FAZ 01.03.2026
09:43 Uhr

Militärschlag gegen Iran: Iranische Staatsmedien bestätigen Khameneis Tod


Er sei als „Märtyrer“ getötet worden +++ Irans Staatsfernsehen meldet Tod des Generalstabschefs der Armee +++ Tote bei Protesten in Pakistan +++  Russland und China kritisieren Angriff auf Iran +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Militärschlag gegen Iran: Iranische Staatsmedien bestätigen Khameneis Tod

Israel greift abermals Teheran anAbermals hat es in der iranischen Hauptstadt Teheran laute Explosionen gegeben. Die israelische Armee teilte mit, man greife „Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an“. Einwohner berichteten, es handele sich offenbar um Angriffe im Stadtzentrum. 

Unicef ruft zu Deeskalation aufDas UN-Kinderhilfswerk Unicef ruft nach den Angriffen im Iran und in der Region die Konfliktparteien zur sofortigen Einstellung der Kampfhandlungen und zur Deeskalation auf. Alle Beteiligten sollten „größtmögliche Zurückhaltung“ üben und ihren Verpflichtungen mit Blick auf Völkerrecht und Menschenrechte nachkommen, erklärte das Hilfswerk der Vereinten Nationen am Sonntag in Köln. „Dazu gehört insbesondere der Schutz der Zivilbevölkerung und der lebensnotwendigen Dienstleistungen, auf die Kinder zum Überleben angewiesen sind.“„Es gibt Berichte über Angriffe auf Schulen in Iran, darunter eine Mädchenschule in Minab in der Provinz Hormozgan im Süden Irans“, erklärte Unicef. „Angriffe auf Zivilpersonen und zivile Objekte, einschließlich Schulen, stellen einen Verstoß gegen das Völkerrecht dar.“ Gemeinsam mit anderen UN-Organisationen und humanitären Partnern prüfe das Hilfswerk die Lage und stehe bereit, Hilfe für Kinder und ihre Familien zu leisten. 

Drei Tage Staatstrauer im IrakNach der Tötung des geistlichen Oberhaupts Irans, Ayatollah Ali Khamenei, bei US-israelischen Angriffen hat Irak eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Dies teilte Regierungssprecher Bassem al-Awadi am Sonntag mit. Chamenei sei „bei einem eklatanten Akt der Aggression“ getötet worden, erklärte al-Awadi weiter. „In großer Trauer sprechen wir den edlen Menschen Irans und der gesamten muslimischen Welt unser Beileid aus“, fügte der Sprecher hinzu. Er forderte zudem eine sofortige Waffenruhe. Die Angriffe führten „zu einer nie dagewesenen Gewalt in der Region“.Auch der einflussreiche irakische Schiitenführer  Muqtada al-Sadr rief eine dreitägige Trauer aus. Der Koordinationsrahmen, ein Bündnis schiitischer Parteien, erklärte, „mit großem Bedauern und tiefer Trauer beklagen wir den Tod des Märtyrerführers Ayatollah Ali Chamenei“. Sein „Blut wird für alle Generationen ein Leitstern bleiben“ und „der Fluch wird die mörderischen Zionisten für alle Zeit verfolgen“.Der oberste irakische Schiitenführer Ayatollah Ali Sistani rief die Iranerinnen und Iraner zur Einheit auf. „Vom großartigen iranischen Volk wird erwartet, seine Einheit zu bewahren, standhaft zu bleiben und die finsteren Ziele des Aggressors abzuwehren“, erklärte er.Iran übt – wie auch die USA – erheblichen Einfluss auf die Politik im Irak aus. Zudem unterstützte die Regierung der Islamischen Republik bewaffnete Gruppen in dem Nachbarland. 

Briten helfen, iranische Raketen abzuwehrenDie britische Luftwaffe ist nach Angaben aus London an der Verteidigung der Golfstaaten gegen die iranischen Angriffe beteiligt. Der britische Premierminister Keir Starmer sagte, Flugzeuge der Royal Air Force „seien in der Luft“. Die britischen Streitkräfte hatten schon in den vergangenen Wochen zusätzliche Kampfflugzeuge und Radar-Enrichtungen auf ihre Stützpunkte auf Zypern und in Qatar verlegt. Starmer hatte gemeinsam mit den Staats- und Regierungschefs Deutschlands und Frankreichs das iranische Regime in einer Erklärung verurteilt. In den vergangenen Tagen wurde jedoch bekannt, dass Großbritannien es allerdings auch seinem wichtigsten Verbündeten Amerika verwehrte, für dessen Angriffe auf Iran den britischen Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean zu nutzen. Starmer telefonierte am Wochenende mit dem Emir von Qatar und dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate; er nahm nach einer Meldung der BBC zudem ein kurzes Telefonat mit dem amerikanischen Präsidenten Trump entgegen. Anders als Starmer und seine regierende Labour-Partei hießen die Oppositionsparteien der Konservativen und von Reform UK das Vorgehen der USA und Israel gegenüber Iran gut.

