Die Zeiten waren schon mal S-klassiger. Aber Hasenfüße sind auch keine Lösung. So legt Mercedes-Benz nun also Hand an sein Flaggschiff, nicht nur Händchen, wie die Stuttgarter betonen. Auf dass die unter Druck stehenden Absatzzahlen wieder zulegen, oder sich doch zumindest stabilisieren mögen. 2700 Teile haben sie angefasst, und wer nun glaubt, das seien dann wohl alle, dem sei mitgegeben, dass solch ein stattliches Auto aus rund 5000 Komponenten zusammengefügt wird. Auf den ersten Blick erkennen vermag das ungeschulte Auge die frische Auflage womöglich nur an dem nunmehr beleuchteten Stern auf der Haube. Was im Vorfeld zu gewissen Nachfragen geführt hat, kritischen zumeist. Gemach, sagen die Macher, genauer hinschauen lohnt. Vor allem dorthin, wo man nichts sieht, aber spürt. Chauffeurwagen ohne Chauffeur Die Software ist auf nie gekannten Leistungsgipfeln angekommen, sie sorgt unter anderem dafür, dass der Chauffeurwagen an sich ohne Chauffeur chauffieren kann, im Fachjargon heißt das Level 4. Ready dafür sei der Mercedes, verlautet aus Stuttgart, allein wegen allerlei innerer und äußerer Umstände bewege er sich zunächst mit Level 2 ++, was auch schon einiges an Bewegungsfreiheit schenkt, ohne das Lenkrad in die Hand nehmen zu müssen. Wobei wir selbst Fahren auch mit einigem Vergnügen verbinden. Diesel, Plug-in-Hybride, ein neu entwickelter Achtzylinder und gar deren zwölf für die außereuropäische Maybach-Version stehen zum Zwecke des Vortriebs zur Wahl. Allesamt elektrifiziert, als Reihensechszylinder oder in V8-Form, letzterer mit 537 PS Leistung und 750 Nm Drehmoment. Und allesamt schon auf die nächst strengere Stufe allfälliger Abgasgesetzgebung hin ausgelegt, sei es Europa, China oder Nordamerika. Wozu etwa erstmals in der Serie ein elektrisch beheizter Katalysator zum Einsatz kommt. Einiges an sich rollend entfaltender Souveränität darf erwartet werden, es schwebt ein Luftfahrwerk, die mitlenkende Hinterachse liefert Agilität zu. Beim Rangieren hilft sie auch, es gibt die S-Klasse schon seit geraumer Zeit nur noch in der XL Langversion. Sterne ohne Ende Für die hinten reisende Kundschaft sind neben gutem Komfort garantierenden Fauteuils zwei große Bildschirme angebracht, eine S-Klasse ist auch als Arbeitsplatz gedacht. Videokonferenzen sollen mithin möglich sein, aber auch musikalische Erlebnisse, wofür sich Burmester mit Dolby Atmos verantwortlich zeichnet. Der Sicherheitsgurt ist beheizt, dies nur als ein Beispiel für Gedanken um die gehobene Klientel. Materialien im Innenraum, so wird versprochen, fassen sich nun noch feiner an und schmeicheln überhaupt allen Sinnen noch eine Umdrehung mehr als zuvor. Zur Vollständigkeit gehört, dass der Kühlergrill um 20 Prozent größer auftritt, natürlich auch beleuchtet ist, was inzwischen vielerorts als unvermeidlich angesehen wird. Die Scheinwerfer leuchten hell und schlau wie nie. Wer möchte, kann die Sterne zählen, vorne, innen, hinten in den Rücklichtern, man kann die Häufung auch für ein wenig grenzwertig halten. Bald auch ein S-Klasse Van Vorgestellt wurde die erfrischte S-Klasse am Donnerstagabend bei einem kleinen Festakt in Stuttgart. Bestellbar ist sie von sofort an. Die Preisliste startet um 121.400 Euro für den S 350 d 4Matic, nach oben sind in guter Tradition eher keine Grenzen gesetzt. Unser Fahrbericht en detail folgt so bald als möglich. Ergänzt wird das Portfolio alsbald um eine wirklich große Großraumlimousine, der ebenfalls das S verliehen wird, sie dürfte also VLS heißen. Mercedes-Benz möchte sich insbesondere in Asien nicht länger von einem Toyota Alphard oder Lexus LM zeigen lassen, wo der Shuttlehammer im Luxussegment hängt. Bis zur ganz neuen S-Klasse ist es auch nicht mehr sehr weit, sie soll noch dieses Jahrzehnt auf den Markt kommen. Dann in zwei Versionen, als Modell mit Verbrennungsmotor und als solches mit Elektroantrieb. Wer schon heute in dieser Klasse Elektroantrieb aus Stuttgart möchte, muss weiterhin mit dem hinter den Erwartungen zurückbleibenden EQS vorliebnehmen. Wir würden freilich tippen, dass auch der EQS nicht mehr lange unangetastet bleibt.
