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28.02.2026
16:28 Uhr
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Iran: Vier US-Stützpunkte attackiert +++ Auch Saudi-Arabien bestätigt iranischen Raketenangriff +++ Einschläge in Israel und im Norden des Iraks +++ Iranischer Außenminister: Khamenei lebt – „soweit ich weiß“ +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Auswärtiges Amt spricht Reisewarnungen für zahlreiche Länder in Nahost ausDas Auswärtige Amt hat offizielle Reisewarnungen für zahlreiche Länder in der Region ausgesprochen. Die Reisewarnungen gelten für auch bei deutschen Urlaubern beliebte Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Oman und Katar – und zudem für Bahrain, Irak, Israel, Jordanien, Kuwait, Libanon und Saudi-Arabien. Der Erklärung war eine Sitzung des Krisenstabs der Bundesregierung vorausgegangen.Das Auswärtige Amt forderte zudem alle Deutschen auf, den Libanon zu verlassen – für Iran galt dies bereits. Die jeweiligen deutschen Auslandsvertretungen stünden in Kontakt mit den deutschen Staatsangehörigen vor Ort, erklärte das Auswärtige Amt weiter. Zudem seien Personal-Fürsorgemaßnahmen für die entsandten Mitarbeiter des Auswärtigen Amts getroffen worden.Reisewarnungen werden nach Angaben des Auswärtigen Amts immer dann ausgesprochen, wenn davon ausgegangen werden muss, dass in dem betreffenden Land „jedem Reisenden eine konkrete Gefahr für Leib und Leben droht“. Für die Palästinensergebiete galt bereits eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts.
Großbritannien lässt wegen Eskalation des Irankonflikts Militärflugzeuge aufsteigenAls Reaktion auf die Eskalation des Konflikts in Iran hat Großbritannien Militärflugzeuge aufsteigen lassen. Der britische Premierminister Keir Starmer sagte am Samstag in einer kurzen Fernsehansprache, dies sei Teil von „koordinierten regionalen Verteidigungseinsätzen, um unsere Bevölkerung, unsere Interessen und unsere Verbündeten zu schützen“. Dies stehe in Einklang mit dem Völkerrecht. Starmer hatte zuvor eine Krisensitzung mit wichtigen Ministern zur Lage im Nahen Osten abgehalten.
Irans Behörden rufen per SMS zum Verlassen von Teheran aufDie Behörden Irans haben die Menschen in Teheran wegen der Angriffe Israels und der USA per SMS zum Verlassen der Hauptstadt aufgerufen. „Angesichts der gemeinsamen Einsätze der USA und des zionistischen Regimes gegen Teheran und andere Großstädte sollten Sie, wenn möglich und Ruhe bewahrend, andere Städte ansteuern“, hieß es in der SMS, die auch Journalisten der Nachrichtenagentur AFP in Iran erhielten.
UN-Sicherheitsrat kommt zu Dringlichkeitssitzung zusammenDer UN-Sicherheitsrat will angesichts der Angriffe Israels und der USA auf den Iran zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen soll sich am Samstag um 16 Uhr Ortszeit treffen; in Europa ist es dann 22 Uhr abends. Frankreich und Bahrain hätten die Sitzung angefragt, teilte die israelische Botschaft bei den Vereinten Nationen mit.UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Eskalation unterdessen scharf: „Ich fordere einen sofortigen Stopp der Kampfhandlungen und eine Deeskalation“, teilte der UN-Chef mit. Er forderte alle Parteien auf, unverzüglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Saudi-Arabien bestätigt iranischen RaketenangriffIran hat bei seinen Gegenangriffen im Nahen Osten auch Ziele in Saudi-Arabien attackiert. Iran habe Ziele im Raum der Hauptstadt Riad und im Osten des Landes angegriffen, teilte das saudische Außenministerium mit. Diese seien erfolgreich abgewehrt worden. Man verurteile die Angriffe auf das Schärfste, hieß es in der Mitteilung aus Riad. Das Königreich habe seinen eigenen Luftraum zuvor nicht für Angriffe gegen Iran zur Verfügung gestellt. Die Führung in Teheran habe dies gewusst und Saudi-Arabien nun dennoch angegriffen.Anwohner hatten zuvor berichtet, dass im Südosten von Riad eine mutmaßlich iranische Rakete abgefangen wurde. Dort sind US-Truppen an einem Luftwaffenstützpunkt stationiert. Berichte über Opfer oder Schäden gab es nicht.
