FAZ 01.03.2026
22:06 Uhr

Militärschlag gegen Iran: Trump: Angriffe könnten vier Wochen andauern


Deutschland, Frankreich und Großbritannien kündigen potentielle „militärische Defensivmaßnahmen“ gegen Iran an +++ Partei dementiert Berichte über Tod Ahmadinedschads +++ Drei amerikanische Soldaten getötet +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Militärschlag gegen Iran: Trump: Angriffe könnten vier Wochen andauern

Tausende EU-Bürger noch in Iran Im angegriffenen Iran halten sich schätzungsweise noch ein paar Tausend Menschen auf, die die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates besitzen. Das sagte eine ranghohe EU-Beamtin in Brüssel. Viele von ihnen hätten allerdings auch die iranische Staatsangehörigkeit und wollten nicht zwingend das Land verlassen. Genaue Angaben zur Zahl der Menschen, die evakuiert werden wollen, machte sie nicht.Deutlich mehr Menschen mit Staatsangehörigkeit eines EU-Staates sitzen den Angaben zufolge unfreiwillig in Ländern rund um Iran fest, weil ihre Flüge wegen Luftraumsperrungen gestrichen wurden. Um ihnen bestmöglich zu helfen, wurde ein EU-Netzwerk für konsularische Zusammenarbeit aktiviert, das die Koordinierung von Evakuierungsbemühungen erleichtern soll.

Ölpreise schnellen hoch Die Ölpreise sind ​an diesem Montag um mehr als acht Prozent auf ⁠den höchsten Stand seit Monaten gestiegen. Ein ‌Barrel (159 Liter) ‌der Nordseesorte Brent verteuerte sich in der Spitze auf 82,37 Dollar, was einem Anstieg von 8,88 Prozent ​entspricht. Der Preis für ⁠die US-Leichtölsorte West Texas Intermediate stieg um acht Prozent auf ​72,38 Dollar. Iran hat den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge. Die Staaten des Ölkartells Opec+ hatten am Sonntag beschlossen, die Tagesproduktion zu erhöhen, um Engpässe und zu starke Preisanstiege zu verhindern.Bei iranischen Vergeltungsangriffen am Wochenende wurden ⁠Reedereikreisen ​und Behördenvertretern ⁠zufolge mindestens drei Tanker ​vor der Golfküste beschädigt und ein ‌Seemann getötet. 

EU verstärkt Marinemission im Roten MeerAngesichts der Spannungen in der Golfregion nach Beginn der US-israelischen-Angriffe auf Iran und iranischer Gegenangriffe verstärkt die EU ihre Marinemission im Roten Meer, wie die Nachrichtenagentur AFP von Diplomaten erfahren haben will. Zwei französische Kriegsschiffe sollten in den kommenden Tagen zur Verstärkung der EU-Marinemission Eunvafor Aspides entsandt werden, sagte ein EU-Diplomat am Sonntagabend. Bislang sind bereits drei Kriegsschiffe aus EU-Staaten bei der Mission im Einsatz. An der Mission sind auch rund 30 Bundeswehrsoldaten beteiligt. 

Außenminister Wadephul erwartet längeren KonfliktBundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) stellt die Bevölkerung auf eine längere Dauer des Konflikts im Nahen Osten ein. „Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert. Es ist nicht vorhersehbar, dass wir in den nächsten Tagen mit einer Beendigung der Kampfhandlungen rechnen können“, sagte Wadephul in der ARD-Sendung „Caren Miosga“. Deshalb müsse Vorsorge getroffen werden, „dass auf anderem Wege eine Ausreise aus diesen Ländern ermöglicht wird.“Mit Blick auf den Tod des iranischen Staatsoberhaupts und Religionsführers Ajatollah Ali Khamenei erklärte Wadephul, dessen Ende sei „mit Sicherheit gut“, sollte damit auch das von ihm geführte Regime enden. Khamenei habe ein „ruchloses“ System angeführt, das die eigene Bevölkerung unterdrückt und die Region destabilisiert habe.

