FAZ 10.08.2026
18:11 Uhr

Mindestens 18 Tote: Schweres Erdbeben erschüttert Kolumbien


Ein Beben der Stärke 7,4 hat in Kolumbien schwere Schäden angerichtet. Besonders betroffen ist der Westen des Landes, wo erste Todesopfer zu beklagen sind.

Mindestens 18 Tote: Schweres Erdbeben erschüttert Kolumbien

Bei einem schweren Erdbeben in Kolumbien sind nach bisherigen Informationen mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen. Die erste Meldung von Todesopfern kam aus der westkolumbianischen Stadt Pereira. Der Bürgermeister der Stadt, Mauricio Salazar, sprach am Montag im Radiosender Caracol von mindestens 18 Toten in seiner Gemeinde. „Die Situation ist kritisch“, sagte er. Das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,4, das sich kurz nach 7.30 Uhr ereignete, lag laut dem US Geological Survey in der Gemeinde San José del Palmar im Departement Chocó, etwa 280 Kilometer westlich der Hauptstadt Bogotá. Die Tiefe des Erdstoßes wurde mit etwa 96 bis 107 Kilometern angegeben, was dazu führte, dass die Erschütterungen in einem außergewöhnlich großen Radius spürbar waren. Mehrere Gebäude in Cali eingestürzt Schwerwiegende Auswirkungen meldeten die Behörden aus der drittgrößten Stadt des Landes, Cali, wo laut Bürgermeister Alejandro Eder mindestens 20 Gebäude einstürzten. Es gibt Berichte über Menschen, die unter den Trümmern eingeschlossen sind, weshalb die Stadtverwaltung bereits die Unterstützung der Feuerwehren aus Bogotá und Medellín für die Bergungsarbeiten angefordert hat. Auch in Manizales, im Herzen der Kaffeeregion, kam es laut Berichten zu erheblichen Schäden. Bilder kursierten in den sozialen Medien, die die eingestürzte Turmspitze der Kathedrale sowie schwere strukturelle Schäden an Gebäuden der Universität Caldas zeigten. Die Gouverneurin von Chocó, Nubia Carolina Córdoba, bestätigte zudem mehrere Verletzte und schwere Gebäudeschäden in der Regionalhauptstadt Quibdó. „Uns bereiten die Nachbeben Sorgen“, schrieb Córdoba auf der Plattform X. In der Hauptstadt Bogotá löste das Beben heftige Erschütterungen aus, die etwa zwei Minuten andauerten und zu massenhaften Evakuierungen von Wohn- und Bürogebäuden führten. Trotz der Panik in den Straßen meldete Bürgermeister Carlos Galán nach ersten Überprüfungen keine Toten oder schwerwiegende Schäden an der Infrastruktur. Die nationale Luftfahrtbehörde sah sich jedoch gezwungen, den Betrieb an sechs regionalen Flughäfen, darunter in Pereira, Manizales und Quibdó, vorerst einzustellen, um mögliche Schäden an den Landebahnen und den Gebäuden zu prüfen. Die Reichweite des Bebens war so massiv, dass es nicht nur in weiten Teilen Kolumbiens, sondern auch in den Nachbarländern Ecuador, Venezuela und Panama deutlich wahrgenommen wurde. Sogar im fast 2000 Kilometer entfernten brasilianischen Manaus meldeten Bewohner schwankende Hochhäuser, was zu Sicherheitsinspektionen durch die örtliche Feuerwehr führte. Trotz der Stärke des Bebens gab die kolumbianische Seefahrt- und Hafenbehörde schnell Entwarnung bezüglich einer möglichen Gefahr eines Tsunamis an der Pazifikküste. Neuer Präsident reist ins Katastrophengebiet Der erst am Freitag vereidigte neue Präsident Abelardo de la Espriella reagierte umgehend auf die Katastrophe, indem er ein Krisenkabinett einberief und die Einrichtung eines zentralen Kommandopostens zur Koordinierung der Rettungsmaßnahmen in San José del Palmar anordnete. Er kündigte zudem an, das Katastrophengebiet persönlich zu besuchen, und forderte einen detaillierten Bericht über die Lage und den dringendsten Hilfsbedarf. Derweil arbeitet die nationale Katastrophenschutzbehörde daran, das volle Ausmaß der Schäden in Zusammenarbeit mit lokalen Stellen zu verifizieren. Seismologen mahnen zur Vorsicht, da bereits ein Nachbeben der Stärke 4,6 registriert wurde und weitere Erschütterungen in der geologisch aktiven Region, in der mehrere tektonische Platten aufeinandertreffen, nicht ausgeschlossen werden können. Kolumbien liegt in einer geologisch hochaktiven Zone, in der die Nazca-Platte, die Südamerikanische Platte und die Karibische Platte aufeinandertreffen. Laut dem Geologischen Institut Kolumbiens (SGC) handelt es sich um das stärkste Beben in Kolumbien seit über einem Jahrzehnt. Jährlich werden im Land durchschnittlich 2500 Erschütterungen registriert, wobei sich die Aktivität oft im sogenannten „seismischen Nest“ von Bucaramanga im östlichen Departement Santander konzentriert, bei dem es sich um eines der weltweit aktivsten Gebiete für Erdbeben in mittlerer Tiefe handelt. Das Beben in Kolumbien ereignete sich weniger als zwei Monate nach dem starken Doppelerdbeben in Venezuela, bei dem nach offiziellen Angaben der Regierung in Caracas mehr als 5500 Menschen umgekommen und Hunderte Gebäude zerstört worden sind. Unabhängige Stellen gehen von einer weitaus höheren Opferzahl aus, da weiterhin Tausende Personen als vermisst gelten.