Iranischer Außenminister: Khamenei lebt – „soweit ich weiß\"Das iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Khamenei hat nach Worten des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi die israelisch-amerikanischen Luftangriffe überlebt. Khamenei sei „soweit ich weiß“ noch am Leben, sagte der Minister im Gespräch mit dem US-Sender NBC News. Araghtschi zufolge sind bei den Angriffen zwei Kommandeure getötet worden. Ranghohe Funktionäre der Führung in Teheran hätten überlebt. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, die sich auf den Fernsehsender Al-Alam bezieht, will sich Khamenei in wenigen Minuten in einer Rede äußern. Araghtschi versuchte in dem Gespräch mit NBC News, Trumps Hoffnungen auf einen Sturz der Regierung in Teheran zunichtezumachen. Dies sei eine „Mission Impossible“, sagte er. Aktuell gebe es keinen direkten Draht nach Washington, Iran sei aber an einer Deeskalation interessiert. Voraussetzung für Verhandlungen sei jedoch ein Ende der Angriffe. „Wenn die USA reden wollen, wissen sie, wie sie uns erreichen können.“ Teheran werde allerdings nicht auf seine Rechte verzichten, einschließlich der Uran-Anreicherung.
Marjorie Taylor Greene: „Was macht ihr Verrückten da???“Die frühere Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene hat sich entsetzt über den Angriff auf Iran gezeigt. Taylor Greene teilte auf X einen Beitrag über Dutzende getötete Schüler in Iran und schrieb dazu, dies sei „KEINE Befreiung des iranischen Volkes!!!“, sondern ein „Mord an ihren Kindern“. Weiter hieß es: „Was zum Teufel macht ihr Verrückten da??? AMERIKA UNTERSTÜTZT DAS NICHT!!!“ Taylor Greene, vormals eine glühende Anhängerin der „Make America Great Again“-Bewegung, hat sich in den vergangenen Monaten von Trump abgewandt. Am Donnerstag hatte sie in einem Beitrag auf X geschrieben, sollte Trump einen Krieg in Iran anfangen, werde das das „Ende von MAGA“ sein. Übrige prominente Stimmen der MAGA-Bewegung hielten sich mit Bemerkungen zum Angriff auf Iran zunächst zurück. Der Journalist Jonathan Karl vom Sender ABC berichtete auf X jedoch, er habe mit Tucker Carlson gesprochen. Der langjährige Fox-News-Moderator, der inzwischen eine eigene Show hat, soll die Entscheidung des Präsidenten als „absolut widerwärtig und böse“ bezeichnet haben.
Immer wieder Raketenalarm in IsraelWegen der iranischen Gegenangriffe wird in Tel Aviv und anderen israelischen Städten weiterhin immer wieder Raketenalarm ausgelöst. Zivilschutzbehörde und Militär riefen die Menschen im Land am Samstag mehrfach auf, Schutzräume aufzusuchen und dort auf Entwarnung zu warten. Die Verteidigung sei „nicht hermetisch“, hieß es in einer Mitteilung des Militärs. Ein Einwohner Tel Avivs sagte, es seien die intensivsten Angriffe auf die Stadt, die er je erlebt habe. Es gebe etwa jede halbe Stunde Luftalarm. Israelische Medien berichteten, dass mindestens ein Gebäude im Großraum Tel Aviv getroffen worden sei und dabei auch Menschen zu Schaden gekommen seien. Dafür gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Iran feuert als Reaktion auf Angriffe Israels und der USA Raketen auf Israel.Unterdessen telefonierte Bundeskanzler Friedrich Merz nach Angaben eines Sprechers mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Es habe im Lauf des Tages insgesamt „sehr viele Koordinierungstelefonate“ gegeben, teilt der Regierungssprecher in Berlin mit.
Der Angriff auf Iran könnte zu einer tagelangen Schließung der für die Schifffahrt überaus wichtigen Straße von Hormus vor der iranischen Küste führen. Was bedeutet das für den weltweiten Handel?
Iranische Raketenangriffe im NordirakAuch die kurdische Autonomieregion im Nordirak ist Ziel iranischer Vergeltungsangriffe. Augenzeugen berichteten am Samstag, es seien Raketen in der Hauptstadt Erbil in der Nähe eines amerikanischen Militärflughafens und des amerikanischen Konsulats abgefangen worden. Die kurdische Regionalregierung ließ bis zum Mittwoch die Schulen schließen. Im Irak ringen die USA und Iran um Einfluss. Am Samstagvormittag wurde ein Stützpunkt der sogenannten Volksmobilisierungskräfte in der Provinz Babil bombardiert, wobei laut Angaben des irakischen Militärs zwei Personen getötet wurden. Die Volksmobilisierungskräfte sind ein Dachverband von Paramilitärs, die formell unter dem Kommando der Regierung stehen, in deren Reihen es aber irantreue schiitische Milizen gibt. Eine von ihnen, die Gruppe Kataib Hizbullah, die laut irakischen Medienberichten die angegriffene Basis in Babil hauptsächlich nutzt, hatte noch am Donnerstag verkündet, sie bereite sich auf einen langen „Abnutzungskrieg“ mit den USA vor. Den nordirakischen Kurden drohte sie, besser nicht mit „feindlichen ausländischen Kräften“ zu kooperieren, weil das „ihre Sicherheit und Zukunft gefährden könnte“. Von Iran unterstützte und gelenkte Milizen beschuldigen die Autonomieregierung, Gehilfe der USA zu sein und westliche Militärpräsenz zu erleichtern.
