FAZ 10.12.2025
14:52 Uhr

María Corina Machado: Friedensnobelpreisträgerin wird doch in Oslo erwartet


Entgegen Meldungen vom frühen Morgen reist die venezolanische Nobelpreisträgerin María Corina Machado offenbar doch nach Oslo.

María Corina Machado: Friedensnobelpreisträgerin wird doch in Oslo erwartet

Die Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado kommt nach Oslo, wird aber nicht an der heutigen Preisverleihung im Osloer Rathaus teilnehmen. Das teilte das Norwegische Nobelinstitut am Mittwoch mit. Demnach schaffte sie es nicht, rechtzeitig zur Preisverleihung anzureisen. Deswegen nahm ihre Tochter Ana Corina Sosa Machado am Mittag den Preis entgegen und verlas eine von der Nobelpreisträgerin verfasste Rede. „Dieser Preis hat eine tiefgreifende Bedeutung: Er erinnert die Welt daran, dass Demokratie für Frieden unerlässlich ist“, sagte Machados Tochter im Namen ihrer Mutter. Die Lektion der langen und schwierigen Reise Venezuelas sei, dass man bereit sein müsse, für die Freiheit zu kämpfen, wenn man Demokratie haben wolle. „Aus diesem Grund geht die Sache Venezuelas über unsere Grenzen hinaus.“ Ein Volk, das die Freiheit wähle, leiste nicht nur einen Beitrag für sich selbst, sondern für die gesamte Menschheit. Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, forderte den seit 2013 in Venezuela regierenden Präsidenten Nicolás Maduro während der Übergabezeremonie zum Rücktritt auf.  „Herr Maduro, akzeptieren Sie das Wahlergebnis und treten Sie zurück“, sagte er und bekam dafür viel Applaus. „Schaffen Sie die Grundlage für einen friedlichen Übergang zur Demokratie, weil das der Wille des venezolanischen Volkes ist.“ „Sie lebt ganz einfach mit einer Morddrohung des Regimes“ Das Nobelpreis-Institut hatte versucht, Maria Corina Machado die Reise nach Oslo zu ermöglichen, und noch am Wochenende versichert, sie werde an der Zeremonie teilnehmen. Ihre ehemalige Kampagnenchefin Magalli Meda sagte am Dienstag, Machado habe Venezuela bereits verlassen. Der Direktor des Norwegischen Nobelinstituts, Kristian Berg Harpviken, sagte am Mittwochmorgen dem Norwegischen Rundfunk, er wisse nicht, wo sich Machado derzeit aufhalte, und dafür gebe es gute Gründe. „Dies ist ein repressives Regime, das bereit ist, absolut alle Mittel gegen die Opposition einzusetzen“, so Harpviken. Seinen Angaben nach waren es logistische Gründe, die Machado an einer rechtzeitigen Ankunft in Norwegen hinderten. „Sie lebt ganz einfach mit einer Morddrohung des Regimes. Diese reicht über die Landesgrenzen Venezuelas hinaus, vom Regime und den Freunden des Regimes auf der ganzen Welt.“ In Norwegen warten Familienangehörige, Verbündete – darunter auch der oppositionelle Präsidentschaftskandidat Edmundo González – sowie einige lateinamerikanische Staatschefs auf die Oppositionsführerin. Im Grand Hotel, wo die Nobelpreisträger normalerweise untergebracht sind, gaben die Mutter der Preisträgerin, Corina Parisca, ihre Schwestern und mindestens zwei ihrer drei Kinder an, nicht zu wissen, wo sie sich befindet, waren jedoch zuversichtlich, dass sie eintreffen werde. Machado wird für ihren Einsatz für die Demokratie angesichts des immer weiter um sich greifenden Autoritarismus in Venezuela geehrt. Sie hatte im Jahr 2023 ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2024 bekanntgegeben, doch wurde ihr die Kandidatur verwehrt. Das Regime in Venezuela verbot ihr, das Land zu verlassen. Machado lebt versteckt und trat seit Januar nicht mehr in der Öffentlichkeit auf.