FAZ 28.02.2026
20:22 Uhr

Militärschlag gegen Iran: Netanjahu: „Anzeichen“ für den Tod von Khamenei


Israels Ministerpräsident: Khameneis Anwesen wurde zerstört +++ Irans Roter Halbmond berichtet von 201 Toten und 747 Verletzten +++ Merz: Iran muss militärische Schläge sofort einstellen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Militärschlag gegen Iran: Netanjahu: „Anzeichen“ für den Tod von Khamenei

Iran schränkt die Arbeit ausländischer Medien drastisch ein Für ausländische Journalisten und Fotografen wird die Arbeit in Iran noch schwieriger: Nach Angaben des Kultusministeriums dürfen Bilder und Informationen über angegriffene Ziele im Inland nur noch mit Genehmigung des Generalstabs veröffentlicht werden. Das betrifft auch Orte, von denen Raketen abgefeuert wurden, sowie militärische Einrichtungen während eines Angriffs.Unter die neuen Richtlinien fallen auch die „Veröffentlichung jeglicher Nachrichten, die die Stärke des Feindes im Krieg suggerieren oder das Bild des Landes gegenüber dem Feind schwächen, sowie Themen, die während des Krieges Besorgnis und Unruhe in der öffentlichen Meinung hervorrufen.“Statistiken und Daten über militärische oder zivile Opfer sowie Informationen über Angriffe des Gegners dürfen erst veröffentlicht werden, nachdem offizielle Sprecher die Angaben bestätigt haben.Das Ministerium warnte außerdem vor Falschmeldungen und forderte Medienschaffende auf, unzuverlässige Quellen zu ignorieren. 

EU-Außenminister beraten am SonntagAngesichts der US-israelischen Luftangriffe auf den Iran und zahlreicher Vergeltungsattacken Teherans hat die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas eine außerordentliche Sitzung der EU-Mitgliedstaaten für Sonntag angesetzt. „Ich werde am Sonntag eine außerordentliche Sitzung des Rates für Auswärtige Angelegenheiten per Videokonferenz einberufen, um über den Iran und die sich rasch entwickelnden Ereignisse im Nahen Osten zu beraten“, erklärte Kallas am Samstag im Onlinedienst X. „Die wahllosen Angriffe des iranischen Regimes auf seine Nachbarn bergen die Gefahr, die Region in einen größeren Krieg zu ziehen, und wir verurteilen dies“, fügte die EU-Außenbeauftragte hinzu.

Spitzenpolitiker in den USA sehen Angriffe auf Iran kritisch Spitzenpolitiker aus den Vereinigten Staaten haben die israelisch-amerikanischen Angriffe auf Iran kritisiert. Zohran Mamdani, Bürgermeister von New York und damit der größten Stadt des Landes, nannte die Militärschläge der USA und Israels eine „katastrophale Eskalation eines illegalen Angriffskrieges“. Auf der Plattform X schrieb der linke Demokrat: „Die Amerikaner wollen das nicht. Sie wollen keinen weiteren Krieg, um einen Regimewechsel herbeizuführen.“ Die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez warf US-Präsident Donald Trump vor, die langfristigen Konsequenzen seines Handels nicht absehen zu können. „Dieser Krieg ist rechtswidrig. Er ist unnötig. Und er wird katastrophal.“ Der demokratische Senator Mark Kelly schrieb auf X: „Trump schickt unsere Soldaten ohne klare Erklärung oder Ziel in Gefahr.“ Er kritisierte Trump auch dafür, dass er nicht den Kongress um Zustimmung für die Militäroffensive angerufen habe. 

US-Militär: Keine Verluste durch iranische Angriffe  Das US-Militär hat bei den iranischen Vergeltungsangriffen mit Hunderten von Raketen und Drohnen nach eigenen Angaben keine Verluste erlitten. Es gebe weder Meldungen über US-Opfer noch über kampfbedingte Verletzungen. Zudem seien Schäden an US-Einrichtungen minimal und hätten die laufenden Einsätze nicht beeinträchtigt, teilt das US-Zentralkommando (Centcom) mit. 

Menschen demonstrieren auch in MünchenNach den Angriffen Israels und der USA auf den Iran haben zahlreiche Menschen in München gegen die Führung in Teheran demonstriert. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 500 Menschen an dem Protest unter dem Motto „Nein zur Islamischen Republik Iran!“. Der Protestzug hat inzwischen das Prinz-Carl-Palais erreicht. Die dortige Kundgebung soll noch bis 20 Uhr dauern, sagte ein Polizeisprecher. Auch in Hamburg gab es eine große Kundgebung; in Berlin und Frankfurt gingen ebenfalls Menschen gegen die iranische Regierung auf die Straße.

Nachdem es auf der Luxusinsel „The Palm“ in Dubai zu Explosionen gekommen sein soll, werden viele Flüge in die Region gestrichen. 

Iran nennt Totenzahl Nach Angaben der iranischen Hilfsorganisation Roter Halbmond wurden in Iran bis zum Abend 201 Personen getötet und 747 Personen verletzt. Wie viele davon Zivilisten seien, wurde nicht mitgeteilt. Iran hat bisher in keinem konkreten Fall den Tod eines politischen oder militärischen Führers bestätigt. Außenminister Abbas Araghchi sagte nur, dass das Land „wenige Kommandeure“ verloren habe.   

