FAZ 11.02.2026
12:42 Uhr

Mediamarkt und Saturn: „Wir werden auch in Zukunft zwei Marken haben“


Das Servicegeschäft von Mediamarkt und Saturn muss besser werden, sagt der Chef der Muttergesellschaft Ceconomy. Er setzt große Hoffungen in den neuen chinesischen Eigentümer – und sieht noch „viel ungenutztes Potential“.

Mediamarkt und Saturn: „Wir werden auch in Zukunft zwei Marken haben“

Kürzlich brauchten die Eltern von Kai-Ulrich Deissner einen neuen Herd. Sie waren überrascht, dass sie sich den auch vom örtlichen Saturn hätten liefern lassen können. Dabei kennen sie den Elektronikhändler gut, ist ihr Sohn doch Vorstandsvorsitzender von Ceconomy, der Muttergesellschaft von Mediamarkt und Saturn. Wenn Deissner diese Anekdote erzählt, will er damit freilich keine Kritik an seinen Kunden äußern – und natürlich noch viel weniger an seinen eigenen Eltern. Sondern illustrieren, dass sein Unternehmen durchaus noch mehr dafür tun könnte, bei potentiellen Käufern im Gedächtnis zu bleiben, wenn es um Lieferservice geht. Gerade bei großen Geräten tauchen lokale Händler, Möbelmärkte und Küchenstudios oft schneller im Kopf auf, weil mit ihnen Service assoziiert wird. Wenn die neue Waschmaschine geliefert wird, sollte sie möglichst nicht nur zur Bordsteinkante geliefert, sondern gleich angeschlossen werden, im besten Fall nehmen die Lieferanten nicht nur den Karton, sondern gleich die alte, kaputte Maschine mit. So etwas bietet Ceconomy auch schon gegen Aufpreis an, das ist allerdings nur wenig bekannt. „Im ganzen Bereich rund um Service liegt noch so viel ungenutztes Potential“, sagt Deissner. „Und zwar genauso in der Beratung im Laden wie in der Lieferung von Großgeräten wie Kühlschränken.“ Gaming-Hardware und Fernseher sind gefragt Seit Mai 2025 ist Deissner Vorstandsvorsitzender der größten europäischen Elektronikhandelskette mit rund 23,1 Milliarden Euro Jahresumsatz. Der vorige Finanzvorstand von Ceconomy folgte auf Karsten Wildberger, der das Unternehmen verließ, um Digitalminister im Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu werden. Im Unternehmen ist Deissner seit 2023, gestaltet die Transformation von Ceconomy also schon eine Weile mit. Am Mittwoch hat das Unternehmen Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 vorgelegt, in das auch das wichtige Weihnachtsgeschäft fällt. So ist der Umsatz in den ersten drei Monaten um 3,4 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro gestiegen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) legte um elf Prozent auf 311 Millionen Euro zu. Vor allem smarte Haushaltsgeräte wurden stark nachgefragt, darunter Staubsaugerroboter genauso wie etwa vernetzte Küchengeräte wie Airfryer. Auch Gaming-Hardware und Fernseher wurden stärker verkauft als in den Vorjahren. Zwölf Wachstumsquartale in Folge zeigten die Robustheit des Geschäftsmodells, findet Deissner. Aber er sagt auch: „Wenn es früher reichte, Ware zu einem guten Preis in den Laden zu stellen, und der Kunde kommt schon rein und nimmt sie einfach mit, dann reicht das schon lange nicht mehr“, sagt Deissner. Kunden hätten heute ganz unterschiedliche, sehr spezielle Bedürfnisse. „Die erfülle ich, indem ich schneller liefere, indem ich besser berate, indem ich mehr Service anbiete. Über allem steht die Perspektive: der Kunde zuerst.“ Das ist keine ganz neue Herangehensweise, so einen Satz würde sicher jeder Händler unterschreiben, aber für den Ceconomy-Chef ist er trotzdem ein Leitspruch, weil sich die Kundenwünsche schnell ändern. Eine Lieferung innerhalb von 90 Minuten, wie es Mediamarkt für kleinere Technikgeräte mit dem amerikanischen Unternehmen Uber als Partner in manchen Städten macht, ist ein Experiment, mit dem Deissner sehr zufrieden ist. Logistiknetzwerk von JD.com soll Wachstum treiben Gerade was die Logistik und den Service angeht, hat der Manager große Erwartungen. Schließlich will der chinesische Online-Händler JD.com Ceconomy übernehmen. Gemeinsam mit dem Großaktionär Convergenta, hinter dem die Familie des Mediamarkt-Gründers Erich Kellerhals steht, haben sich die Chinesen zum Jahresende die Aktienmehrheit von derzeit 85,2 Prozent an der Düsseldorfer Holdinggesellschaft gesichert. „Ich freue mich aufrichtig darüber, dass wir mit JD eben nicht nur einen Finanzinvestor als Anteilseigner haben, sondern einen sehr erfolgreichen Händler“, sagt Deissner. „Und dass die Gründerfamilie weiter langfristig beteiligt bleibt, ist ein gutes Signal, für andere Aktionäre und auch unsere Mitarbeiter.