Erstmals in der Geschichte der Internationalen Raumstation ISS holt die US-Raumfahrtbehörde Nasa eine vierköpfige Astronauten-Besatzung wegen medizinischer Probleme vorzeitig zurück zur Erde. Mit einem „Crew Dragon“ des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Tech-Milliardär Elon Musk dockten die vier Astronauten von der ISS ab, wie Live-Bilder der Nasa zeigten. Im Lauf des Donnerstags sollen die US-Astronauten Zena Cardman und Michael Fincke, der japanische Raumfahrer Kimiya Yui und der russische Kosmonaut Oleg Platonow dann nach rund elf Stunden Flug im Meer vor der Küste des US-Bundesstaates Kalifornien landen. In der vergangenen Woche hatte die Nasa zuerst einen Außeneinsatz an der ISS wegen gesundheitlicher Probleme eines Crew-Mitglieds kurzfristig abgesagt – und dann mitgeteilt, dass sie wegen des Problems die komplette vierköpfige Crew vorzeitig zurück zur Erde holen werde. Zur Identität des Crew-Mitglieds und zu Details der gesundheitlichen Probleme wollte sich die Nasa nicht äußern. Das Crew-Mitglied sei in stabilem Zustand. Die „Crew 11“ ist seit Anfang August an Bord der ISS und hätte dort eigentlich noch ein paar Wochen bleiben sollen. Was Astronauten für den Notfall lernen Weil sie im Notfall selbst handeln müssen, bekommen Raumfahrer stets auch eine medizinische Ausbildung. „Ärzte können Raumfahrer zwar telemedizinisch betreuen, aber letztlich müssen die da oben auch alleine klarkommen“, sagte Bimba Hoyer, Fliegerärztin der europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Das medizinische Training vor einer Mission finde unter anderem im Krankenhaus statt. Raumfahrer lernen nach Esa-Angaben unter anderem, Blut abzunehmen, eine Wunde zu nähen, einen Zahn zu ziehen und eine provisorische Füllung einzusetzen. Auch Wiederbelebungsmaßnahmen sowie Ultraschall- und Augenuntersuchungen beherrschen sie. An Bord der ISS helfe eine spezielle medizinische Checkliste mit klaren Anweisungen bei der Diagnose und Behandlung kranker oder verletzter Besatzungsmitglieder, sagte Hoyer. Zudem gebe es eine umfangreiche Bordapotheke. „Der Besatzung stehen mehrere Medikamententaschen mit Aspirin oder anderen milden Arzneimitteln und ein Notfallkoffer zur Verfügung, der Schmerzmittel, Anästhetika, Medikamente für die Zahnbehandlung, Verbandsmaterial, Stethoskop, Defibrillator und andere komplexere Instrumente und Arzneimittel zur Lebenserhaltung enthält“, heißt es bei der Esa.