Iran bezeichnet Amerikas Ziele als „vereitelt“Nach den schweren Angriffen in Iran und der Tötung des Religionsführers Ajatollah Ali Khamenei hat der Generalsekretär des Sicherheitsrats, Ali Laridschani, das Vorhaben der Vereinigten Staaten und Israels als „vereitelt“ bezeichnet. „Die USA und Israel haben sich verkalkuliert und wollten mit gezielten Angriffen auf militärische Einrichtungen und der Tötung hochrangiger Funktionäre Unruhe und einen Machtwechsel in Iran auslösen“, sagte Laridschani laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Die Bevölkerung habe jedoch geschlossen reagiert und diese Pläne vereitelt, behauptete er. Zugleich kündigte Laridschani an, die iranischen Streitkräfte würden die Angriffe auf US‑Stützpunkte in der Region fortsetzen. 

Tote bei Protesten in PakistanBei proiranischen Protesten in Südpakistan gegen die US-israelischen Angriffe auf Iran hat es mehrere Tote gegeben. Bei Protesten vor dem Konsulat der Vereinigten Staaten in der Stadt Karachi seien am Sonntag mindestens acht Menschen getötet worden, teilte ein Sprecher des Rettungsdienstes der Nachrichtenagentur AFP mit. „Wir haben mindestens acht Leichen in die Krankenhäuser von Karachi gebracht, 20 weitere Personen wurden bei dem Vorfall verletzt“, sagte der Sprecher der Edhi Foundation. Die meisten Betroffenen hätten Schusswunden, fügte er hinzu. Nach den Angriffen Israels und der USA auf Iran hatten Hunderte proiranische Demonstranten versucht, das Konsulat in Karachi im Süden Pakistans zu stürmen.

Russland warnt vor EskalationRusslands Präsident Wladimir Putin ist in einer misslichen Lage. Ein von ihm umworbener Verhandlungspartner, der amerikanische Präsident Donald Trump, hat Ali Khamenei, den Obersten Führer seines bedeutenden „strategischen Partners“ Iran, töten lassen. Am Samstag, als das noch nicht bestätigt war, folgte die russische Reaktion dem üblichen Schema, in dem Putin Kritik seinen Untergebenen überlässt. Das Außenministerium verurteilte die amerikanisch-israelischen Angriffe. Russlands ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen, Wassilij Nebensja, sagte in New York, auch über die Region hinaus drohe eine Eskalation. Putin selbst sprach zwar laut seinem Sprecher mit seinem Nationalen Sicherheitsrat über die Lage, schwieg aber öffentlich. Schon über die amerikanische Beteiligung an den israelischen Luftschlägen gegen das iranische Atomprogramm im Juni vorigen Jahres war Putin hinweggegangen. Doch die Tötung Khameneis geht weit darüber hinaus.  Für Putin ist es schon der zweite amerikanische Schlag gegen einen „strategischen Partner“ in diesem Jahr. Zur Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Anfang Januar hatte er trotz zweier von warmen Worten begleiteter Treffen mit Nicolás Maduro im Mai 2025 und im Oktober 2024 geschwiegen. Kritik an der Aktion beschränkte Moskau auf das Außenministerium, Putin selbst klagte bloß allgemein über „einseitige, dabei äußerst gefährliche Handlungen“ und das „Recht des Stärkeren“ in der Weltpolitik, wie er ungeachtet des eigenen Versuchs, die Ukraine zu unterjochen, oft äußert. Ein wichtiger Grund für die Zurückhaltung war die Rücksichtnahme auf Trump, von dessen Entgegenkommen sich Putin im Krieg gegen die Ukraine Vorteile erhofft. Zudem drangen aus dem russischen Machtapparat Stimmen, die Trumps Konzept einer „westlichen Hemisphäre“ der Vereinigten Staaten auf eine eigene „Einflusssphäre“ übertragen, zu der die Ukraine gehören soll.

Warum China den Angriff auf Iran kritisiert – und untätig bleibt China hat die Angriffe der USA und Israels auf Iran kritisiert, wie üblich ohne dabei selbst am Persischen Golf politisch tätig zu werden. Das Außenministerium in Peking forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Irans Souveränität, Sicherheit und territoriale Integrität müssten gewahrt bleiben, hieß es in der Stellungnahme aus China, dem größten Handelspartner der Iraner. China ist der Hauptabnehmer iranischen Öls. Die Volksrepublik hat bis zuletzt rund achtzig Prozent der iranischen Rohölexporte zu stark rabattierten Preisen abgenommen. Umgekehrt bezieht China damit gut 13 Prozent seiner Öleinfuhren aus Iran. Dieses Öl wurde über Umwege in die Volksrepublik geschifft und dort vor allem in kleineren, unabhängigen Raffinerien verarbeitet. Dies ist weit mehr Öl als das, was China bis vor dem Angriff der Amerikaner noch aus Venezuela bezogen hatte.Iran hat also durchaus wirtschaftliche Bedeutung für Peking. Politisch dient Iran den Chinesen bis zu einem gewissen Grad zudem als strategisches Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten im Nahen Osten. Dazu war und ist Peking jenseits der Rhetorik aber nicht bereit, diese durch ernsthafte militärische oder politische Maßnahmen zu unterlegen. So erwarten Beobachter, dass Peking auch zu einem anderen Regime pragmatisch gute Beziehungen suchen werde. Schon in den Zwölftagekrieg im vergangenen Sommer hatte sich China nicht tatkräftig eingemischt.

