Die Vereinigten Staaten haben seit August starke Militärkräfte vor Venezuela aufgebaut. Mitte Dezember war dann von 15.000 Soldaten und mindestens elf Kriegsschiffen in der Region die Rede. Teilweise war die Mobilisierung als Drohkulisse gedacht und wurde offiziell von den amerikanischen Streitkräften kommuniziert. Andere Informationen über die amerikanische Truppenpräsenz nahe Venezuela stammen von kommerziellen Satelliten oder Medienberichten. Ohnehin nicht zu verbergen war die Verlegung des größten Flugzeugträgers der Welt. Im November erreichte die USS Gerald R. Ford in Begleitung weiterer Kriegsschiffe die Karibik. Auf dem 337 Meter langen und 78 Meter breiten Träger haben mehrere Flugzeuggeschwader und Hubschrauber Platz, insgesamt 90 Luftfahrzeuge. Darunter befinden sich Kampfflugzeuge. Ein mächtiger Verband mit Amphibienschiffen Ein Verband aus drei amphibischen Angriffsschiffen und Landetruppen der Marineinfanterie wurde ebenfalls mobilisiert. Diese Einheiten können mit Hubschraubern, Kipprotor-Flugzeugen des Typs V-22 Osprey oder senkrechtstartenden Kampfflugzeugen des Typs Harrier komplexe Operationen durchführen. Außerdem befanden sich zuletzt mindestens fünf Zerstörer der US-Marine in den Gewässern nahe Venezuela. Über ihre Bewaffnung macht das Pentagon keine Angaben, aber sie sind in der Regel unter anderem mit Tomahawk-Marschflugkörpern bestückt. Das gilt auch für die Unterseeboote der amerikanischen Marine, von denen im Dezember mindestens eines ebenfalls nahe Südamerika im Einsatz gewesen ist. Die Vereinigten Staaten unterhalten zudem Stützpunkte auf der Insel Puerto Rico, ihrem größten Außengebiet. Auf einem dortigen Flugplatz wurden bereits im September hochmoderne Kampfflugzeuge des Typs F-35B Ligtning II gesichtet. Im Herbst wurden nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AP zudem Flugzeuge vom Typ EA-18 „Growler“ nach ihrem Start in Puerto Rico fotografiert. Diese Flugzeuge dienen der elektronischen Kampfführung. Wertvoller Stützpunkt Puerto Rico Nach AP-Angaben wurden in der Region außerdem Kampfdrohnen vom Typ „Reaper“ (Sensenmann) beobachtet, die mit lasergelenkten Marschflugkörpern bewaffnet werden können. Übereinstimmende Berichte über die Präsenz von Poseidon-Seefernaufklärungsflugzeugen hat das Pentagon im vorigen Herbst nie bestätigt. Dafür veröffentlichten die Streitkräfte selbst ein Foto von einem „Ghostrider“-Flugzeug der Luftwaffe auf Puerto Rico, dessen große Bordkanonen Ziele am Boden mit hoher Präzision treffen können. Immer wieder wurden zuletzt auch andere US-Militärflugzeuge kurzfristig in der Region gesichtet, etwa B-52-Bomber mit sehr langer Reichweite oder F/A-18-Kampfflugzeuge, die über den Golf von Venezuela flogen. Seit September haben die amerikanischen Streitkräfte etliche Schiffe angegriffen, die nach ihren Angaben für den Rauschgiftschmuggel verwendet wurden. Über den ersten solchen Angriff mit angeblich elf Toten sprach Präsident Donald Trump am 2. September. Bis zum Jahresende hat das Pentagon 34 weitere Luftschläge gegen „Drogenboote“ bestätigt. Nach einer Aufstellung des US-Portals „Military Times“ wurden dabei nach US-Angaben insgesamt 114 Personen getötet. Zu Beginn dieser Woche, am 29. Dezember, verkündete Trump erstmals, dass es einen CIA-Angriff auf ein Ziel auf dem venezolanischen Festland gegeben habe. Demnach zerstörten die Amerikaner ein Dock, an dem Rauschgift auf Schiffe verladen worden sei. In den frühen Morgenstunden des 3. Januar schließlich verkündete Trump einen „großen Angriff auf Venezuela und seinen Anführer, Präsident Nicolás Maduro“ und teilte mit, Maduro und dessen Ehefrau seien gefangen genommen und außer Landes gebracht worden. Nach Informationen amerikanischer Medien wurde der Angriff von der „Delta Force“ ausgeführt, einer Eliteeinheit des Heeres zur Terrorbekämpfung.
