Mit dem Schlusspfiff brandete ohrenbetäubender Jubel auf: Die Seattle Seahawks sind Super-Bowl-Sieger 2026. Das Team um Quarterback Sam Darnold besiegte am Sonntagabend (Ortszeit) im kalifornischen Santa Clara die New England Patriots 29:13. Nach 2014 bejubelten die Seahawks damit ihren zweiten Sieg im großen Finale der National Football League (NFL). Die Patriots hingegen, die bei einem Erfolg mit dann sieben Super-Bowl-Siegen alleiniger Rekordhalter in der stärksten Football-Liga der Welt gewesen wären, gingen leer aus. Bei anfangs strahlendem Sonnenschein, fast wolkenlosem Himmel und Temperaturen in der Spitze um 17 Grad Celsius setzte sich Seattle in einem lange defensiv geprägten Spiel völlig verdient durch. Patriots-Quarterback Drake Maye, der zweitjüngste Spielmacher, der je eine Mannschaft im Super Bowl aufs Feld führte, hatte sichtlich mit dem großen Druck zu kämpfen, den die Seahawks-Defensive auf ihn ausübte. Doch weil auch New Englands Verteidigung zunächst starke Aktionen zeigte, allen voran Cornerback Christian Gonzalez, kam in den ersten drei Vierteln der Partie kein einziger Touchdown zustande. Vier Field Goals der Seahawks sorgten bis dahin für die einzigen Punkte, ehe dann im Schlussviertel erst Seattle und dann New England je ein Touchdown gelang. Danach folgten Seahawks-Highlights beinahe im Minutentakt: Eine Interception, ein weiteres Field Goal und schließlich ein sogenannter Pick Six, bei dem die Verteidigung nicht nur den Pass des Quarterbacks abfängt, sondern ihn auch noch in die gegnerische Endzone befördert, besiegelten die Partie. Ein letzter Touchdown der Patriots änderte daran nichts mehr. „Es ist wirklich eine magische Saison gewesen – vom ersten Spiel an bis heute Abend in Santa Clara“, sagte die Seahawks-Vorsitzende Jody Allen. An ihr Team gerichtet fügte sie hinzu: „Ihr seid Legenden.“ Quarterback Darnold sagte: „Alles, was wir heute Abend geleistet haben, war etwas ganz Besonderes.“ Bei Green Day wird kurz das Mikrofon stumm Wenige Minuten vor dem Anpfiff hatte ein Vorfall beim Auftritt der Rockband Green Day kurzzeitig für Aufsehen gesorgt. Im Stadion war klar vernehmbar gewesen, dass Sänger Billie Joe Armstrong für einen Moment das Mikrofon abgedreht wurde. Allerdings nicht an der Stelle, an der der Frontmann in der Vergangenheit immer wieder Auftritte für Kritik an US-Präsident Donald Trump, dessen MAGA-Bewegung oder zuletzt auch dem Vorgehen der Polizeieinheit ICE geäußert hatte, sondern offenbar lediglich als zensorische Maßnahme beim Wort „fuck“. Auf eine kurzfristige Anfrage der F.A.Z. zum Vorfall äußerte sich die NFL bislang nicht. Darüber hinaus nutzte die Band ihren Auftritt nicht, wie zuvor von vielen erwartet, für politische Statements. Bei einem Konzert in San Francisco zwei Tage vor dem Super Bowl hatte Armstrong noch deutlich Stellung bezogen und ICE-Beamte unter anderem aufgefordert, ihren „beschissenen Job“ zu kündigen. „Gott segne Amerika“ Auch der puerto-ricanische Sänger Bad Bunny, der Star der diesjährigen Halftime Show, verzichtete offenbar auf klar geäußerte Kritik an Trump oder ICE. Vor einer Woche hatte er bei der Verleihung der Grammys seine Ablehnung der vor allem gegen aus Lateinamerika stammende Einwanderer gerichteten Einsätze der Einheit noch deutlich und zum wiederholten Male zum Ausdruck