Proteste in Bagdad und KarachiNach der Tötung von Irans Oberstem Führer Ajatollah Ali Khamenei haben Demonstranten in der irakischen Hauptstadt Bagdad versucht, in das streng gesicherte Regierungsviertel mit der amerikanischen Botschaft vorzudringen. Nach Angaben von Augenzeugen hatten sich am Eingang zur sogenannten Grünen Zone Hunderte Menschen zum Protest versammelt. Sicherheitskräfte lösten die Menge gewaltsam auf.Die Demonstranten versuchten demnach, die Sicherheitsbarrieren zu überwinden, um zur Botschaft innerhalb der Grünen Zone zu gelangen. Laut Augenzeugen setzten die Sicherheitskräfte Schlagstöcke, scharfe Munition, Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben.In der pakistanischen Millionenstadt Karachi gibt es Proteste vor dem amerikanischen Konsulat, wie ein Polizeibeamter auf Anfrage bestätigte. Aufnahmen, die im Internet kursieren, zeigen, wie Demonstranten und Einsatzkräfte vor dem Gebäude aneinandergeraten. Nach Angaben der Polizei der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sperrten die Behörden angesichts möglicher Proteste alle Zufahrtsstraßen zur sogenannten Roten Zone – dem gesicherten Bereich, in dem sich ausländische Botschaften und der Regierungssitz befinden.

Mehrere Explosionen in GolfstaatenNach der Tötung von Irans Oberstem Führer Ajatollah Ali Khamenei durch amerikanisch-israelische Angriffe sind in den arabischen Golfstaaten abermals Explosionen zu hören. Augenzeugen in der qatarischen Hauptstadt Doha zufolge waren am Morgen mehrere Knallgeräusche zu hören. Der qatarische Nachrichtensender Al Jazeera meldete mindestens elf Explosionen in Doha.Auch in Manama, der Hauptstadt von Bahrain, wurden Explosionen gemeldet. Augenzeugen berichteten von mindestens vier lauten Knallgeräuschen. Auf Social Media wurden Bilder eines getroffenen und beschädigten Hotels in Manama verbreitet. Sie ließen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren.Nach Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe auf Iran hat Teheran gestern mehrfach US-Militärstützpunkte in der Region attackiert. Die arabischen Golfstaaten beheimaten gemeinsam Tausende US-Truppen. 

In Israel heulen abermals die SirenenIran hat nach Angaben des israelischen Militärs am Morgen abermals Raketen auf den jüdischen Staat abgefeuert. Die Abwehrsysteme seien aktiviert, um sie abzuwehren, teilte die Armee mit. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, in die Schutzräume zurückzukehren. In mehreren Gebieten des Landes heulten abermals die Sirenen.In den vergangenen 24 Stunden mussten Millionen Menschen nach Armeeangaben bereits rund 20 Mal wegen Raketenangriffen des Erzfeindes Iran in die Schutzräume eilen. Iran hatte nach der Tötung des Obersten Führers Ajatollah Ali Khamenei bei den amerikanisch-israelischen Luftangriffen massive Vergeltungsschläge gegen Dutzende amerikanische Stützpunkte sowie Ziele in Israel angekündigt. 

Staatsfernsehen: Iranischer Generalstabschef getötetÖrtlichen Medien zufolge ist auch der Generalstabschef der iranischen Streitkräfte, Abdolrahim Mussawi, getötet worden. Im Staatsfernsehen wurde am Sonntag der Name Mussawis gemeinsam mit den Namen anderer getöteter hochrangiger Vertreter genannt. Zuvor war bereits der Tod des Anführers der iranischen Revolutionsgarden, Mohammed Pakpur, und des Vorsitzenden des nationalen Verteidigungsrats, Ali Schamchani, bekannt gegeben worden. 

Trump warnt Iran vor VergeltungsschlägenUS-Präsident Donald Trump hat Iran vor Vergeltungsschlägen gewarnt. „Das sollten sie besser nicht tun“, schrieb der Republikaner in Großbuchstaben auf der Plattform Truth Social. Sollte das passieren, werde man „mit einer noch nie zuvor gesehenen Stärke“ zurückschlagen.