FAZ 22.12.2025
07:00 Uhr

Mögliche Proteinquelle: Schmackhafte Pattys aus Pilz-Myzel


Essen aus Pilzen, die auf Industriemüll wachsen? Klingt nicht besonders lecker. Doch Forscher aus Gießen meinen: Der Versuch lohnt sich. Und nachhaltig soll dieses neue Lebensmittel auch noch sein.

Mögliche Proteinquelle: Schmackhafte Pattys aus Pilz-Myzel

Pilze, die auf Karottenabfällen wachsen, können als appetitliches Nahrungsmittel dienen. Zu diesem Schluss sind Forscher der Uni Gießen und der Technischen Hochschule Mittelhessen gekommen. Um neue Proteinquellen für die menschliche Ernährung zu finden, ließen sie mehr als 100 verschiedene Pilzsorten auf Resten von Möhren wachsen, die von einem Unternehmen zur Herstellung natürlicher Farbstoffe verwendet wurden. Am besten gedieh auf diesem Nährboden der Rosenseitling (Pleurotus djamor), auch rosa Austernpilz genannt. Die Forscher ernteten aber nicht die Fruchtkörper, sondern das Myzel, das wurzelartige Geflecht des Pilzes. Dieses hat einen hohen Proteingehalt und ist fettarm. Die Wissenschaftler stellten Pattys her, die in verschiedenen Anteilen Soja und Myzelien oder auch nur Myzelien enthielten. Testpersonen bewerteten Merkmale wie Textur, Geschmack und Geruch. Am besten schmeckten ihnen jene Pattys, die nur aus Myzel bestanden. Außerdem fabrizierten die Wissenschaftler vegane Würstchen, die entweder aus eingeweichten Kichererbsen oder frischen Myzelien bestanden. Auch in diesem Fall wurde das Pilzprodukt besser bewertet. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass pilzliche Myzelien eine nachhaltige und schmackhafte Proteinquelle sind, die zudem ähnliche ernährungsphysiologische Vorteile wie pflanzliche Proteine bieten kann“, sagt Studienautor Martin Gand. Da hier Nebenprodukte in Lebensmittelqualität für die Produktion von hochwertigen Proteinen genutzt würden, müsse keine zusätzliche Landwirtschaft betrieben werden, um die Ernährungssicherheit zu fördern. „Dies reduziert die Umweltauswirkungen.“