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01.03.2026
14:00 Uhr
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Präsident, Justizchef und Mitglied des Wächterrats sind vorgesehen +++ Israel greift Teheran abermals an +++ Khamenei als „Märtyrer“ getötet +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Saudi-Arabien bestellt iranischen Botschafter ein Nach iranischen Angriffen auf saudi-arabisches Territorium hat Riad den Botschafter der Islamischen Republik einbestellt. Hintergrund seien „eklatante iranische Angriffe“, die sich gegen das Königreich sowie andere „Bruderstaaten“ gerichtet hätten, teilte das saudische Außenministerium mit.Bei dem Treffen mit Botschafter Ali Reza Enajati habe der stellvertretende Außenminister Walid bin Abdulkarim Al-Churaidschi die Missbilligung und Verurteilung der Angriffe durch Riad bekräftigt. Saudi-Arabien lehne jegliche Verletzung der staatlichen Souveränität ab.Das Königreich werde alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um seine Sicherheit zu verteidigen und sein Staatsgebiet zu schützen, hieß es weiter. Eine unmittelbare Stellungnahme aus Iran lag zunächst nicht vor. Der saudische Fernsehsender Al-Arabija berichtete darüber hinaus, dass die Außenminister der Golfstaaten am Abend zu einem „Notfalltreffen“ per Videokonferenz zusammenkommen wollten, um über die Lage zu beraten.
Islamischer Verband fordert Deeskalation Ungeachtet der Darstellung von Irans Präsident Massud Peseschkian, die Tötung von Ajatollah Ali Khamenei durch die USA und Israel sei eine „Kriegserklärung an Muslime“, hat der Weltverband 57 islamischer Staaten ein Ende der Eskalation und die Rückkehr an den Verhandlungstisch gefordert. In einer am Samstagabend verbreiteten Erklärung verurteilte die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Riad die Angriffe Irans auf benachbarte Mitgliedstaaten.Das OIC-Generalsekretariat sprach mit Bezug auf iranische Luftangriffe auf Ziele in Saudi-Arabien, mehreren Golfstaaten und Jordanien von Aggression und einer inakzeptablen Eskalation. Diese bedrohe die Stabilität der gesamten Region und habe schwerwiegende Folgen für Frieden und Sicherheit.Die Verletzung der Souveränität von OIC-Mitgliedstaaten und völkerrechtlicher Grundsätze durch Iran stelle einen gefährlichen Präzedenzfall dar, so der islamische Staatenverband. Er verlangte die Wahrung gegenseitigen Respekts und Nichteinmischung in innere Angelegenheiten.
Israels Präsident hofft auf „neue Ära“Israels Präsident Izchak Herzog hat angesichts der US-israelischen Militärangriffe auf Iran die Hoffnung geäußert, dass diese eine „neue Ära“ für den gesamten Nahen Osten einläuten werden. „Dies ist ein historischer Versuch, den Kurs im Nahen Osten in eine andere Zukunft, eine Zukunft des Friedens, zu lenken“, sagte Herzog am Sonntag beim Besuch der Einschlagstelle einer iranischen Rakete in Tel Aviv. „Wir werden siegen und hoffentlich eine neue Ära für den Nahen Osten und Iran einläuten“, fügte Herzog hinzu.
Mindestens vier Tote bei iranischen RaketenangriffenBei neuen iranischen Raketenangriffen auf Israel sind nach israelischen Angaben mindestens vier Menschen getötet worden. Nach Angaben des Fernsehsenders N12 kamen sie beim Einschlag einer Rakete in einem Gebäude in der Stadt Beit Schemesch ums Leben. Weitere Menschen erlitten Verletzungen. Die Stadt liegt westlich von Jerusalem. Auch Einwohner von Tel Aviv berichteten von lauten Explosionen bei den neuen Raketenangriffen. Millionen von Einwohnern harrten in Schutzräumen aus. „Wir hören immer wieder laute Knallgeräusche, möglicherweise sind das auch Abwehrraketen“, sagte ein Einwohner Tel Avivs. „Es nimmt einfach kein Ende.“ Seit Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe auf Iran am Samstagmorgen berichten Einwohner Israels von ständigen Gegenangriffen Irans auf israelische Bevölkerungszentren, teilweise im halbstündigen Takt. Am Samstag war bei einem Raketeneinschlag in Tel Aviv eine Frau getötet worden. Insgesamt starben nach offiziellen Angaben bei iranischen Raketenangriffen auf Israel bisher sechs Menschen, Dutzende weitere wurden verletzt.
