FAZ 30.01.2026
06:00 Uhr

Markus Frohnmaier im Interview: „Migranten müssen Deutschland als ihre Heimat lieben“


Der baden-württembergische AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier spricht im F.A.Z.-Interview über seine Herkunft, seinen Volksbegriff und innerparteiliche Grabenkriege.

Markus Frohnmaier im Interview: „Migranten müssen Deutschland als ihre Heimat lieben“

Herr Frohnmaier, Sie wurden als Ru­mäne geboren. Gibt es in der AfD Leute, für die Sie kein richtiger Deutscher sind, weil diese Leute einen ethnischen Volksbegriff vertreten? Was Sie meinen, ist kein ethnischer, sondern ein ethnisch-biologischer Volksbegriff. Ich kenne niemanden in unserer Partei, der einen solchen vertritt. Es wäre auch mit den Grundsätzen der AfD unvereinbar. Es gibt viele Beispiele, die etwas anderes nahelegen. Eine Parteifreundin, die Sie gut kennen, weil sie auch aus Baden-Württemberg stammt, Christina Baum, sagt: „Der Begriff des Volkes bezieht sich ganz eindeutig auf eine Abstammungsgemeinschaft – auf eine ethnisch gleiche Gruppe.“ Wer die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, ist für uns Deutscher und rechtlich absolut gleichgestellt, unabhängig von seiner Herkunft. Abgesehen davon gibt es auch ein deutsches Volk im ethnisch-kulturellen Sinne, davon geht das Grund­gesetz in Artikel 116 aus. Das festzu­stellen, ist nicht verfassungsfeindlich, das hat das Bundesverwaltungsgericht gerade erst im Rechtsfall Martin Wagener festgestellt. Ein Volk lässt sich ethnisch definieren, gilt das aber für das Volk der Bundes­republik, das Staatsvolk, um das es in der Politik geht? Ich betrachte diese ganze Diskussion mittlerweile als böswillige Wortklauberei. Die AfD in Baden-Württemberg lebt davon, dass sich viele Menschen mit Migrationsgeschichte in ihr engagieren, die Partei wählen und unterstützen. Ich wurde mit über 99 Prozent von meiner Partei zum Ministerpräsidentenkandidaten gewählt, da hat niemand nach meinem Stammbaum gefragt. Ich glaube, dass die AfD mittlerweile von mehr Menschen mit Migrationshintergrund gewählt wird als viele andere Parteien. Die haben sich in Deutschland was aufgebaut, lieben dieses Land, sprechen die Sprache und vermitteln Werte und Traditionen an ihre Kinder. Die sind von Problemen bei der inneren Sicherheit und der wirtschaftlichen Lage genauso getroffen wie alle anderen Bürger. Anhänger Ihrer Partei sagen, dass Mi­gration den „Volkstod“ oder „Völkermord“ oder „Umvolkung“ bedeutet. Und dass nur „millionenfache Remi­gration“ das Volk rettet. Ist es da glaubwürdig, zu sagen, dass die AfD in Wahrheit eine Partei von und für Mi­granten sei? Die Frage ist, wie man Remigration de­finiert. Die Definition der AfD ist klar: Wir wollen Ausländer abschieben, die sich nicht legal in Deutschland aufhalten. Zudem Ausländer, die zwar legal da sind, aber Straftaten begehen oder dem Sozialstaat auf der Tasche liegen oder sich nicht integrieren. Auch ausländische Islamisten und Antisemiten haben bei uns keinen Platz. Für irgendwelche anderen Defi­nitionen oder besser gesagt bös­willige Interpretationen von Remigration lasse ich mich nicht in Mithaftung nehmen. Die AfD hat ein rechtsextremes Vorfeld, in dem Aktivisten wie Martin Sellner einen Remigrationsbegriff verwenden, der laut Bundesverwaltungsgericht verfassungswidrig ist. Finden Sie es richtig, dass sich Ihre Parteifreundin Lena Kotré mit Sellner zu einem Diskussionsabend getroffen hat? Uns pauschal vorzuwerfen, wir hätten ein rechtsextremes Vorfeld, ist falsch. Die Rechtsprechung stellt darauf ab, dass es keine Staatsbürger erster und zweiter Klasse geben darf. Ich habe mich nicht vertieft mit Herrn Sellners Ideen befasst, denn für mich ist das Parteiprogramm der AfD entscheidend, und nicht das, was Herr Sellner an persönlichen Gedanken aufschreibt oder was ihm andere in den Mund legen. Er ist Ausländer und gar nicht Mitglied in unserer Partei. Warum fragen Sie ihn nicht selbst? Darf man als AfD-Politiker eine öffentliche Abendveranstaltung mit Herrn Sellner machen? Als ich das letzte Mal geprüft habe, in welchem Land ich lebe, war Deutschland noch