Großbritannien erlaubt USA Nutzung von StützpunktenGroßbritannien erlaubt den USA nach den Worten von Premierminister Keir Starmer die Nutzung britischer Stützpunkte für „defensive“ Angriffe zur Zerstörung iranischer Raketen und Raketen-Abschussrampen. An den am Samstag begonnenen Angriffen auf Iran sei London jedoch nicht beteiligt gewesen, betonte Starmer am Sonntag in einer Videoansprache. Sein Land werde sich „auch jetzt nicht an offensiven Aktionen beteiligen“.Da Iran jedoch eine „Strategie der verbrannten Erde“ verfolge, unterstütze Großbritannien die „gemeinsame Selbstverteidigung unserer Verbündeten und unserer Leute in der Region“, erklärte der britische Premier weiter. 

Trump: Angriffe können noch vier Wochen andauernNach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump könnten die Angriffe auf Iran noch vier Wochen andauern. Das sagte Trump in einem interview mit der britischen Zeitung „Daily Mail“. Es sei schon immer ein vierwöchiger „Prozess“ gewesen. Iran sei ein großes Land. In einer Videobotschaft drohte Trump nach dem Tod von drei US-Militärangehörigen mit „Rache“. „Traurigerweise“ werde es bis zum Ende des Einsatzes „wahrscheinlich“ weitere Todesopfer in den Reihen der US-Armee geben, sagte der Präsident am Sonntag in einer Videobotschaft. „Aber Amerika wird ihren Tod rächen und den Terroristen, die der Zivilisation den Krieg erklärt haben, den härtesten Schlag versetzen.“Die iranischen Streitkräfte und die Polizei forderte Trump abermals auf, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. Anderenfalls drohe ihnen „der sichere Tod“. Es wird nicht schön“, warnte er. An die Iraner appellierte der US-Präsident, die Führung in Teheran zu stürzen: „Ich rufe alle iranischen Patrioten, die nach Freiheit streben auf, diesen Moment zu nutzen um mutig, kühn und heldenhaft zu sein und eurer Land zurückzuerobern. Amerika ist mit euch.“  

Mindestens sechs Verletzte nach Raketenangriff auf JerusalemBei einem iranischen Raketenangriff auf den Großraum Jerusalem sind nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes mindestens sechs Menschen verletzt worden. Sanitäter betreuten einen Mann mit mittelschweren sowie fünf weitere Menschen mit leichten Verletzungen, erklärte der Rettungsdienst am Sonntagabend. Die israelische Polizei war nach eigenen Angaben im Einsatz, nachdem Meldungen über Raketentrümmer eingegangen waren. 

Iran nennt Namen von sieben getöteten GenerälenDie Liste der bei den amerikanisch-israelischen Luftangriffen getöteten Offiziellen wird immer länger. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte am Abend die Namen von sieben Generälen, die zu „Märtyrern“ wurden, wie es hieß. Darunter sind unter anderem Mohammed Schirasi, der Stabschef des ebenfalls getöteten Revolutionsführers Ajatollah Ali Khamenei, sowie dessen Stellvertreter Akbar Ebrahimzadeh. Wann und wo die Generäle ums Leben kamen, ging aus der Meldung nicht hervor.

USA: Mehr als 1000 iranische Ziele angegriffenDas US-Militär teilt mit, seit Beginn der Offensive am Samstag seien bislang mehr als 1000 iranische Ziele angegriffen worden. In einem Informationsblatt listet das Zentralkommando diverse Ziele auf, unter anderem Kommando- und Kontrollzentren der Revolutionsgarden, Standorte von Luftabwehrsystemen und ballistischen Raketen, Schiffe und U-Boote der iranischen Marine, Standorte für Schiffsabwehrraketen und Orte militärischer Kommunikation.Unterdessen drohte Irans Außenminister Abbas Araghtschi mit einem langen Krieg. „Wir hatten zwei Jahrzehnte, um Niederlagen des US-Militärs bei unseren westlichen und östlichen Nachbarn zu studieren“, schrieb der Minister im Kurznachrichtdienst X. Er spielte damit auf die Kriege in Afghanistan und dem Irak an. Daraus habe man Lehren gezogen, fügte er hinzu. Dezentralisierte Verteidigungsstrukturen ermöglichten dem Land, den Krieg nach Belieben in die Länge zu ziehen. 

Erdoğan bedauert Tod von KhameneiDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat nach der Tötung des iranischen Staatschefs Ali Khamenei sein Beileid bekundet. Er bedauere den Tod Khameneis aufgrund der Angriffe am Samstag und spreche dem iranischen Volk sein Beileid aus, schrieb Erdoğan auf der Plattform X. Die Türkei werde ihre Bemühungen fortsetzen, damit der Konflikt in der Region beendet werde und man zur Diplomatie zurückkehre.

