Bei den anhaltenden Protesten in Iran sind nach Angaben von Aktivisten mehr als 2.000 Menschen festgenommen worden. Mindestens 34 Demonstranten seien seit Ausbruch der Proteste bei Konfrontationen mit der Staatsmacht ums Leben gekommen, berichtete das in den Vereinigten Staaten ansässige Menschenrechtsnetzwerk HRANA. Auch zwei Sicherheitskräfte wurden demnach getötet. Auslöser der Proteste war vor mehr als einer Woche ein Schock am iranischen Devisenmarkt, der in Teheran wütende Händler spontan auf die Straße trieb. Die Demonstrationen schlugen jedoch rasch in politischen Protest um, der mit Härte von der Staatsmacht verfolgt wird. Die größten Proteste ereigneten sich bisher in den westlichen Provinzen. In den vergangenen zwei Tagen gingen zunächst weniger Menschen auf die Straße als noch am Samstag und Sonntag, wie das amerikanische Critical Threats Project (CTP) berichtete. Dennoch gab es auch wieder in den Metropolen Demonstrationen gegen die Regierung und das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Generalstreik in den kurdischen Gebieten angekündigt Derweil haben sich auch kurdische Parteien offiziell den Protesten angeschlossen. Sie haben für diesen Donnerstag in „Iranisch-Kurdistan“ zu einem Generalstreik aufgerufen. Irans Justiz kündigte indes Prozesse im Schnellverfahren aufgrund der andauernden Proteste an. „Zur schnellen, genauen und umfassenden Bearbeitung der Verfahren der Elemente der Unruhen wurden besondere Kammern unter Mitwirkung erfahrener Richter eingerichtet“, sagte Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi laut dem Justizportal Misan. Der Justizchef erklärte weiter, dass seine Behörden angewiesen worden seien, bei Bedarf vor Ort präsent zu sein. Justizbeamte sollen sich über die Demonstrationen informieren und die Proteste aus nächster Nähe beobachten. Ähnliche Schnellverfahren hatte die Justiz bereits nach dem Krieg gegen Israel vor gut einem halben Jahr angeordnet, um mutmaßliche Kollaborateure mit dem Erzfeind schneller zu verurteilen. Bei den großen Protestwellen der vergangenen Jahre war dies ebenfalls ein übliches Vorgehen. Die aktuellen Proteste, ausgelöst zunächst durch die massive Wirtschaftskrise, sind die schwersten seit drei Jahren. Im Herbst 2022 waren Menschenmassen unter dem Motto „Frau, Leben, Freiheit“ auf die Straße gegangen. Im Zusammenhang mit den Aufständen ließ die Justiz danach mindestens zwölf Menschen hinrichten.
