Die markante, 67 Meter hohe Hochhausscheibe am Mainufer ist schon von Weitem sichtbar. Fast 60 Jahre lang war das 1963 eröffnete Fünf-Sterne-Hotel Intercontinental eine der ersten Adressen Frankfurts. Es war Schauplatz hochkarätiger Konferenzen und Empfänge, aber auch eines Todesfalls im Zuge einer spirituellen Teufelsaustreibung. Im Frühjahr 2021 wurde überraschend der Betrieb des in Frankfurt meist nur „Interconti“ genannten Hotels eingestellt, das Inventar auf Ebay versteigert. Seitdem steht das Gebäude mit 470 Zimmern auf 21 Stockwerken am Rande des Bahnhofsviertels leer. Nur die Tiefgarage blieb in Betrieb. Fassade und Innenbereiche müssten saniert werden, hieß es damals. Jetzt zeichnet sich ab, dass in das riesige Geisterhaus wieder Leben einzieht. Der Eigentümer, das Immobilienunternehmen Aroundtown, bereitet nach eigenen Angaben „umfangreiche Renovierungsarbeiten“ vor. Demnach soll das Gebäude revitalisiert und an neue Marktbedingungen angepasst werden. Es soll weiter als Hotel- und Konferenzstandort genutzt werden. Einen Betreiber nennt Aroundtown noch nicht. Das von Berlin aus agierende Unternehmen hatte das Hochhaus 2018 erworben. Noch 2021 hatte es in Aussicht gestellt, das Hotel Ende 2024 oder Anfang 2025 wieder in Betrieb zu nehmen. Jetzt ist geplant, das ikonische Gebäude an der Wilhelm-Leuschner-Straße innerhalb der nächsten zwei Jahre wiederzueröffnen. Dabei solle mit Übernachtungs- und Konferenzangeboten sowie Veranstaltungen an die „frühere Strahlkraft“ des Hotels angeknüpft werden, teilte Aroundtown mit. Der prägende Charakter des von dem renommierten Frankfurter Architekturbüro ABB entworfenen und mehrfach renovierten Hauses solle erhalten bleiben. Anbauten kommen zunächst nicht Zunächst konzentrieren sich die Arbeiten ausschließlich auf das Bestandsgebäude. Die vor einigen Jahren entwickelte Idee, südlich und nördlich der Hochhausscheibe sechs- bis siebengeschossige Anbauten zu errichten, wird vorerst nicht weiterverfolgt. Die Pläne sahen vor, im nördlichen Anbau Einzelhandel, Gastronomie, Konferenzräume und einen Ballsaal unterzubringen. Der südliche Anbau war für 70 Wohnungen, eine Kindertagesstätte sowie eine begrünte Dachterrasse mit Pool konzipiert. 30 Prozent der Wohnungen sollten nach Angaben des Magistrats öffentlich gefördert und zu günstigen Konditionen vermietet werden. Daraus wird erst einmal nichts. Allerdings prüft Aroundtown nach eigenen Angaben parallel zu der Modernisierung des Gebäudes eine „perspektivische Weiterentwicklung“ des rund 10.000 Quadratmeter großen Areals am Mainufer. Der gültige Bebauungsplan bietet dafür nicht viele Möglichkeiten. Bereits 2021 hat das Stadtparlament deshalb auf Wunsch des Eigentümers beschlossen, für das Areal einen neuen Bebauungsplan aufzustellen. Beabsichtigt war, diesen im „beschleunigten Verfahren“ zu bearbeiten. Viereinhalb Jahre später ist das Verfahren nach Auskunft des Stadtplanungsamtes immer noch nicht abgeschlossen. Die städtebauliche Entwicklung auf dem Areal sei langfristig angelegt. Mit den Anbauten soll der „städtebauliche Auftritt“ des von den Straßen zurückgesetzten Hochhauses verbessert werden, so die Absicht der Stadtplaner. Dazu sollen die Blockränder an der Wilhelm-Leuschner-Straße und am Untermainkai geschlossen werden. Der 2021 vorgestellte Entwurf des Berliner Architekturbüros Collignon, der genau das vorsah, war allerdings auf deutliche Kritik bei Anwohnern und Frankfurter Architekten gestoßen. Ein städtebauliches Ensemble werde zerstört, lautete ein Argument. Nicht betroffen von der aktuellen Planung ist der 1972 errichtete frühere „City Wing“ des Intercontinental mit rund 300 Zimmern auf der gegenüberliegenden Seite der Wilhelm-Leuschner-Straße. Dieser Flügel wurde schon 2012 abgetrennt und wird heute eigenständig als Hotel der Marke Scandic betrieben. In unmittelbarer Nachbarschaft des Interconti steht ein weiteres großes Gebäude leer. Für das früher von Union Investment genutzte Hochhaus hat der Frankfurter Projektentwickler Groß & Partner zwar schon ausgearbeitete Umbaupläne. Mangels Nutzer ist bisher aber nicht absehbar, wann die Arbeiten beginnen werden. Am Intercontinental steht einem Beginn der Arbeiten nichts im Weg. Auch die letzten Bewohner sind keine Hürde: Das Turmfalkenpärchen, das auf dem Dach brütete, ist dort nach Angaben des Magistrats nicht mehr nachzuweisen.