Israel: Angriffe auf Iran die bisher „größten“ seiner Luftwaffe Die Angriffe auf Iran sind nach Angaben des israelischen Militärs die „größten“ in der Geschichte seiner Luftwaffe. Rund 200 Kampfflugzeuge hätten seit dem Morgen an dem „umfangreichen Angriff auf das Raketenarsenal und die Verteidigungssysteme des iranischen Terrorregimes im Westen und im Zentrum Irans“ teilgenommen, teilte die Armee mit. Die Kampfflugzeuge hätten „etwa 500 Ziele“ angegriffen, „darunter Luftverteidigungssysteme und Raketenwerfer“. Kurz zuvor hatte die Armee mitgeteilt, die Luftangriffe Israels und der USA hätten ein „völlig anderes Ausmaß“ als die Angriffe während des zwölftägigen Krieges von 2025. Der am Morgen gestartete Militäreinsatz sei „komplexer und komplizierter“, erklärte Generalstabschef Ejal Samir. Die Vorbereitungen seien „kurz, aber intensiv und unglaublich gründlich“ gewesen. Samir sprach von einem „beispiellosen“ Militäreinsatz gegen Iran. „Wir befinden uns in höchster Einsatzbereitschaft, sowohl defensiv als auch offensiv.“

Bericht: 100.000 Israelis im Ausland gestrandet Wegen der militärischen Eskalation zwischen Israel und Iran sind derzeit einem Medienbericht zufolge rund 100.000 Israelis im Ausland gestrandet. Das berichtete der israelische Sender Channel 12. Wegen der iranischen Gegenangriffe nach den israelisch-amerikanischen Attacken im Iran wurde der Luftraum über Israel bis auf weiteres für zivile Flüge geschlossen.Dem Sender zufolge sitzen auch Dutzende israelische Passagiere in Saudi-Arabien fest. Sie seien eigentlich auf dem Weg in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gewesen und in Saudi-Arabien notgelandet. Zu Saudi-Arabien unterhält Israel – anders als zu den VAE – keine diplomatischen Beziehungen. Vor Beginn des Gaza-Kriegs nach dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober 2023 hatte es Gespräche über eine Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Ländern gegeben. Laut Channel 12 sind die Israelis noch an Bord ihres Flugzeugs. 

Erste Meldung aus dem Weißen Haus nach Trumps Video Der Präsident habe die Lage die ganze Nacht über aus Mar-a-Lago beobachtet, hieß es in einer Stellungnahme der Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. Donald Trump habe außerdem mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu telefoniert.Leavitt teilte mit, Außenminister Marco Rubio habe vor dem Angriff sieben von acht Mitgliedern der „Gang of Eight“ erreicht und sie über die bevorstehende Militäroperation informiert. Die Gruppe aus Parteiführern im Kongress und Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses wird über wichtige geheimdienstliche Vorgänge unterrichtet.

Zwei Verletzte in IsraelBei iranischen Vergeltungsangriffen auf Israel sind nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes mindestens zwei Menschen verletzt worden. Ein Mann wurde demnach am Samstag bei einer Explosion im Norden des Landes leicht verletzt. Ein Jugendlicher erlitt bei einem weiteren Angriff Verletzungen an den Beinen. Zuvor hatte der Rettungsdienst nach eigenen Angaben bereits mehrere Menschen versorgt, die sich auf dem Weg in die Schutzräume verletzt hatten oder Panikattacken erlitten. 

Iran-Demonstration in HamburgStunden nach Bekanntwerden der Angriffe auf Iran sind Tausende Menschen aus der iranischen Community mit Flaggen Irans, der USA, Israels und Deutschlands durch die Hamburger Innenstadt gezogen. Die Demonstration war schon vor längerer Zeit angemeldet worden. Es gab Trommeln und auch „USA, USA“-Rufe. Redner betonten die Bedeutung eines Machtwechsels in Teheran. Entscheidend sei aber, wie es danach weitergehe. Nach Polizeiangaben verlief die Veranstaltung bis zum Nachmittag friedlich und ohne größere Vorkommnisse. Die genaue Teilnehmerzahl wollte die Polizei nach Abschluss der Veranstaltung am Abend mitteilen. 

Selenskyj lobt Trump für AngriffNach Angriffen Israels und der USA auf Ziele in Iran hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sich demonstrativ hinter Washington gestellt. Immer wenn die USA entschlossen seien, würden globale Verbrecher schwächer, teilte er in einer Videobotschaft mit. Dieses Verständnis müsse auch Russland, das seit mehr als vier Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, erreichen.Es sei nur gerecht, dem iranischen Volk eine Chance zu geben, sich des „Terrorregimes zu entledigen“ und allen Völkern Sicherheit zu garantieren, die unter von Iran ausgehendem Terror gelitten haben, führte er aus. Obwohl die Ukraine Iran nie bedroht habe, habe sich die iranische Führung entschieden, Kremlchef Wladimir Putins Verbündeter zu sein, sagte Selenskyj. Russland habe in seinem seit mehr als vier Jahren andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine mehr als 57.000 Kampfdrohnen der ursprünglich iranischen Bauart Schahed eingesetzt.