach ihrem Verschwinden als vermisst gemeldet worden. Im Zuge der Suchmaßnahmen war schließlich ihr ehemaliger Partner unter Verdacht geraten. Wie er sich vor Gericht zu den Vorwürfen verhalten wird, ist noch offen. Als zentrales Motiv nennt die Staatsanwaltschaft Sorgerechts- und Geldstreitigkeiten im Zuge der Scheidung. 2024 hatte Anna K. die Beziehung nach fünf Jahren Ehe beendet. Nach Ablauf des Trennungsjahrs reichte Matthias K. Anfang 2025 die Scheidung ein. Das gemeinsame Kind lebte zunächst im Rahmen des Wechselmodells abwechselnd für je eine Woche bei einem Elternteil, Anna K. überließ die gemeinsame Doppelhaushälfte schließlich ihrem ehemaligen Partner. Allerdings beantragte Anna K. im Zuge der Scheidung, dass das Kind nur noch an einem festen Wochentag sowie an jedem zweiten Wochenende zu seinem Vater kommen sollte. Sie warf ihm vor, das Kind auszunutzen, um eine Kommunikation auch über die Erziehung hinaus mit ihr zu erzwingen, er soll ihr etwa Komplimente gemacht und nach ihrem neuen Job gefragt haben. Außerdem forderte sie K. auf, ihr ihren Anteil am gemeinsamen Haus auszuzahlen, das Geld habe K. jedoch nicht aufbringen können. Dazu kamen Unterhaltsforderungen für das Kind sowie für das Trennungsjahr, die K. nicht habe zahlen wollen. Schon der Vermisstenfall hatte viele Menschen in der Region bewegt, in sozialen Netzwerken wurde mit Bildern nach Anna K. gesucht. Auch zum Prozessauftakt am Dienstagvormittag sind viele Zuschauer gekommen, unter ihnen auch Freunde und Angehörige. Einige versammeln sich nach Ende der Verhandlung vor dem Gebäude, die Stimmung ist gedrückt. Am Vorabend hatte das feministische Bündnis „Feministas Koblenz“ vor dem Gericht bereits zu einer Mahnwache für Anna K. aufgerufen. „Sie hinterlässt ein tiefes Loch für Freunde und Familie“, heißt es in dem Aufruf. Und man wolle so Solidarität zeigen mit allen, die unter „patriarchaler Gewalt“ litten.