Kallas sieht Weg für „anderen Iran“ offenDie EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bezeichnet den Tod von Ajatollah Ali Khamenei als einen „entscheidenden Moment“ in der Geschichte Irans. Zwar sei die Zukunft ungewiss, doch sei nun der Weg frei für einen „anderen Iran“, den die Menschen mit größerer Freiheit gestalten könnten, schreibt Kallas auf der Plattform X. Sie stehe mit Partnern in Kontakt, um Schritte zur Deeskalation zu finden.
Trio soll Iran übergangsweise führenIn Iran soll nach der Tötung von Staatsoberhaupt und Religionsführer Ajatollah Ali Khamenei vorübergehend ein dreiköpfiger Rat das Land führen. Die Verantwortung für die Übergangsphase sollen Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie das Mitglied des Wächterrats Alireza Arafi übernehmen. Das erklärte ein Berater des getöteten Khamenei, Muhammad Mochber, der Nachrichtenagentur Mehr zufolge. Auch die iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete darüber. Das Trio soll die Aufgaben Khameneis übernehmen, bis der sogenannte Expertenrat, ein Gremium aus 88 einflussreichen Geistlichen, einen Nachfolger benennt. Laut der Verfassung müsse der Expertenrat umgehend einen neuen Führer bestimmen und vorstellen, sagte Mochber.Wer Khamenei nachfolgen könnte, ist unklar. Öffentlich hatte sich der Religionsführer dazu nicht geäußert. In den vergangenen Jahren war immer wieder dessen Sohn Modschtaba genannt worden, der bislang kaum in der Öffentlichkeit stand. Dem Staatsapparat dürfte es zudem schwerfallen, mitten im Krieg das Machtgefüge neu zu ordnen.
Juden in Amerika loben Angriff auf IranJüdische Organisationen in den Vereinigten Staaten haben mit Genugtuung auf die Tötung von Ajatollah Ali Khamenei reagiert und sie mit dem jüdischen Purim-Fest verbunden, das am Montag beginnt. Die in der Orthodox Union zusammengeschlossenen jüdischen Gemeinden wie auch die Republican Jewish Coalition, ein Verband innerhalb der Republikaner, zogen eine Parallele zur biblischen Geschichte des Esther-Buchs, das von der Errettung der Juden im persischen Reich vor ihrer Vernichtung durch den Hofbeamten Haman sowie dessen Sturz und Hinrichtung handelt. Die Erzählung ist Gegenstand des jüdischen Festes mit ausgelassen-karnevalesken Zügen.Die Orthodox Union erklärte, der Militärschlag der USA und Israels habe eine „moderne Bedrohung aus dem Land Hamans“ beseitigt. Seit Jahrzehnten verbreite das iranische Regime Tod und Zerstörung. Das Streben des Landes nach Atomwaffen sei nicht hinnehmbar. „Die heutige Tötung des Ajatollahs ist ein wichtiger Schritt, um dies zu verhindern“, hieß es.„Gott segne Präsident Trump. Gott segne die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre tapferen Soldatinnen und Soldaten, die diese edle Mission erfüllen“, so die Leiter des Verbands, Mitch Aeder und Rabbi Josh Joseph.Ähnlich lobten die jüdischen Republikaner US-Präsident Donald Trump für die Entscheidung, den „modernen Haman ein für alle Mal zu eliminieren“. Die Militäroperation werde in die Geschichte eingehen. Während der frühere Präsident Barack Obama von den Demokraten das iranische Volk der „Barbarei der Mullahs“ überlassen habe, ergreife Trump entschlossen Maßnahmen, „um die Islamische Republik zu besiegen“, hieß es in einem Kurznachrichten-Post.
