Die geplanten Änderungen beim Dividieren in Niedersachsens Grundschulen sorgen für Diskussionen. Statt der klassischen schriftlichen Division sollen die Dritt- und Viertklässler vom Schuljahr 2027/28 an das sogenannte halbschriftliche Dividieren lernen. Was bedeutet das? Das Kultusministerium erklärt die unterschiedlichen Rechenwege auf Anfrage anhand eines Beispiels: 3.240 geteilt durch 5. Schriftliches Dividieren Bei der klassischen schriftlichen Division beginnt man mit der ersten Zahl von links, die mindestens so groß ist wie die Zahl rechts. Im Beispiel heißt es also: 32 durch 5. „Nun wird überschlagen, wie oft die 5 in die 32 passt“, so das Ministerium. Ergebnis: 6. Die 6 wird mit der 5 multipliziert und das Ergebnis – 30 – unter die 32 der ersten Zahl geschrieben und von dieser abgezogen. Die Differenz – 2 – wird als Ergebnis wiederum darunter geschrieben und die nächste Ziffer der linken Zahl, die 4, nach unten geholt, sodass dort nun 24 steht. Folglich wird überschlagen, wie oft die 5 in die 24 passt – Ergebnis: 4. Da 4 Mal 5 in Summe 20 ergibt, kommt diese Zahl unter die 24 im Rechenweg. Der Rest von 4 wird um die letzte Ziffer 0 der Ausgangszahl 3.240 ergänzt, sodass im letzten Schritt 40 durch 5 gerechnet wird. Ergebnis: 8. Da nun kein Rest mehr bleibt, lautet das Endergebnis 648. Halbschriftliches Dividieren Bei dem künftigen Verfahren wird die Ausgangszahl in übersichtlichere Teilzahlen zerlegt: 3.000, 200 und 40. Im Beispiel rechnet man daher laut Ministerium zunächst im Kopf 3.000 durch 5 (das ergibt 600), dann 200 durch 5 (das ergibt 40) und dann 40 durch 5 (das ergibt 8). Anschließend werden die Ergebnisse dieser Teilrechnungen addiert: 600 plus 40 plus 8. Auch hier lautet das Ergebnis 648. Ministerium: „Kinder lernen nicht weniger“ Das schriftliche Dividieren soll im Mathematikunterricht in Niedersachsen also künftig anders unterrichtet werden als bisher. Eine Abschaffung sei aber nicht geplant, betonte das Kultusministerium in Hannover nach Berichten über die anstehenden Änderungen: „Alle Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen werden es weiter erlernen.“ Verbindlich werde die schriftliche Division künftig zwar erst in der Sekundarstufe I, also ab Klasse 5, statt in der Grundschule unterrichtet. Aber: „Auch in den Grundschulen lernen die Kinder künftig bereits Teilschritte der schriftlichen Division, endgültig gelernt wird es dann in der weiterführenden Schule“, erklärte eine Sprecherin. Die Kinder lernten dadurch nicht weniger, auch der Bildungsanspruch werde nicht gesenkt. Ministerium: Division das komplexeste aller Rechenverfahren Hintergrund seien didaktische Überlegungen: Die schriftliche Division stelle „das komplexeste aller schriftlichen Rechenverfahren“ dar. Sie erfordere das sichere Zusammenspiel des Teilens, Multiplizierens und Subtrahierens und sei besonders anfällig für typische Fehlerquellen. Eine zu frühe Einführung könne daher dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler Rechenwege anwenden, ohne sie ausreichend zu verstehen. „Solche Defizite können langfristige Folgen haben. Denn Mathematik baut aufeinander auf.“ Zentral seien der Aufbau eines tragfähigen Verständnisses von Division als Aufteilen und Verteilen sowie der enge Bezug zur Multiplikation – und weniger, dass Kinder „automatisch eine Art Rechenanleitung befolgen können“. Änderung nicht nur in Niedersachsen geplant Das Kerncurriculum Mathematik wurde für das neue Vorgehen geändert. Die neue Fassung ist bereits seit August 2025 in Kraft. Auswirken wird sie sich aber erst für die Dritt- und Viertklässler des Schuljahres 2027/28. Einen Alleingang sieht das niedersächsische Kultusministerium in seinem Vorgehen nicht. Die Anpassungen orientierten sich an den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK) für das Fach Mathematik von Juni 2022. Neben Niedersachsen hätten bereits fünf weitere Länder die Änderung angeschoben, hieß es. Diese sei ein Teil der bundesweiten Umsetzung gemeinsamer Standards, auf die sich alle Länder verständigt haben.