gebracht. Nun jedoch nutzte er seine Bühne unter anderem, um ein klares Zeichen des Zusammenhalts zu setzen: „Das Einzige, was mächtiger ist als Hass, ist Liebe“, proklamierte er am Ende seiner spektakulären Show, bei der er unter anderem die US-amerikanische Sängerin Lady Gaga und den ebenfalls aus Puerto Rico stammenden Musiker Ricky Martin als Überraschungsgäste aufgeboten hatte. Dazu rief der Einunddreißigjährige „Gott segne Amerika“ ins Mikrofon, während zahlreiche Flaggen von Ländern aus Süd-, Mittel- und Nordamerika geschwenkt wurden. 65.000 Zuschauer fasste das Stadion im Super-Bowl-Set-up, wie die NFL unter der Woche bei einem Pressetermin bekannt gegeben hat – einige Tausend weniger als bei einem regulären NFL-Spiel. Das hatte einerseits mit zusätzlich verbauter Technik für die intensive TV-Begleitung und die beiden Showelemente vor dem Anpfiff und in der Halbzeitpause zu tun, andererseits mit den besonderen Sicherheitsvorkehrungen für das große Football-Spektakel, das von Homeland Security wie schon in den vergangenen Jahren mit der höchsten Sicherheitsstufe (SEAR Level 1) eingestuft worden war. Auch in Santa Clara war rund um das Stadion eine hohe Polizeipräsenz zu beobachten, teilweise trugen die Beamten schwere Bewaffnung. Verglichen mit dem Super Bowl 2025, bei dem mit Donald Trump erstmals ein amtierender US-Präsident das NFL-Finale im Stadion verfolgt hatte, gingen zumindest die sichtbaren Maßnahmen etwas zurück. Das wusste im vierten Viertel offenbar ein Mann zu nutzen, der mit nacktem Oberkörper auf den Rasen stürmte. Nach einem Sprint über beinahe das gesamte Spielfeld wurde er schließlich von Sicherheitskräften zu Boden gebracht. Auch Patriots-Profi Kyle Williams beteiligte sich daran, den Flitzer zu stoppen. Die Fans der Seahawks hatten den Tag schon lange vor dem Anpfiff zu einem Festtag gemacht. Bereits am späten Vormittag (Ortszeit) begannen ihre Partys rund um das Stadion. Ein Flugzeug, das ein Banner mit der Zahl „12“ hinter sich herzog, das symbolisch für die Seahawks-Fangemeinde steht, kreiste vor dem Spiel stundenlang am Himmel über ihren Köpfen. Auch auf den Rängen waren die Anhänger des Teams aus Seattle klar in der Überzahl, die in Santa Clara, der Heimspielstätte ihres NFL-Rivalen San Francisco 49ers, beinahe Heimspielatmosphäre herstellten. Sie sahen, wie ihre Mannschaft sich vor den Augen von Tennisstar Roger Federer, den Schauspielern Kevin Costner und Adam Sandler sowie Musiker Justin Bieber, die allesamt neben zahlreichen weiteren Größen aus Sport und Kultur ins Stadion gekommen waren, zeigte, was sie in dieser Saison so stark gemacht hatte: eine unnachgiebige und druckvolle Defensive, eine variantenreiche Offensive und insbesondere die Fähigkeit, auch nach Momenten, in denen es nicht wie gewünscht zu laufen scheint, das Letzte aus sich herauszuholen. „Wir haben die tollsten Fans auf der ganzen Welt. Schaut euch an, wie viele heute Abend hier sind. Wir haben nie aufgegeben, wir haben aneinander geglaubt“, sagte der sichtlich emotionale Seahawks-Cheftrainer Mike Macdonald bei der Pokalübergabe. Da war längst das grün-blau-weiße Konfetti in die mittlerweile spürbar abgekühlte Luft im Stadion geschossen worden, während von dessen Dach Feuerwerk den dunklen Nachthimmel erleuchtete. „Und jetzt sind wir Champions im Super Bowl.“
