Donald Trumps finaler Befehl zum Angriff auf Venezuela kam am Freitagabend um 22.46 Uhr Ostküstenzeit. Nach Informationen amerikanischer Medien hatte der Präsident den Einsatz schon am 25. Dezember freigegeben. Den genauen Zeitpunkt überließ er den Verantwortlichen im Pentagon. In der Nacht zum Samstag sei das Wetter dann gut genug gewesen, sagte Generalstabschef Dan Caine in der Pressekonferenz am Samstag. Von zwanzig verschiedenen Stützpunkten auf dem Wasser und an Land aus starteten mehr als 150 Bomber, Kampfflugzeuge und andere Flugobjekte zur „Operation Absolute Resolve“. Eine „Festnahme-Mission, um zwei angeklagte Personen vor Gericht zu bringen“, wie Caine sie vor der Presse nannte. Als Hubschrauber mit Soldaten der für Spezialoperationen zuständigen Eliteeinheit „Delta Force“ am frühen Samstagmorgen am Himmel über Caracas erschienen, war das der Höhepunkt monatelanger Vorbereitungen. Das Ziel: die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores. Das Ehepaar habe sich nicht sonderlich zur Wehr gesetzt, aber noch versucht, in einen Schutzraum zu gelangen, sagte Trump am Samstag. Es sei ihnen jedoch nicht gelungen, die Stahltür hinter sich zu schließen. Und wenn, hätte man diese ohnehin öffnen können, hob der Präsident hervor. CIA-Agenten monatelang im Einsatz in Venezuela Trump sprach in der Pressekonferenz in Superlativen von dem Angriff. Kein anderes Land sei zu einer Operation wie dieser fähig. Eine solche „atemraubende Geschwindigkeit, Kraft, Präzision und Kompetenz“ sehe man selten. Tatsächlich war die Entführung Maduros offenbar seit vier Monaten in Planung. Die „New York Times“ berichtete, ein Team des Auslandsgeheimdienstes CIA sei seit August verdeckt in Venezuela im Einsatz gewesen, um Informationen über Maduro zu sammeln: Wie sieht sein Tag aus, wo schläft er, was isst er, wie oft wechselt er den Ort? Mithilfe einer Quelle aus dem Umfeld des venezolanischen Präsidenten und Tarnkappendrohnen sei es gelungen, Maduros Gewohnheiten „bis ins kleinste Detail“ festzuhalten. Dabei war die Gefahr, entdeckt zu werden, für die CIA-Agenten in Venezuela besonders groß. Die Vereinigten Staaten unterhalten in Caracas nicht einmal mehr eine Botschaft, deren Arbeit noch als diplomatischer Deckmantel hätte dienen können. US-Elitesoldaten proben Einsatz in Nachbau von Maduros Haus Die Elitesoldaten der „Delta Force“ probten die Festnahme Maduros in einem Nachbau seines venezolanischen Hauses in Kentucky. Dort sollen sie auch geübt haben, Stahltüren noch schneller aufzusprengen. Nach Informationen der „New York Times“ wechselte der venezolanische Präsident immer wieder zwischen sechs bis acht Orten; oft hätten die Vereinigten Staaten bis zum späten Abend nicht gewusst, wo Maduro an diesem Tag schläft. Für den Angriff musste er sich jedoch in dem Haus befinden, für das die Spezialkräfte den Zugriff geübt hatten. Das befand sich noch dazu auf der am besten gesicherten Militärbasis Venezuelas. Trump hob am Samstag selbst hervor, man hätte sich bei diesem Angriff auch „blamieren“ können. Es sei gut, dass es keine Toten auf amerikanischer Seite gegeben habe. Sowohl Trump als auch Außenminister Marco Rubio hoben am Samstag hervor, Maduro habe vor der Entführung mehrmals die Chance auf eine andere Lösung gehabt, diese aber nicht genutzt. So soll er laut amerikanischen Medien am 23. Dezember einen Vorschlag abgelehnt haben, der ein Exil in der Türkei vorsah. Danach habe man die Mission konkret in Angriff genommen. Angriff war für Weihnachten geplant Am Tag vor Heiligabend verlegte Washington eine hohe Zahl von Spezialflugzeugen, Truppen und Ausrüstung in die Karibik, die auf eine weitere Verschärfung der Lage hindeutete. Zuvor waren schon mehr als zehntausend amerikanische Soldaten, der größte Flugzeugträger des Landes und mehrere Kriegsschiffe in der Region zusammengezogen worden. Soldaten übten feindliche Übernahmen, Kampfflugzeuge flogen in Formation vor der venezolanischen Küste. Laut „New York Times“ wollte das amerikanische Militär eigentlich über die Feiertage angreifen, weil viele venezolanische Militärangehörige im Urlaub waren. Doch das Wetter machte ihnen über Tage einen Strich durch die Rechnung. Am Freitagnachmittag stiegen die ersten Flugobjekte auf, dann kam am Abend Trumps endgültiger Einsatzbefehl per Telefon aus seinem Anwesen in Mar-a-Lago. An der Operation beteiligt waren nach den Angaben der Vereinigten Staaten verschiedene Kampfflugzeuge, Flugzeuge für elektronische Kriegführung, Aufklärungsflugzeuge, B1-Bomber, die bis zu 24 Marschflugkörper tragen können, und Drohnen. Der Angriff auf Venezuela begann laut General Caine mit der Zerstörung der venezolanischen Luftabwehr. Es folgte eine Cyberattacke, die die Stromversorgung in großen Teilen der Hauptstadt lahmlegte, damit die Hubschrauber im Anflug auf das Haus Maduros lange unbemerkt blieben. Aufnahmen aus Caracas zeigen Explosionen und Rauchwolken um etwa zwei Uhr nachts amerikanischer Ostküstenzeit. Amerikanische Medien berichten von etwa vierzig toten Zivilisten und Soldaten auf venezolanischer Seite. Maduro wusste offenbar bis zum letzten Moment nicht, dass die Amerikaner auf dem Weg waren. Trump wiederum verfolgte den Angriff in Echtzeit aus Florida. Von der Regierung veröffentlichte Fotos zeigen ihn in einem behelfsmäßig mit schwarzem Stoff verhängten Raum im Beisein von Caine, Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth. Im Hintergrund ist ein Bildschirm mit der Website X zu sehen, wo in der Suchzeile offenbar „Venezuela“ steht. Trump sagte später, den Angriff zu beobachten sei „wie eine Fernsehshow“ gewesen. Die Geschwindigkeit und die Gewalt seien „einfach unglaublich“ gewesen.
