Vincent Keymers Aufstieg macht sich in Einladungen zu den besten Turnieren der Welt bezahlt: Im März spielt er in Prag, im April in Karlsruhe, im Mai in Bukarest, im Juni in Oslo, im Juli in Zagreb und im August in St. Louis. In Wijk aan Zee, wo sich die Weltklasse gerade wie jeden Januar trifft, erlebt der deutsche Spitzenspieler ein wildes Turnier. Er hat schon vier Partien gewonnen, genau wie der Usbeke Nodirbek Abdusattorow, der das Feld anführt, aber auch bereits viermal verloren wie der Tscheche Van Nguyen, der auf dem letzten Platz liegt. Blübaum besiegt den indischen Weltmeister Gukesh Großartig läuft es für Matthias Blübaum. Deutschlands überraschender WM-Kandidat hat nicht nur Keymer im direkten Duell mit Schwarz geschlagen, sondern auch den indischen Weltmeister Gukesh. Gleich am nächsten Tag nahm er in gerade mal 25 Zügen den Niederländer Anish Giri auseinander, auf den er Ende März beim Kandidatenturnier in Zypern treffen wird. „Zwei solche Partien nacheinander gegen solche Spieler zu gewinnen hätte ich mir nicht mal erträumt, ehrlich gesagt. Ich wollte nur solide spielen. Aber in beiden Partien wollten mich meine Gegner überrumpeln, und das rächte sich“, sagte Blübaum. Er verwies selbst darauf, dass seine Elozahl erstmals über 2700 liegt. Vor den letzten drei Runden hätte der 28 Jahre alte Lemgoer sogar allein führen können, hätte er Van Nguyen und Arjun Erigaisi, der sich wie die anderen drei indischen Teilnehmer außer Form präsentiert, nicht ins Remis entkommen lassen. Gukesh unterlief ein schockierender Aussetzer, als er gegen Abdusattorow einzügig Turm und Bauer einstellte und sofort aufgab. Überhaupt geht es bei „Tata Steel Chess“ in diesem Jahr auffällig nervös zu. Dem Stahlproduzenten in indischer Hand droht eine Sammelklage von Anwohnern, die Schadenersatz in Milliardenhöhe fordern. Aus Protest gegen die Emissionen der Stahlproduktion blockierten Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion mit Kohlehaufen die Turnierhalle. Die erste Runde startete mit 90 Minuten Verspätung. Einige der jüngsten Teilnehmer sind davon vielleicht weniger beeindruckt. Der 14 Jahre junge Türke Yağız Kaan Erdoğmuş behauptet sich im vorderen Mittelfeld. Im zweiten Turnier, dem „Challengers“, konnte Andy Woodward, 15 Jahre alter Amerikaner, sieben Partien in Folge gewinnen und hat gute Chancen, ins „Masters“ aufzusteigen. Im dritten Turnier, dem „Amateurs Top Tienkamp“, sind sechs Runden gespielt. Christian Glöckler, 14 Jahre und aus Limburg, hat alle gewonnen, und es müsste fast mit dem Teufel zugehen, wenn er nächstes Jahr nicht im „Challengers“ dabei sein wird. Den gleichaltrigen Rumänen Henry Edward Tudor hätte Glöckler schneller besiegen können, hätte er sich auf diese Stellung eingelassen und das hier mögliche Ende vorhergesehen.