Berlin, Paris und London „entsetzt\" von iranischen Angriffen auf GolfstaatenDeutschland, Frankreich und Großbritannien haben die iranischen Angriffe auf mehrere Golfstaaten scharf verurteilt. In einer gemeinsamen Mitteilung der sogenannten E3-Staaten von Sonntag zeigten sich diese „entsetzt angesichts der wahllosen und unverhältnismäßigen Raketenangriffe des Iran auf Länder in der Region, darunter auch solche, die nicht an den ursprünglichen militärischen Operationen der USA und Israels beteiligt waren“. Teheran müsse seine „rücksichtslosen Angriffe“ sofort einstellen. Andernfalls werde man „die notwendigen Maßnahmen ergreifen“, um die eigenen Interessen und jene der Verbündeten in der Region durchzusetzen. Man werde hierzu mit den USA und den Verbündeten in der Region zusammenarbeiten. Das könne „potentiell auch, falls notwendig, das Ermöglichen von verhältnismäßigen militärischen Defensivmaßnahmen einschließen, um die Fähigkeit des Iran, Raketen und Drohnen abzufeuern, an der Quelle zu zerstören“. Damit sei aber vor allem die britische Erlaubnis gemeint, britische Militärbasen für US-Angriffe auf iranische Raketendepots oder Abschussrampen für Raketen zu erlauben, sagte ein EU-Diplomat. Ein Sprecher für die Bundesregierung erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Formulierung für Deutschland bedeute, „dass wir uns das Recht vorbehalten, unsere Soldaten in der Region zu schützen, falls sie angegriffen werden“. Dieses Recht zur Selbstverteidigung nähmen die Soldaten der Bundeswehr auch wahr. 

Vereinigte Arabische Emirate schließen Botschaft in IranDie Vereinigten Arabischen Emirate schließen ihre Botschaft in Teheran und ziehen ihren Botschafter sowie alle Mitglieder ihrer diplomatischen Vertretung ab. Das kündigte die amtliche Nachrichtenagentur an. Grund sind die andauernden iranischen Raketenangriffe. Die Führung in Abu Dhabi verurteilte die Attacken, die zivile Ziele wie Wohngebiete, Flughäfen, Häfen und Dienstleistungseinrichtungen getroffen und unbewaffnete Zivilisten in Gefahr gebracht hätten, als „gefährliche und unverantwortliche Eskalation, die einen klaren Verstoß gegen die nationale Souveränität, das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen“ darstelle. Das Außenministerium erklärte, die Entscheidung spiegele die feste und entschlossene Haltung des Landes wider, jegliche Angriffe auf seine Sicherheit und Souveränität zurückzuweisen. Die arabischen Golfstaaten, die sich als Hort der Sicherheit und Stabilität in der Region darstellen, geraten durch den Beschuss aus Teheran unter zunehmenden Druck. Sie reagieren darauf indes nicht mit Versuchen, Israel und die USA zu einer Beendigung ihrer Angriffe zu drängen, sondern rücken enger gegen Iran zusammen.

Heftige Explosionen in TeheranDie iranische Hauptstadt Teheran ist am Abend von schweren Explosionen erschüttert worden. Im Norden der Stadt zitterten die Wände, als kurz hintereinander zwei laute Detonationen zu hören waren, berichtete ein dpa-Reporter vor Ort. Auf Bildern waren unter anderem ein großer Feuerball und eine dunkle Rauchwolke über der Stadt zu sehen. Die Nachrichtenagentur Isna meldete, Einrichtungen des staatlichen Rundfunks seien zum Ziel eines israelisch-amerikanischen Angriffs geworden. Weiteren Berichten zufolge wurde auch der Sitz der iranischen Atombehörde angegriffen.Das israelische Militär berichtete am Abend, dass im Rahmen großangelegter Angriffe mehrere Dutzend militärischer Kommandozentren Irans attackiert worden seien, darunter das Hauptquartier der Revolutionsgarden, Hauptquartiere der Geheimdienste, der Luftwaffe sowie von Einrichtungen der inneren Sicherheit Irans. Ziel sei es gewesen, Einrichtungen zu treffen, von denen aus Kampfeinsätze gegen Israel und andere Staaten gesteuert wurden, hieß es.