“ Die wettbewerbsrechtlichen Freigaben, also vor allem die Frage, ob durch die Übernahme ein zu marktmächtiges Unternehmen entstünde, sind in den Ländern, in denen Mediamarkt und Saturn tätig sind, von den Behörden schon gegeben worden; auch das Bundeskartellamt hat JD.com grünes Licht gegeben. Noch offen hingegen ist die Prüfung auf EU-Ebene – ob die Chinesen für ihre Übernahme Subventionen des chinesischen Staats erhalten haben. Ähnliche Prüfungen gab es etwa auch bei der Übernahme des Kunststoffkonzerns Covestro durch Adnoc, den staatlichen Ölförderer aus Abu-Dhabi. „Die Mühlen in Brüssel mahlen ausführlich, aber ich bin zuversichtlich, dass wir weiter wie geplant im ersten Halbjahr die Freigabe für die Übernahme erhalten werden“, sagt Deissner. „Schritt für Schritt für Schritt“ Das Geschäft abzuschließen sei zwar die oberste Priorität im Unternehmen, und die Partnerschaft sei vermutlich „die tiefgreifendste Veränderung, die dieses Unternehmen in den letzten zehn bis zwanzig Jahren gemacht haben wird“; doch sei es ebenso wichtig, nicht nur darauf zu warten, sondern in der Zwischenzeit das operative Geschäft weiter zu stärken. Deissner spricht gerne davon, die Transformation „Schritt für Schritt für Schritt“ umzusetzen, wobei ihm der Dreiklang wichtig ist. Als Ultraläufer, für den es erst nach der Marathon-Distanz von 42,195 Kilometern so richtig spannend wird, kennt sich Deissner damit aus, Ziele über einen langen Zeitraum nicht aus den Augen zu verlieren. Ceconomy, das jahrelang unter wechselnden Chefs, Streit im Gesellschafterkreis und mauem Wachstum gelitten hatte, ist unter Wildberger und Deissner wieder auf einen Wachstumspfad zurückgekehrt. „Wir setzen seit einigen Jahren unsere Strategie erfolgreich um, immerhin hat JD genau deshalb Interesse an uns“, sagt Deissner. Dass es in Zukunft mit der neuen Aktionärsstruktur wieder Schwierigkeiten geben könnte, glaubt der Ceconomy-Chef nicht: „Aufräumen würde ich gerne mal mit dem Mythos einer schwierigen Situation im Aufsichtsrat. Die drei Jahre, die ich hier erlebt habe, waren geprägt von normaler deutscher Corporate Governance“, sagt Deissner. Ceconomy habe einen paritätisch besetzten Aufsichtsrat mit Vertretern der Arbeitnehmer und der Anteilseigner, und da habe sich Convergenta bisher stets nahtlos eingefügt. „Und ich bin überzeugt, dass wir eine gute Basis haben für die Zukunft.“ Während Ceconomy auf die Genehmigung auf Brüssel wartet, hat Deissner die Wachstumsfelder im Blick, also neben dem Ausbau des Servicegeschäfts auch das digitale Werbegeschäft. Auch das Onlinegeschäft, das inzwischen mehr als 30 Prozent der Gesamterlöse ausmacht, soll weiter wachsen. „Etwas anstrengen“ müsse sich das Unternehmen noch beim Anteil der Eigenmarken, gibt Deissner zu, die machten zuletzt drei Prozent des Umsatzes aus und sollen zum Ende des Geschäftsjahres mehr als fünf Prozent erreichen. Mit Rabatten alleine wird das nicht funktionieren: „Bei den Eigenmarken geht es nicht nur um den Preis, sondern immer um ein vernünftiges Kosten-Nutzen-Verhältnis“, sagt Deissner. Auch Eigenmarken-Produkte hätten einen Wert. „Billig ist nicht das, was die allermeisten Kunden kaufen wollen – jedenfalls nicht dann, wenn sie zu uns kommen.“ Was auch unter der neuen Führung auf jeden Fall erhalten bleiben soll, ist der Markenname Saturn, wie Deissner versichert. „Wir haben zwei erfolgreiche Marken und wir werden auch in Zukunft zwei Marken haben“, sagt der Ceconomy-Chef. Das sei auch der ausdrückliche Wunsch des neuen Großaktionärs aus China. Zuletzt waren viele Saturn-Filialen in Deutschland im Zuge von Modernisierungen und Umbau umgewidmet worden – im Ausland tritt Ceconomy ohnehin nicht mit Saturn, sondern unter Mediamarkt auf.