FAZ 19.02.2026
11:26 Uhr

Merz Reist nach China: Ein Kanzlerbesuch mit Risiken


Der Bundeskanzler reist nächste Woche nach Peking. Dort steht er vor einer diffizilen Aufgabe: Die deutsche Wirtschaft bleibt auf China angewiesen. Doch die Bundesregierung darf sich nicht auf eine von China geprägte Weltordnung einlassen.

Merz Reist nach China: Ein Kanzlerbesuch mit Risiken

Es waren ungewöhnliche Ansagen des Mercedes-Managers: Mit Hochdruck arbeite man daran, China als Lieferant der ersten Ebene (tier one) zu ersetzen. Das Risiko sei zu groß, bei einer Verschlechterung des Klimas zwischen Amerikanern und Chinesen für eine Zusammenarbeit bestraft zu werden und den amerikanischen Markt zu verlieren. Weitere Ebenen seiner Lieferketten könne Mercedes allerdings nicht vollständig kontrollieren – ein Restrisiko bleibt. Die Abhängigkeit von der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt als Absatz-, aber auch Beschaffungsmarkt ist enorm. Wissenschaftler der Frankfurt School of Finance & Management haben ermittelt, dass knapp 40 Prozent der befragten Unternehmen mindestens ein Fünftel ihres Einkaufsvolumens aus China beziehen. Das theoretische „De-Risking“ ist in der Praxis mindestens so schwer wie teuer. Damit steht Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Peking-Besuch Mitte nächster Woche (24. bis 27. Februar) vor einer diffizilen Aufgabe. Beim „Systemrivalen“ China muss er den rechten Ton finden. Anbiederung liegt dem „Außenkanzler“ nicht, und das ist gut so. Aber insbesondere nach seiner starken Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz wird Peking auch auf Zwischentöne hören. Dass Merz zuerst Indien besuchte, dann nach China fliegt, spricht für Selbstbewusstsein auf der Weltbühne. Ohne Peking aber geht es nicht. Zu besprechen sind die Abhängigkeit von Chinas kritischen Rohstoffen, die anschwellende Exportwelle aus einer überforderten Volkswirtschaft, drohende Strafen seitens unseres „Weiterhin-Partners“ USA für unsere China-Beziehung, die Taiwan-Frage, die Menschenrechte. Merz weiß, dass Europas Gewicht für Peking in dem Maße steigt, in dem die Unberechenbarkeit der USA steigt. Darin liegen Chancen für Deutschland und die EU. Anders gesagt: China braucht Europa nicht minder, als die Europäer China brauchen. Chinas Politiker werden nicht müde, ihrerseits nun eine regelbasierte Ordnung zu fordern. Unsere Regeln aber sind es nicht. Dem kommunistischen Ein-Parteien-Staat schwebt eine Ordnung vor, die nicht demokratisch sein kann. Die Reihe jener, die China maßregelt, weil es sich anders verhält als erwünscht, wächst: Japan, Australien, Taiwan, die Philippinen, Vietnam und der Dalai Lama. Im April werden Trump und Chinas Präsident Xi Jinping dann bei einem Gipfel aufeinandertreffen. Merz muss nun seine Chance nutzen, im Vorfeld in Peking Pflöcke einzurammen.