keine Diktatur. Demzufolge darf man in einem freien Land auch ganz legal öffentliche Abendveranstaltungen mit anderen Menschen machen, auch mit Herrn Sellner. Ich würde aber AfD-Mitgliedern davon abraten, weil wir ja sehen, was tendenziöser Journalismus daraus macht: So zu tun, als ob Außenstehende das Parteiprogramm der AfD schreiben. Insofern kann ich nachvollziehen, dass unsere Parteispitze gegen ein solches Treffen war. Wird die Menschenwürde missachtet, wenn man pauschal gegen Migranten hetzt? Wir hetzen nicht pauschal gegen Migranten. Ich bin selbst Deutscher mit Migrationshintergrund. Ihre Unterstellungen stehen im offensichtlichen Widerspruch zur Realität. Ist Migration eine Bereicherung? Migration könnte eine Bereicherung sein, wenn Sie restriktiv gehandhabt und intelligent gesteuert wird und zum Wohle des deutschen Volkes erfolgt. Das ist un­ter dieser Regierung nicht der Fall. Demnach nehmen viele Bürger Migration auch nicht als Bereicherung, sondern als eine Belastung wahr. Das wollen wir ändern. Im Bundesvorstand Ihrer Partei sitzt Hannes Gnauck, der sagt: „Jeder Fremde mehr in diesem Land ist einer zu viel“. Migranten müssen Deutschland als ihre Heimat lieben und sich integrieren, dann sind sie auch keine Fremden. Sie sind in Rumänien geboren, Ihre Frau gehörte zur koreanischen Minderheit in Russland, Ihre Kinder haben ei­nen Migrationshintergrund. Spielt das eine Rolle? Das interessiert immer nur die Medien. Wirklich? Ja. In der AfD nennen manche Sie „Frontmaier“, „Zäpfchen“, „Kampfzwerg“, „Ceaucescu“. Warum wird das gesagt? Bitten Sie mich jetzt um eine Bewertung von Spitznamen, die sich andere für mich ausgedacht haben? Ich nehme das mit Humor. Warum gibt es solche Namen? Ich habe, zusammen mit vielen anderen Parteifreunden, meinen ehemals nicht immer harmonischen Landesverband konsequent geordnet. Die innerpartei­lichen Grabenkriege sind jetzt beendet, dort wo es Meinungsverschiedenheiten gibt, diskutieren wir das konstruktiv und intern und nicht mit uns feindlich gesinnten Medien. Das hat einigen Chaoten nicht gefallen, aber ich halte es für absolut erforderlich, weil wir den Bürgern nur dann dienen können, wenn wir als Partei funktionsfähig und professionell sind. Ei­ne Chaostruppe nimmt niemand ernst. Unsere historische Aufgabe, dieses Land vom Kopf auf die Füße zu stellen, ist zu wichtig, als dass wir uns Disziplinlosigkeiten gestatten könnten. Wie ordnet man einen „gärigen Haufen“, wie die AfD oft genannt wurde? Man nimmt sich Zeit und besucht die Leute einzeln. Man fährt hin und redet mit ihnen. Jeden Tag. Stört es Sie, wenn Ihnen vorgeworfen wird, keinen Studienabschluss zu haben? Es ist nicht so, dass ich keine Lust hatte, mein Studium zu beenden. Ich habe auf Staatsexamen studiert, war Abgeordneter in Berlin, bin Papa geworden und hatte sehr ungeplant einen Herzinfarkt. Da musste ich mir die Frage stellen, ob ich das alles gleichzeitig machen kann. Wie erklären Sie den Wählern, dass Sie zwar Spitzenkandidat sind, aber nicht für den Landtag antreten? Geht es Ihnen gar nicht um Baden-Württemberg? Weil wir eine klare Trennung zwischen Parlament und Regierung wollen. Minister sollten nicht Mitglieder des Landtages sein. Ich möchte keine Landtagsfraktion aus Merkel-Robotern haben, die beim Parteitag aufstehen und zehn Minuten mit der Stoppuhr klatschen. Jemand wie Manuel Hagel, der CDU-Ministerpräsident werden will, soll also nicht für den Landtag kandidieren? Ja, dann würde er mal alles riskieren. Aber riskieren Sie wirklich etwas? Sie sind und bleiben stellvertretender Fraktionsvorsitzender in Berlin. Wenn Sie mir ein wirtschaftliches Interesse unterstellen wollen, dann müsste ich in Baden-Württemberg Fraktionsvorsitzender werden, da hätte ich mehr Geld. Ministerpräsident oder Minister werden Sie vermutlich nicht, weil niemand mit Ihnen koalieren will. Sollte die AfD etwas tun, um akzeptabler zu werden als Koalitionspartner? Ich glaube, die Akzeptanz kommt über die Zustimmung der Bürger. Nur dadurch. Über alles Weitere kann man verhandeln, solange man nicht von uns verlangt, unsere Grundprinzipien zu ver­raten.