FAZ 28.02.2026
14:03 Uhr

Militärschlag gegen Iran: Iran: Vier US-Stützpunkte angegriffen


Explosionen unter anderem in Qatar, Kuwait und Bahrain +++ Iran feuert Raketen auf Israel +++ Trump: USA haben Iran angegriffen +++ Israelische Armee gibt Details zur Operation bekannt +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Militärschlag gegen Iran: Iran: Vier US-Stützpunkte angegriffen

Berlin, Paris und London verurteilen Angriffe IransFrankreich, Deutschland und Großbritannien haben in einer gemeinsamen Erklärung die jüngsten iranischen Angriffe auf Staaten in der Region scharf verurteilt. Die drei Regierungen fordern Teheran auf, sofort von willkürlichen militärischen Aktionen abzusehen und umgehend zu diplomatischen Gesprächen zurückzukehren, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzler Friedrich Merz und Premierminister Keir Starmer.  EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die Entwicklung in Iran und der Region zuvor als „äußerst besorgniserregend“ bezeichnet. „Wir rufen alle Parteien auf zu größtmöglicher Zurückhaltung, Zivilisten zu schützen und das Völkerrecht zu achten\", schrieb sie auf X. Die EU setze weiter auf Stabilität und Diplomatie. EU-Ratspräsident António Costa erklärte, die EU werde EU-Bürger in der Region unterstützen und rief ebenfalls zu Zurückhaltung auf. 

Iranische Raketenangriffe im NordirakAuch die kurdische Autonomieregion im Nordirak ist Ziel iranischer Vergeltungsangriffe. Augenzeugen berichteten am Samstag, es seien Raketen in der Hauptstadt Erbil in der Nähe eines amerikanischen Militärflughafens und des amerikanischen Konsulats abgefangen worden. Die kurdische Regionalregierung ließ bis zum Mittwoch die Schulen schließen. Im Irak ringen die USA und Iran um Einfluss. Am Samstagvormittag wurde ein Stützpunkt der sogenannten Volksmobilisierungskräfte in der Provinz Babil bombardiert, wobei laut Angaben des irakischen Militärs zwei Personen getötet wurden. Die Volksmobilisierungskräfte sind ein Dachverband von Paramilitärs, die formell unter dem Kommando der Regierung stehen, in deren Reihen es aber irantreue schiitische Milizen gibt. Eine von ihnen, die Gruppe Kataib Hizbullah, die laut irakischen Medienberichten die angegriffene Basis in Babil hauptsächlich nutzt, hatte noch am Donnerstag verkündet, sie bereite sich auf einen langen „Abnutzungskrieg“ mit den USA vor. Den nordirakischen Kurden drohte sie, besser nicht mit „feindlichen ausländischen Kräften“ zu kooperieren, weil das „ihre Sicherheit und Zukunft gefährden könnte“. Von Iran unterstützte und gelenkte Milizen beschuldigen die Autonomieregierung, Gehilfe der USA zu sein und westliche Militärpräsenz zu erleichtern.  

Aus dem Kongress kommen Kritik und LobThomas Massie, einer der lautesten republikanischen Kritiker Trumps im Kongress, ließ mit einer Reaktion nicht lange auf sich warten. Der Angriff auf Iran sei eine kriegerische Handlung, die vom Kongress nicht genehmigt worden sei, schrieb er kurz nach dem Angriff auf X. Die amerikanische Verfassung sieht in Artikel 1, Abschnitt 8 vor, dass allein der Kongress befugt ist, Krieg zu erklären. Der Oberste Gerichtshof hat diese Lesart bestätigt; sie wird im Zusammenspiel mit den Befugnissen des Präsidenten als Oberbefehlshaber für militärische Operationen aber unterschiedlich ausgelegt. Massie und der demokratische Abgeordnete Ro Khanna wollten in der kommenden Woche einen Gesetzentwurf vorlegen, der Trumps Befugnis für Militäraktionen gegen Iran ohne Zustimmung des Kongresses einschränken sollte. Senator Mark Warner, der ranghöchste Demokrat des Geheimdienstausschusses im Senat, äußerte, es gebe angesichts der groß angelegten Militäroperation „ohne unmittelbare Bedrohung der Vereinigten Staaten“ ernsthafte rechtliche und verfassungsrechtliche Bedenken“. Auch der demokratische Senator Ruben Gallego verurteilte den Angriff auf Iran scharf. Man könne die Demokratiebewegung und die Iraner unterstützen, „ohne unsere Soldaten in den Tod zu schicken“.Der Trump nahestehende Senator Lindsey Graham wiederum lobte die Operation. „Das Ende des größten staatlichen Sponsors für Terror steht bevor“, schrieb er in den sozialen Medien. Der Angriff werde gewaltsam und umfassend und am Ende erfolgreich sein. An amerikanische Soldaten gerichtet schrieb Graham: „Wenn Sie verletzt werden oder fallen, glaube ich von ganzem Herzen, dass Ihr Opfer Ihr Land und die Welt zu einem besseren und sichereren Ort macht.“ Auch Roger Wicker, der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im Senat, sowie der demokratische Senator John Fetterman äußerten sich lobend über den Angriff auf Iran. 

