FAZ 24.02.2026
15:06 Uhr

Mayweather vs. Pacquiao: Treffen sich zwei Rentner im Ring


Nach dem „Kampf des Jahrhunderts“ 2015 treten Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao im Alter von 50 und 47 Jahren noch mal gegeneinander an. Eine aufgeblasene Show, die an der Nostalgie der Fans verdient – mehr nicht.

Mayweather vs. Pacquiao: Treffen sich zwei Rentner im Ring

Einer der größten Box-Momente ist bloß elf Jahre her: Auf dem internationalen Flughafen von Las Vegas stauen sich Hunderte Privatmaschinen, während deren prominente Besitzer gemeinsam mit etwa 16.000 Zuschauern in die MGM Grand Garden Arena strömen und 4,6 Millionen weitere allein in den USA über das Bezahlfernsehen hinzukommen. Zwölf Runden lang schreiben der Amerikaner Floyd Mayweather Jr. und sein philippinischer Widersacher Manny Pacquiao mit ihren Fäusten ein Stück Sportgeschichte. Denn beim von Fans lang erwarteten und als „Kampf des Jahrhunderts“ vermarkteten Aufeinandertreffen geht es nicht nur um die vier prestigeträchtigen Gürtel im Weltergewicht (WBA, WBC, WBO und The Ring). Es geht auch um die Frage, welcher der beiden legendären und populären Boxer an der Spitze seiner körperlichen Leistungsfähigkeit mit seinem jeweils einzigartigen Stil sich durchsetzen wird: der defensiv brillante und ungeschlagene Mayweather Jr. oder der blitzschnelle und offensive Pacquiao? Ein Kampf mit einem Umsatz von fast 700 Millionen Euro Am Ende liefert der Amerikaner die Antwort souverän nach Punktrichterentscheidung. Mit Blick auf das Geld können sich damals aber beide Boxer als Sieger betrachten. Während sich Pacquiao über rund 174 Millionen Euro Prämie freut, wird Mayweather Jr. seinem Spitznamen „Money“ mit einem geschätzten Verdienst von 290 Millionen Euro gerecht. Bis heute gilt der Kampf mit einem erwirtschafteten Umsatz von fast 700 Millionen Euro als der teuerste aller Zeiten. Auch wenn gerne übersehen wird, dass die Aktion im Ring hinter den Erwartungen zurückblieb, ist „Mayweather Jr. vs. Pacquiao“ längst zum Mythos des Sports geworden, der bis in die heutige Zeit ausstrahlt. Im Lichte dieses Erfolgs wollen nun Mayweather Jr. (mittlerweile 50) und Pacquiao (47) in diesem Jahr abermals in den Ring steigen, übertragen bei Netflix. Muss das sein? Ja, die Show gehört zum Boxgeschäft dazu, doch man kann es auch übertreiben. Während Pacquiao sich nach vier Jahren Rente zumindest im Juli 2025 um einen Meistertitel bemühte und knapp gegen den 16 Jahre jüngeren Mario Barrios scheiterte, liegt der letzte Profisieg von Mayweather Jr. sieben Jahre zurück – gegen den Box-Debütanten Conor McGregor. Seitdem machte Mayweather Jr. von sich Schlagzeilen, wann immer er in „Schaukämpfen“ gegen Influencer, Kickboxer und sogar ein Mitglied eines Mafiaclans in den Ring stieg. Nostalgische Sehnsucht der Fans Das Ganze fügt sich in den Trend ein, der im Boxsport seit einigen Jahren grassiert und bei dem einst erfolgreiche, ja legendäre Kämpfer wie Mike Tyson, Roy Jones Jr. oder Evander Holyfield entweder gegeneinander antreten oder auf Semiprominenz losgelassen werden. Der finanzielle Erfolg und das Zuschauerinteresse solcher anachronistischen Kämpfe sind Brennholz für den Ofen, der weitere dieser bizarren Shows antreibt. Wie etwa bei einem geplanten Kampf zwischen dem fast 60-jährigen Tyson und Mayweather (die beiden trennen etwa 30 Kilogramm). Dasselbe Problem hat auch „Mayweather Jr. vs. Pacquiao 2“: Es geht nicht um Titel, nicht darum, wer der beste Boxer der Welt ist; es geht um das schnelle Geld, verdient mit der nostalgischen Sehnsucht der Fans nach einer Glanzzeit im Boxen, die es offenbar so nicht mehr gibt. Dem Sport erweisen diese Duelle der Ring-Rentner aber einen fragwürdigen Dienst – auch wenn Befürworter wiederholt hervorheben, dass damit die Sichtbarkeit für das Boxen erhöht wird. Dennoch wäre dem Boxen mehr gedient, einen größeren Fokus auf die nächste Generation angehender Stars zu setzen, die nicht nur Fans ein Begriff sind, sondern auch Menschen außerhalb des Rings erreichen könnten. So wie einst Pacquiao, Mayweather oder Tyson eine ganze Generation mit ihren Leistungen erreichten – und nicht nur mit ihren Namen.