FAZ 25.11.2025
09:39 Uhr

Masterplan Ladeinfrastruktur: Punkte sammeln


37 Punkte umfasst der vom Bundeskabinett verabschiedete Masterplan Ladeinfrastruktur. Doch die wichtigste Maßnahme fehlt.

Masterplan Ladeinfrastruktur: Punkte sammeln

Nach dem Mauerfall definierte Helmut Kohl zehn Punkte, um die deutsche Wiedervereinigung einzuleiten. Mit einem Zehn-Punkte-Programm begann der ehemalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer den Umbau vom schwerfälligen, von Staatsaufträgen abhängigen Elektrokonzern zum heutigen Börsen-Schwergewicht. Wenn so Großes mit so wenigen Worten erreicht werden kann, verwundert es doch sehr, dass der in der vergangenen Woche vom Bundeskabinett verabschiedete Masterplan Ladeinfrastruktur insgesamt 37 gleichwertige Punkte definiert, auf dass es vorangehe mit dem Aufbau neuer Ladesäulen im Land. Mehr Nachfrage durch mehr Elektrofahrzeuge soll da geschaffen und „unter Berücksich­tigung der Haushaltslage“ gefördert, eine Preistransparenzstelle geschaffen, die Barrierefreiheit gestärkt, und Programme für bidirektionales Laden sollen gestartet werden. Zur Ehrenrettung ist festzuhalten, dass etwa die Hälfte aller Punkte darauf abzielt, jene bürokratischen Hürden abzubauen, auf die Ladestellenbetreiber treffen, wenn sie Flächen und einen Netzanschluss benötigen. Nur: Wir waren in diesem Jahr mit Elektroautos auf weiten Strecken in entle­gene Ecken der Republik unterwegs und hatten dabei manches Erlebnis. Ein Mangel an Lademöglichkeiten gehörte nie dazu, an einem top­modernen Ladepark an der A9 standen wir gar mutterseelenallein, wo 20 Au­tos gleichzeitig Strom fassen könnten. Nachmittags um zwei wohlgemerkt, nicht mitten in der Nacht. Dass der mangelnde Ausbau der Ladeinfrastruktur am zögerlichen Umstieg ins Elektroauto Schuld trage, ist eine von Verbänden befeuerte Mär, der die Politik nicht auf den Leim gehen sollte. Stattdessen sollte sie sich einen einzelnen Punkt vornehmen: den Strompreis zu senken, sprich, den Rahmen zu schaffen, um der steigenden Stromnachfrage eine entsprechende Angebotsausweitung ent­gegenzusetzen.