FAZ 29.01.2026
13:57 Uhr

Mister Right gefunden: Ist das der neue Eintracht-Frankfurt-Trainer?


Ein Spanier soll den kriselnden Fußball-Bundesligaklub Eintracht Frankfurt wieder nach vorne bringen. Mit ihm kommt eine neue Spielidee an den Main. Und ein Trainer, der nicht bei jedem beliebt ist.

Mister Right gefunden: Ist das der neue Eintracht-Frankfurt-Trainer?

Sich zu wiederholen, ist normalerweise nicht die Sache von Markus Krösche. Der Frankfurter Sportvorstand weiß sich nämlich mit Worten zu helfen und scheut keine klaren Aus- oder Ansagen. Aber am Mittwochabend nach dem Aus in der Champions League (0:2 gegen Tottenham) bediente sich der Fünfundvierzigjährige hartnäckig zweier Standardsätze, um bei der entscheidenden Frage nicht Farbe bekennen zu müssen. Immer wenn sich die Medienrunde konkret nach dem zukünftigen Eintracht-Trainer erkundigte, sagte er gebetsmühlenartig: „Wir sind in guten Gesprächen. Wir verkünden dann etwas, wenn es etwas zu verkünden gibt.“ Krösche musste grinsen, als er zum wiederholten Mal emotionslos seine beiden Lieblingssätze aussprach, die wenig aussagekräftig waren. Immerhin begründete der Sportvorstand, warum es knapp zwei Wochen nach der Trennung von Dino Toppmöller noch keine Vollzugsmeldung auf dem wichtigen Posten gab, obwohl die Zeit drängt, weil Interimstrainer Dennis Schmitt mit seinem Team schon die dritte Niederlage nacheinander hinnehmen musste. Markus Krösche: „Es geht nicht immer um Zeit“ „Wir wollen den Trainer verpflichten, der der passende Trainer für Eintracht Frankfurt ist“, sagte Krösche. „Dabei geht es nicht immer um Zeit, sondern letztendlich um den richtigen Kandidaten.“ Im Bedarfsfall verfolgt jeder Klub dieses Ziel. Ihren Mister Right haben die Frankfurter schon gefunden. Nach Informationen der F.A.Z. soll Albert Riera den Trainerposten beim Tabellenachten der Fußball-Bundesliga übernehmen. Aus einem Kreis von drei, vier Fußballlehrern ist der 43 Jahre alte ehemalige spanische Nationalspieler der Wunschkandidat. Der auf Mallorca geborene Riera, der auch die russische Staatsbürgerschaft besitzt, hat den slowenischen Spitzenklub NK Celje in dieser Saison in die Play-offs der UEFA Conference League geführt. Die heimische Prva Liga dominiert der Pokalsieger mit großem Vorsprung; an diesem Sonntag (15 Uhr) tritt der Spitzenreiter zum Topspiel und Start in die zweite Saisonhälfte beim Dritten in Maribor an. Das kann der Grund dafür sein, warum sich die Eintracht noch ein paar Tage in Geduld üben muss. Mit Albert Riera selbst soll sie längst Übereinkunft über einen Vereinswechsel und einen Vertrag bis zum 1. Juli 2028 erzielt haben. Dessen Vereinbarung in Celje ist bis Mitte 2028 datiert. Dementsprechend wird für den ehemaligen Fußballprofi des FC Liverpool – dort erreichte er seinen höchsten Marktwert von 16 Millionen Euro – und von Manchester City eine Ablöse fällig, die im Bereich zwischen einer und drei Millionen Euro liegen dürfte. Den Gesamtmarktwert des Kaders von NK Celje gibt tranfermarkt.de mit 13 Millionen Euro an. Der der Eintracht hingegen beträgt 394 Millionen Euro. Die beiden Zahlen verdeutlichen, wie groß der Sprung wohl sportlich für den früheren Außenbahnspieler Albert Riera sein wird, der auf der Trainerbank ein eher unbekannter Fußballlehrer ist. Nach seiner Unterschrift in Frankfurt – diese leistet er in Kürze, wenn nichts Unerwartetes mehr eintritt – wird der 16-malige Nationalspieler, der in seiner aktiven Laufbahn mit 94 Partien die meisten Begegnungen für Espanyol Barcelona absolvierte, als Coach zum ersten Mal in einer der europäischen Topligen arbeiten. Krösche geht ins Risiko Insofern geht Markus Krösche mit seiner voraussichtlich mutigen Trainerauswahl ein nicht unbedeutendes Risiko ein. Erschwerend kommt hinzu, dass die fußballerisch instabile Eintracht tief in der Krise steckt. „Die Stimmungslage ist nicht gut. Wir müssen gemeinsam versuchen, da rauszukommen“, sagte Offensivspieler Ansgar Knauff nach Frankfurts Abschied aus dem internationalen Fußballgeschäft. Der neue Trainer muss das Team schnell in die Spur bringen. Erfahrung bringt der Englisch sprechende Riera aus Slowenien – dort betreute er auch NK Olimpija Ljubljana mit der Meisterschaft und dem Pokalsieg erfolgreich – sowie Frankreich (Girondins Bordeaux in der zweiten Liga) mit. Seine Trainerkarriere startete der Familienvater als Assistent bei Galatasaray Istanbul unter den Cheftrainern Fatih Terim und Domenec Torrent. Riera, der mit den namhaften Trainern Pep Guardiola und Mikel Arteta gut bekannt ist, hat einen hohen Anspruch und eine klare Idee davon, wie seine Mannschaft Fußball zu spielen hat. Er bevorzugt Offensivfußball mit dominantem Auftreten sowie hohes Pressing bei viel Ballbesitz. Von seinen Spielern verlangt Albert Riera, der eine klare Ansprache wählt und motivieren kann, Disziplin und Aufmerksamkeit fürs Detail. Sie müssen flexibel sein, außerdem mehrere Positionen einnehmen können. Wie er sollen sie selbstbewusst auftreten. Albert Riera, dem nachgesagt wird, ein Arbeitstier und autoritärer Trainer mit klaren Prinzipien zu sein, aber dabei immer ein offenes Ohr für seine Spieler zu haben, ist für sein Temperament bekannt. Eine gewisse Streitlust ist ihm offenbar eigen. Das haben gegnerische Trainer und Schiedsrichter schon zu spüren bekommen – vor allem wenn die Dinge nicht so laufen, wie Albert Riera sich das vorgestellt hat. Mancher Trainer bemängelte daher fehlenden Respekt im Umgang miteinander. Von seinem Vorgänger in Frankfurt, Dino Toppmöller, dürfte sich Albert Riera mit seiner Art deutlich unterscheiden. Toppmöller war kein Hitzkopf und hatte seine Emotionen im Griff. Er führte nicht das große Wort. Die Nähe, die Toppmöller teilweise zu den Spielern hatte, wird Albert Riera wohl nicht zeigen. Kommt alles wie geplant, wird sich der Spanier, der als Nationaltrainer Sloweniens im Gespräch war, zu Beginn der kommenden Woche bei der Eintracht präsentieren. Dann hätten die Frankfurter, die an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) im Heimspiel gegen Leverkusen vermutlich zum letzten Mal von Interimstrainer Dennis Schmitt betreut werden, aus ihrer Sicht ihren richtigen Kandidaten bekommen. Unter dem Motto: Gut Ding will Weile haben. „Von daher kann das etwas länger dauern, als der ein oder andere erwartet hat“, sagte Markus Krösche am Mittwochabend zur Trainersuche. Diesen Satz bemühte er beim Frage-und-Antwort-Spiel mit den Journalisten nur einmal.