Erstmals in der Geschichte der Internationalen Raumstation ISS hat die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa eine Crew wegen medizinischer Probleme vorzeitig zurück zur Erde zurückgeholt. In einer „Crew Dragon“ des zum Firmenimperium des Tech-Milliardärs Elon Musk gehörenden Herstellers SpaceX landeten die vier Astronauten um 9:41 Uhr Mitteleuropäischer Zeit vor der kalifornischen Küste bei San Diego im Pazifik. Knapp elf Stunden zuvor hatte die Kapsel mit den beiden amerikanischen Astronauten Zena Cardman und Michael Fincke, dem Japaner Kimiya Yui sowie dem russische Kosmonaut Oleg Platonow von der ISS abgelegt, wo sie diese Crew insgesamt 167 Tage aufgehalten hatte. Als „Crew 11“ waren sie am 1. August dort eingetroffen und sollten eigentlich erst in der zweiten Februarhälfte zur Erde zurückkehren. Doch in der vergangenen Woche hatte die Nasa zuerst einen Außeneinsatz an der ISS wegen gesundheitlicher Probleme eines Crew-Mitglieds kurzfristig abgesagt – und dann mitgeteilt, dass sie wegen des Problems die komplette vierköpfige Crew vorzeitig zurück zur Erde holen werde. Zur Identität des Crew-Mitglieds und zu Details der gesundheitlichen Probleme wollte sich die Nasa nicht äußern. Das Crew-Mitglied sei in stabilem Zustand. Was Astronauten für den Notfall lernen Weil sie im Notfall selbst handeln müssen, bekommen Raumfahrer stets auch eine medizinische Ausbildung. „Ärzte können Raumfahrer zwar telemedizinisch betreuen, aber letztlich müssen die da oben auch alleine klarkommen“, sagte Bimba Hoyer, Fliegerärztin der europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Das medizinische Training vor einer Mission finde unter anderem im Krankenhaus statt. Raumfahrer lernen nach Esa-Angaben unter anderem, Blut abzunehmen, eine Wunde zu nähen, einen Zahn zu ziehen und eine provisorische Füllung einzusetzen. Auch Wiederbelebungsmaßnahmen sowie Ultraschall- und Augenuntersuchungen beherrschen sie. An Bord der ISS helfe eine spezielle medizinische Checkliste mit klaren Anweisungen bei der Diagnose und Behandlung kranker oder verletzter Besatzungsmitglieder, sagte Hoyer. Zudem gebe es eine umfangreiche Bordapotheke. „Der Besatzung stehen mehrere Medikamententaschen mit Aspirin oder anderen milden Arzneimitteln und ein Notfallkoffer zur Verfügung, der Schmerzmittel, Anästhetika, Medikamente für die Zahnbehandlung, Verbandsmaterial, Stethoskop, Defibrillator und andere komplexere Instrumente und Arzneimittel zur Lebenserhaltung enthält“, heißt es bei der Esa.
