FAZ 11.01.2026
16:08 Uhr

Metropolitan Detention Center: In diesem berüchtigten New Yorker Gefängnis sitzt Nicolás Maduro ein


Der venezolanische Staatschef und dessen Ehefrau Cilia Flores sind in der Haftanstalt getrennt untergebracht. Das Metropolitan Detention Center in Brooklyn, kurz MDC, gilt als überfüllt, verschmutzt und gefährlich.

Metropolitan Detention Center: In diesem berüchtigten New Yorker Gefängnis sitzt Nicolás Maduro ein

Vom Präsidentenpalast Mira­flores, den der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro in den vergangenen zwölf Jahren bewohnte, ist sein neues Zuhause in New York nicht nur geographisch weit entfernt. Seit die amerikanische Anti-Terror-Einheit Delta Force den Dreiund­sech­zigjäh­rigen am vergangenen Wochen­ende in ­Caracas verhaftete, haust er vergleichs­weise schlicht in einem der berüchtigtsten Bundesgefängnisse der Vereinigten ­Staaten. Das Metropolitan Detention Center in Brooklyn, kurz MDC, gilt seit der Eröffnung vor mehr als 30 Jahren als überfüllt, verschmutzt und gefährlich. „Das MDC ist bekannt für eine ungewöhnlich hohe Zahl von Verfehlungen des Wachpersonals“, sagte Cameron Lindsay, ein früherer Leiter der Haftanstalt, dem Sender Spectrum News. „Aus Gründen der Sicherheit“ würden Maduro und seine mit ihm festgenommene Ehefrau Cilia Flores getrennt von ihren etwa 1300 Mithäftlingen unter­ge­bracht. „Wahrscheinlich verbringen sie jeden Tag etwa 23 Stunden in der Zelle, natürlich in unterschiedlichen Flügeln des Gefängnisses“, sagte Lindsay. Die meisten Zellen des MDC sind nicht größer als 7,5 Quadratmeter für Bett, Schreibtisch und Edelstahltoilette. Nach der ersten gerichtlichen Anhörung, bei der sich Ma­duro und seine Ehefrau zur Anklage wegen Drogenterrorismus für unschuldig erklärten, bleiben sie dort vorerst bis Mitte März, wenn ihr nächster Termin vor dem ­Bundesgericht ansteht, in Haft. Ghislaine Maxwell monierte die „einzigartigen, beschwerlichen Bedingungen“ Was den Staatschef und die venezo­lanische First Lady in den kommenden ­Wochen erwartet, lassen Beschwerden über das Metropolitan Detention Center von früheren prominenten Insassen erahnen. Während Ghislaine Maxwell, Komplizin des New Yorker Sexualstraf­täters Jeffrey Epstein, im Sommer 2020 hinter Gittern auf ihren Prozess wartete, monierte sie die „einzigartigen, beschwerlichen Bedingungen“ des MDC. Das frühere ­It-Girl der Londoner Partyszene wurde in ihrer Zelle angeblich mit Kameras überwacht, nachts im Stundentakt geweckt und sah Ratten über den Boden laufen. Auch der gefallene Hip-Hop-Star R. Kelly fühlte sich in Brooklyn alles an­dere als wohl. Der damals wegen organisierter Kriminalität und sexuellen Missbrauchs angeklagte Sänger ließ seine Verteidigerin Jennifer Bonjean vor drei Jahren Anzeige gegen die Haftanstalt ­erstatten. Wegen mutmaßlicher Suizid­gefahr musste R. Kelly damals Unter­wäsche und Gefängnisoverall gegen ein papierartiges Outfit tauschen und auf ei­ner Pritsche schlafen. „Nach den Regeln des Metropolitan Detention Center ­wer­den prominenten Personen die harten Bedingungen der Suizidprävention aufgezwungen, unabhängig ­davon, ob sie gefährdet sind oder nicht“, beschwerte sich die Juristin. „Das MDC wird geführt wie ein Gulag.“ Das Essen soll das Haltbarkeitsdatum regelmäßig überschritten haben Sean „Diddy“ Combs, der vor seinem Strafprozess wegen Förderung von Pros­titution eine Zelle mit dem Kryptobetrüger Sam Bankman-Fried teilte, stieß die Verpflegung des MDC auf. Das Essen, beschwerten sich die Anwälte des Sängers, habe das Haltbarkeitsdatum regelmäßig überschritten und sei von Maden be­völkert. „Die Haftbedingungen sind unmenschlich“, schimpfte sein Verteidiger Marc Agnifilo vor der Urteilsverkündung im vergangenen Sommer. Weitere bekannte Insassen wie die Schauspielerin Allison Mack („Smallville“), der wegen der Ermordung des Managers Brian Thompson angeklagte Luigi Mangione und auch der inzwischen wegen Drogenverbrechen verurteilte Rapper Fetty Wap sollen immer wieder Beschwerden eingelegt haben. Da das MDC nach der Schließung des ähnlich berüchtigten Metropolitan Correctional Center (MCC) in Manhattan das einzige Bundesgefängnis in New York ist, fallen Verlegungen aber aus. Das MCC, auch bekannt als „Guanta­namo von New York“, war nach dem Tod des Sexualstraftäters Epstein in einer Zelle im Sommer 2019 weiter in Verruf geraten. ­Ermittlungen ergaben damals erfundene Protokolle des Wachpersonals, unterlas­sene Kontrollgänge und Sicherheitskameras, die nicht funktionierten. Wie Cameron Lindsay, der frühere Leiter des MDC, nach Maduros Umzug in die Haftanstalt andeutete, sind die Insassen in Brooklyn auch nicht sicher. Bei einer Razzia fanden Bundesbeamte im Jahr 2024 hinter Gittern nicht nur Drogen und Mobiltelefone. Sie stellten auch selbst gebaute Stichwaffen (Shivs) sicher. Nach mehreren Morden und Angriffen unter Gefangenen, die im MDC in der ­Regel auf den Strafprozess warten und nach einem Schuldspruch in andere ­Gefängnisse verlegt werden, verzichten ­einige Richter inzwischen darauf, wegen Steuervergehen oder Betrugs Verurteilte bis zur Strafmaßverkündung in den 13 Stockwerke hohen Betonbau zurückzuschicken. „Hier herrschen Chaos und unkontrollierte Gewalt“, sagte der Bundesrichter Gary Brown – und verwies auf den Fall eines Angeklagten, der im MDC Stichverletzungen erlitten hatte. Statt den Verletzten medizinisch zu ver­sorgen, schloss das Wachpersonal ihn mehr als vier ­Wochen lang in der Zelle ein. Die Bundesbehörde für Haftanstalten, die das MDC führt, setzte vor einigen ­Monaten eine Taskforce ein, um „die Herausforderungen in Brooklyn“ zu unter­suchen. Neben Ärzten und Pflegern wurden inzwischen auch mehr Wachleute eingestellt. Zudem veranlasst die Behörde Re­paraturen an dem in die Jahre gekomme­nen Bau, um den Ausfall von Heizung und Stromversorgung künftig zu verhindern. Für Maduro und seine Ehefrau dürfte es dennoch ein kalter Winter werden. In ihrer Heimat Caracas ist es in diesen Wochen sommerlich warm. New York friert derweil bei weniger als zehn Grad.