Aus dem Kongress kommen Kritik und LobThomas Massie, einer der lautesten republikanischen Kritiker Trumps im Kongress, ließ mit einer Reaktion nicht lange auf sich warten. Der Angriff auf Iran sei eine kriegerische Handlung, die vom Kongress nicht genehmigt worden sei, schrieb er kurz nach dem Angriff auf X. Die amerikanische Verfassung sieht in Artikel 1, Abschnitt 8 vor, dass allein der Kongress befugt ist, Krieg zu erklären. Der Oberste Gerichtshof hat diese Lesart bestätigt; sie wird im Zusammenspiel mit den Befugnissen des Präsidenten als Oberbefehlshaber für militärische Operationen aber unterschiedlich ausgelegt. Massie und der demokratische Abgeordnete Ro Khanna wollten in der kommenden Woche einen Gesetzentwurf vorlegen, der Trumps Befugnis für Militäraktionen gegen Iran ohne Zustimmung des Kongresses einschränken sollte. Senator Mark Warner, der ranghöchste Demokrat des Geheimdienstausschusses im Senat, äußerte, es gebe angesichts der groß angelegten Militäroperation „ohne unmittelbare Bedrohung der Vereinigten Staaten“ ernsthafte rechtliche und verfassungsrechtliche Bedenken“. Auch der demokratische Senator Ruben Gallego verurteilte den Angriff auf Iran scharf. Man könne die Demokratiebewegung und die Iraner unterstützen, „ohne unsere Soldaten in den Tod zu schicken“.Der Trump nahestehende Senator Lindsey Graham wiederum lobte die Operation. „Das Ende des größten staatlichen Sponsors für Terror steht bevor“, schrieb er in den sozialen Medien. Der Angriff werde gewaltsam und umfassend und am Ende erfolgreich sein. An amerikanische Soldaten gerichtet schrieb Graham: „Wenn Sie verletzt werden oder fallen, glaube ich von ganzem Herzen, dass Ihr Opfer Ihr Land und die Welt zu einem besseren und sichereren Ort macht.“ Auch Roger Wicker, der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im Senat, sowie der demokratische Senator John Fetterman äußerten sich lobend über den Angriff auf Iran.
Libanon will nicht in Konflikt hineingezogen werdenLibanon will nach Aussagen der Regierung nicht in den Konflikt mit Iran hineingezogen werden. „Ich wiederhole, dass wir nicht akzeptieren werden, dass jemand das Land in Abenteuer hineinzieht, welche seine Sicherheit und Einheit gefährden“, erklärte Regierungschef Nawaf Salam am Samstag auf der Plattform X. Angesichts der „ernsten Entwicklungen in der Region“ rief Salam sein Volk dazu auf, „mit Weisheit und Patriotismus zu handeln und die Interessen Libanons und des libanesischen Volkes über alle anderen Erwägungen zu stellen“. Behörden befürchten, dass die von Iran unterstützte Hizbullah in Libanon sich in den Konflikt einschalten könnte. Unmittelbar vor Beginn der israelischen Angriffe auf Iran hatte Israel nach eigenen Angaben Angriffe auf Einrichtungen der Hizbullah in Libanon ausgeführt. Auch der libanesische Präsident Joseph Aoun betonte, es habe „absolute Priorität, den Libanon vor den Katastrophen und Schrecken externer Konflikte zu bewahren und seine Souveränität, Sicherheit und Stabilität zu erhalten“. Hizbullah-Chef Naim Kassem sollte eigentlich am Samstag eine Rede halten. Aufgrund der „aktuellen Entwicklungen“ wurde sie jedoch verschoben.
Dieser Screenshot aus einem Video in den sozialen Netzwerken soll einen Angriff auf die amerikanische Militärstation in Bahrain zeigen. Das Video wurde von einem Team der Nachrichtenagentur AFP in Paris verifiziert. AFP beruft sich dabei auf mehrere Quellen.