Libanon will nicht in Konflikt hineingezogen werdenLibanon will nach Aussagen der Regierung nicht in den Konflikt mit Iran hineingezogen werden. „Ich wiederhole, dass wir nicht akzeptieren werden, dass jemand das Land in Abenteuer hineinzieht, welche seine Sicherheit und Einheit gefährden“, erklärte Regierungschef Nawaf Salam am Samstag auf der Plattform X. Angesichts der „ernsten Entwicklungen in der Region“ rief Salam sein Volk dazu auf, „mit Weisheit und Patriotismus zu handeln und die Interessen Libanons und des libanesischen Volkes über alle anderen Erwägungen zu stellen“. Behörden befürchten, dass die von Iran unterstützte Hizbullah in Libanon sich in den Konflikt einschalten könnte. Unmittelbar vor Beginn der israelischen Angriffe auf Iran hatte Israel nach eigenen Angaben Angriffe auf Einrichtungen der Hizbullah in Libanon ausgeführt. Auch der libanesische Präsident Joseph Aoun betonte, es habe „absolute Priorität, den Libanon vor den Katastrophen und Schrecken externer Konflikte zu bewahren und seine Souveränität, Sicherheit und Stabilität zu erhalten“. Hizbullah-Chef Naim Kassem sollte eigentlich am Samstag eine Rede halten. Aufgrund der „aktuellen Entwicklungen“ wurde sie jedoch verschoben. 

Dieser Screenshot aus einem Video in den sozialen Netzwerken soll einen Angriff auf die amerikanische Militärstation in Bahrain zeigen. Das Video wurde von einem Team der Nachrichtenagentur AFP in Paris verifiziert. AFP beruft sich dabei auf mehrere Quellen.

Israelische Armee gibt Details zur Operation bekanntLaut israelischen Medienberichten hat das israelische Militär den Plan für die Angriffe auf Iran über mehrere Monate ausgearbeitet, um „eine operative Gelegenheit in dem Moment zu identifizieren, in dem ranghohe Regimevertreter zusammenkommen würden“. Trotz der Vorbereitungen Irans habe man entschieden, den Angriff am Morgen und nicht in der Nacht durchzuführen. So habe man es laut Angaben der Armee geschafft, „zum zweiten Mal eine taktische Überraschung zu erzielen“. Geheimdienstoffiziere hätten Tausende Stunden damit verbracht, Ziele für die Operation auszuarbeiten.Laut eigenen Angaben setzt die Armee ihre Angriffe auf militärische Ziele in Iran weiter fort. Die Armee habe „hunderte iranische Militärziele, darunter Raketenabschussvorrichtungen im Westen Irans, angegriffen“, teilten die Streitkräfte am Nachmittag mit. Auch würden „Bedrohungen identifiziert und abgefangen, die von Iran in Richtung Israel abgefeuert werden“. 

Bereits im Juni vergangenen Jahres haben Israel und die USA einen Angriff auf das iranische Atomprogramm gestartet. Auch jetzt sagt Trump, dass Iran niemals eine Atombombe in die Hände bekommen dürfe. Wie nachhaltig konnte das Atomprogramm im Zwölftageskrieg zerstört werden? Eine Analyse von Stephan Löwenstein.

Berichte über Einschläge in IsraelNach der Ankündigung iranischer Gegenangriffe hat es Medienberichten zufolge vereinzelte Einschläge in Israel gegeben. Die Polizei habe Granatsplitter in Jerusalem und in der Stadt Beit Schemesch beseitigt, schrieb der israelische Rettungsdienst Magen David Adom auf der Plattform X. Ein Gebäude in der Stadt Tirat Carmel südlich von Haifa sei beschädigt worden. Im Norden sei ein Mann durch die Druckwelle einer Explosion verletzt worden, berichtete die Zeitung „Times of Israel“. Auch Nachrichtenagenturen senden erste Bilder von Einschlägen in Israel.

Berichte: Kommandeur der Revolutionsgarden getötetIsraelische Regierungsmitarbeiter gehen laut israelischen Medienberichten davon aus, dass der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, General Mohammad Pakpour, bei den Angriffen getötet wurde. Darüber hinaus seien wahrscheinlich auch Irans Verteidigungsminister sowie der Geheimdienstchef getötet worden. Die Berichte wurden bislang weder von iranischer Seite noch von der israelischen Armee bestätigt. Iran teilte dafür mit, dass wichtige Staatsmänner nach den Angriffen am Leben seien. Wohlauf seien neben Präsident Massud Peseschkian auch Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf sowie der Generalsekretär des Sicherheitsrats, Ali Laridschani. Auch Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sei am Leben. 

Berliner Polizei mobilisiert mehr Beamte wegen Iran Die Berliner Polizei mobilisiert nach der jüngsten Eskalation in Nahost mehr Einsatzkräfte in der deutschen Hauptstadt. Mit Blick auf eine für den Nachmittag angekündigte Iran-Demonstration in Berlin-Mitte sowie für die gesamte Lage in Berlin seien vorsorglich Einsatzkräfte mobilisiert worden, sagte eine Sprecherin der Polizei. „Angesichts der aktuellen Entwicklung im Nahen Osten beobachten wir die Lage sehr genau und stehen in engem Austausch mit den zuständigen Sicherheitsbehörden.“ 

Bilder der ZerstörungIn den sozialen Netzwerken kursieren etliche Bilder und Videos der Zerstörungen nach den Attacken in Irans Hauptstadt Teheran. Das Bild unten ist Teil eines von der Nachrichtenagentur AFP verifizierten Videos. Es zeigt das Ausmaß der Angriffe.

Hegseth und Caine überwachen Angriff wohl von Mar-a-Lago ausLaut der Nachrichtenagentur Reuters verfolgen der amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth und Generalstabschef Dan Caine den Einsatz gegen Iran vom Anwesen Mar-a-Lago in Florida aus. Dort halte sich auch Präsident Donald Trump auf. Reuters bezieht sich auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. 

Iran meldet Todesopfer in Mädchenschule Bei einem Raketenangriff im Süden Irans ist die Zahl der getöteten Schülerinnen in einer Grundschule nach iranischen Angaben auf mindestens 24 gestiegen. Der staatliche Rundfunk bezog sich bei seiner Meldung auf den Landrat in dem betroffenen Kreis Minab.