FAZ 01.01.2026
11:19 Uhr

Millionengewinne: „Ein Lottogewinn verändert das Leben“


Zum Jahresbeginn wünscht man sich Glück – beim Lotto kann es sogar bares werden. Lotto-Hessen-Chef Martin Blach erklärt, warum Glücksspiel für ihn mehr ist als der Traum vom Jackpot.

Millionengewinne: „Ein Lottogewinn verändert das Leben“

Zum neuen Jahr wünscht man sich Glück – für manche bedeutet das auch Geld. Ist Glücksspiel da eine gute Idee? Nur, wer mitspielt, kann gewinnen. Und bei uns von Lotto Hessen ist das seriös und staatlich geprüft. Selbst wenn man nichts oder nur einen kleineren Betrag gewinnt, dann weiß man zumindest, dass ein Großteil der eingezahlten Gelder in Gemeinwohlprojekte fließt und dort Menschen Glück beschert. Rund 150 Millionen waren das im Jahr 2024. Damit schaffen wir eine Win-win-Situation. Sie meinen das, was die Glücksforschung als „Helfer-High“ beschreibt, dass Menschen, die anderen Gutes tun, glücklicher sind. Und dass man sich darum auch freuen kann, wenn man nichts gewinnt? Genau das glaube ich. Man sagt ja immer, geteiltes Glück ist doppeltes Glück, und ich glaube, das gilt bei uns. Auch wenn sich viele Spieler darüber gar nicht so bewusst sind, wenn sie ihren Tippschein abgeben. Doch das Gemeinwohl profitiert immer, denn 36 Prozent unseres Umsatzes fließen über das Land in gemeinnützige Projekte, dabei ist die Lotteriesteuer eingerechnet. Und gerade in Zeiten, in denen öffentliche Gelder knapp sind, machen wir oft den Unterschied, wenn wir noch Dinge fördern. Das gilt in ganz vielen Bereichen von Sozialem, Integration, Kultur oder Sport. Gibt es ein Projekt, das sie besonders glücklich gemacht hat? Im vergangenen Winter habe ich zum Beispiel Schlafsäcke an eine Diakonie-Station übergeben, und eine Streetworkerin sagte: Dank Lotto kann ich die an die Obdachlosen verteilen, das hilft uns sehr, denn bei Minusgraden kann das Menschenleben retten. So helfen zu können, ist für mich pures Glück. Auch viele im Team von Lotto Hessen schätzen das an der Arbeit hier. Und jeder, der spielt, hilft mit. Also auch, wer nur ein Feld ausfüllt? Ja, auch bei einem Tipp bei 6 aus 49 von 1,20 Euro oder bei zwei Euro für den Euro-Jackpot. Wir lassen ja die Kirche im Dorf und ziehen den Menschen keine Unsummen aus der Tasche. Und die Hälfte des Umsatzes wird immer an die Gewinner ausgeschüttet. Im vergangenen Jahr waren das rund 405 Millionen Euro. Nun gibt es ja auch kleinere Gewinne, machen die die Gewinner auch glücklich, oder ärgert man sich eher, wenn es nur 50 Euro sind? Das ist für uns schwer nachzuvollziehen. Aber ich schließe jetzt mal von mir auf andere: Wir haben ein neues Euro-Rubbellos, das kostet 20 Euro, und man kann zehnmal eine Million gewinnen. Ich habe mir ein Los gekauft und habe 30 Euro gewonnen. Über dieses Plus von zehn Euro habe ich mich wie ein Schneekönig gefreut. Und ich glaube, das geht vielen so. Viele Leute spielen ja genau wegen dieses kleinen Glücks. Dieser Glücksspieltrieb ist bei vielen Menschen einfach angelegt. Und den nutzt Lotto Hessen? Das ist unser staatlicher Auftrag, dafür legale Angebote zu machen. Denn viele nicht kontrollierte Angebote, deren Einnahmen nach Curacao oder Gibraltar gehen, sind meist nur einen Klick entfernt. Der größte Feind von unseren staatlichen, sicheren, seriösen Lotterien ist der Schwarzmarkt, der auch in den Hinterzimmern hiesiger Gaststätten stattfindet. Und der wächst nach verschiedenen Prognosen, und deswegen müssen wir attraktive Produkte anbieten. Also solche, bei denen man eine Million oder sogar mehrere gewinnen kann. Wie glücklich macht denn ein hoher Gewinn? Ich glaube, erst mal ist ein hoher Gewinn ein Schock. Allein, wenn ich jetzt aus diesem Jahr berichte, da hatten wir drei richtig große: einmal Anfang des Jahres 88 Millionen, dann hatte einer seinen Lottoschein mit einem Gewinn von 15 Millionen in der Übergangsjacke vergessen und erst nach vier Monaten gefunden, und kürzlich gab es noch mal 70 Millionen aus dem Eurojackpot an einem Freitagabend. Das war ein Ehepaar, und die Frau hat erzählt, dass sie bis zum Montag kein Auge zugetan hat, weil sie sich das gefragt hat, was jeder mal theoretisch tut: Was mache ich eigentlich mit so viel Geld? Aber abgesehen von dem Schlafmangel machte sie einen glücklichen Eindruck. Und bei den anderen? Bei den Gewinnern, die ich kennengelernt habe, hatte ich den Eindruck, dass sie das absolut verdient haben. Bei der Tippgemeinschaft, die die 88 Millionen gewonnen hat, sagte eine Mitspielerin, ihr einziger Wunsch sei es, mal Urlaub zu machen. Und das sind dann halt echt berührende Momente. Ich glaube, die wären auch mit weniger happy gewesen. Kann ein besonders großer Gewinn auch eine Last sein? Das kommt darauf an, wie man damit umgeht. Wir raten bei solchen Gewinnen immer, möglichst wenigen davon zu erzählen. Auch den eigenen Kindern erst einmal nicht. Solch ein Gewinn verändert halt das ganze Leben. Darum bieten wir auch Unterstützung an. Meist raten wir, in der Familie und im Freundeskreis von einem deutlich kleineren Gewinn zu sprechen. Wir haben aber in Hessen bisher noch nicht gehört, dass ein Gewinn Menschen ins Unglück gestürzt hat. Sie sind Theologe, muss man an sein Glück glauben? Zunächst: Am Ende geht es bei der Führung von Lotto Hessen um Betriebswirtschaft und harte Zahlen. Was das Spiel angeht, bin ich sicher, der Glaube hilft nicht weiter. Aber es gibt Verkaufsstellen, die nutzen für ihre  Kunden die Astrologie beim Zahlen-Tipp. Und wir hatten auch schon einen Millionengewinner, der gesagt hat: Ich habe über zehn Jahre immer die gleichen Zahlen gespielt und  habe fest daran geglaubt, dass sie irgendwann drankommen würden. Haben Sie eine Glücksformel für das Lottospielen? Nein. Ich persönlich nehme immer Zahlen nach dem Zufallsprinzip, auch Quick-Tipp genannt. Denn ich würde mich zu sehr ärgern, wenn ich mal nicht gespielt habe und dann sind „meine“ Zahlen gezogen worden. Und was ist außer einer Lotto-Million für Sie persönlich ein großes Glück? Gegen einen Millionengewinn hat wohl niemand etwas, aber ich bin da recht genügsam. Ich habe hier einen verrückten, tollen Job, der aber sehr zeitintensiv ist, darum ist Zeit mit der Familie für mich ein großes Glück.