Antisemitismusbeauftragter rechnet mit erhöhter Bedrohungslage für JudenNach dem Angriff der USA und Israel auf Iran rechnet der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, mit einer „gesteigerten Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland“. „Insbesondere nach der Tötung des iranischen Revolutionsführers Ali Khamenei ist damit zu rechnen, dass Iran seine Netzwerke hierzulande für Terroranschläge gegen jüdische und israelische Einrichtungen nutzen wird“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.Den Mechanismus zwischen erhöhten Spannungen im Nahen Osten und verstärkten Angriffen auf jüdisches Leben in Europa habe man in der Vergangenheit immer wieder gesehen, sagte Klein. „Ich begrüße es sehr, dass unsere Sicherheitskräfte Vorkehrungen getroffen haben, um einen verstärkten Schutz jüdischer und israelischer Einrichtungen zu ermöglichen.“
Tote bei Protesten in Pakistan und Irak
Israels Staatsflugzeug steht in BerlinIsraels Staatsflugzeug ist nach Beginn des Kriegs gegen Iran zum Berliner Flughafen BER gebracht worden – und damit außerhalb des Kampfgebiets. Es parkt dort auf dem Rollfeld, wie ein dpa-Reporter beobachtete.Nach Daten des Luftverkehr-Portals „Flightradar“ war das Flugzeug am frühen Samstagnachmittag in Israel gestartet und dann stundenlang über dem Mittelmeer gekreist, bevor es nach Deutschland flog und am Abend am BER landete. Der Flughafen BER äußerte sich auf Anfrage nicht zum Aufenthalt des Fliegers, auch die israelische Botschaft reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage. Bereits bei früheren Konflikten war das Flugzeug nach israelischen Medienberichten zum Schutz vor Raketenangriffen außer Landes gebracht worden.Israels Staatsflugzeug „Flügel Zions“ ist eine Boeing 767, die speziell für offizielle Regierungsreisen und diplomatische Missionen ausgestattet wurde. Es dient sowohl dem Präsidenten als auch dem Ministerpräsidenten Israels und ist mit modernster Kommunikationstechnik gesichert.
Hizbullah will sich der „Aggression entgegenstellen“Nach den Angriffen Israels und der USA auf Iran hat die Hizbullah-Miliz in Libanon geschworen, sich der „Aggression“ entgegenzustellen. „Wir werden unsere Pflicht wahrnehmen, uns der Aggression entgegenzustellen“, erklärte der Anführer der proiranischen Schiiten-Miliz, Naim Kassem, am Sonntag. „Was auch immer die Opfer sind, wir werden (...) das Feld der Ehre und des Widerstands nicht verlassen.“Die von Teheran unterstützte Miliz hat seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf Iran am Samstag nicht eingegriffen. Für Sonntagnachmittag war im Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut aber eine Unterstützungskundgebung geplant. Die Hizbullah will auch Trauerbekundungen für den bei den Angriffen getöteten obersten Führer Irans, Ajatollah Ali Khamenei, organisieren. Die Regierung in Beirut hatte am Samstag erklärt, Libanon wolle nicht in den Konflikt hineingezogen werden.
Tankerstau vor der Straße von HormusMindestens 150 Tanker, darunter Rohöl- und Flüssiggasschiffe, haben in den offenen Gewässern vor der Straße von Hormus den Anker geworfen. Dutzende weitere liegen auf der anderen Seite der Meerenge fest, wie aus einer Reuters-Auswertung von Daten der Plattform MarineTraffic hervorgeht. Die Schiffe stauen sich vor den Küsten der großen Ölproduzenten Irak und Saudi-Arabien sowie vor Qatar.
Papst appelliert an Beteiligte, „Spirale der Gewalt\" zu stoppenMit einem eindringlichen Appell hat Papst Leo XIV. dazu aufgerufen, die „Spirale der Gewalt“ im Nahen Osten zu stoppen. Er verfolge mit großer Besorgnis die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten und in Iran in diesen dramatischen Stunden, sagte der Papst am Sonntag auf dem Petersplatz. „Stabilität und Frieden lassen sich nicht durch gegenseitige Drohungen oder durch Waffen, die Zerstörung, Leid und Tod bringen, erreichen, sondern nur durch einen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog.“Angesichts der Möglichkeit einer Tragödie von enormem Ausmaß richte er seinen eindringlichen Appell an alle Beteiligten: Sie sollten die moralische Verantwortung übernehmen, die Spirale der Gewalt zu stoppen, bevor sie zu einem unüberwindbaren Abgrund werde. Die Diplomatie möge ihre Rolle wiederfinden und das Wohl der Völker fördern, die sich nach einem friedlichen Zusammenleben auf der Grundlage der Gerechtigkeit sehnten. Der Papst rief dazu auf, weiterhin für den Frieden zu beten.