FAZ 04.02.2026
15:40 Uhr

Marius Borg Høiby vor Gericht: „Ich hatte ein extrem hohes Bedürfnis nach Anerkennung“


Der Sohn der norwegischen Kronprinzessin sagt nun selbst im Gerichtssaal in Oslo aus. Er spricht von „viel Sex, viel Drogen und viel Alkohol“ – unter Tränen. Zuvor hatte eines seiner mutmaßlichen Missbrauchsopfer von ihrem Schock berichtet.

Marius Borg Høiby vor Gericht: „Ich hatte ein extrem hohes Bedürfnis nach Anerkennung“

Im Vergewaltigungsprozess gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit in Norwegen ist Marius Borg Høiby bei seiner ersten Aussage vor Gericht in Tränen ausgebrochen. Er habe ein Leben im Exzess mit „viel Sex, viel Drogen und viel Alkohol“ geführt, sagte der 29-Jährige am Mittwoch in Oslo. Grund dafür sei sein „extrem hohes Bedürfnis nach Anerkennung“. Der Angeklagte, der Brille, Jeans und ein zerknittertes Hemd unter einem Pullover trug, nahm sich zu Beginn seiner Aussage zunächst ein Stück Snus aus dem Mund – ein in Skandinavien verbreiteter Oraltabak. Er brach dann in Tränen aus und sagte, er sei seit seinem dritten Lebensjahr von den Medien belästigt worden, als die Beziehung seiner Mutter zu Kronprinz Haakon bekannt geworden war. „Ich bin hauptsächlich als der Sohn meiner Mutter bekannt, sonst für nichts“, sagte der Angeklagte. „Deshalb hatte ich ein extrem hohes Bedürfnis nach Anerkennung. Mein ganzes Leben lang. Und das hat sich in viel Sex, viel Drogen und viel Alkohol niedergeschlagen.“ Weiter sagte er: „Ich habe ein Leben gelebt, in das sich wohl die wenigsten hineinversetzen können.“ Er ist in 38 Punkten angeklagt – darunter sind vier Fälle von Vergewaltigung nach norwegischem Recht. Nach eigener Aussage erinnert sich der 29-Jährige nicht an einen mutmaßlichen Vorfall, bei dem er eine Frau sexuell berührt und gefilmt haben soll, während sie schlief. Er könne sich nur an einvernehmlichen Sex erinnern, sagte er; und an einige Trinkspiele mit Freunden. „Ich habe es erst gar nicht geglaubt“ Am Mittwoch hatte zunächst ein mutmaßliches Opfer berichtet. Der Sohn der norwegischen Kronprinzessin soll die Frau während einer Party in der Residenz von Norwegens Kronprinzenpaar – Schloss Skaugum – ohne ihr Einverständnis berührt haben und mit dem Finger in sie eingedrungen sein, während sie schlief. Als „Verrat und Schock“ habe sie es laut der Zeitung „Verdens Gang“ empfunden, dass der Angeklagte sie missbraucht und dabei gefilmt haben soll, berichtete die Frau. „Ich habe es erst gar nicht geglaubt“, sagte sie demzufolge. „Ich konnte nicht verstehen, dass Marius mir so etwas antun konnte.“ Sie habe so einen Blackout noch nie erlebt. „Vielleicht habe ich etwas eingeflößt bekommen, das ich nicht selbst zu mir genommen habe“, zitierte die Zeitung die Frau. Sie hatte laut NTB bereits am Dienstag ausgesagt, Høiby und sie hätten zunächst auf einer Toilette sehr kurz Sex gehabt. Danach könne sie sich an nichts mehr erinnern. Das Gericht spielt am Mittwoch Teile der ersten Polizei-Befragung der Frau zu dem Fall ab. Darauf ist norwegischen Medien zufolge zu hören, wie sie völlig ungläubig auf Videoaufnahmen reagiert, die die Tat zeigen sollen. „Ich habe nicht verstanden, dass das eine ernsthafte Vernehmung war“, sagt sie laut „Verdens Gang“ über die Befragung. „Ich dachte, es wäre versteckte Kamera.“ Der Angeklagte machte sich während der Aussage der Zeugin Notizen in seinem Block, eine halbe Seite voll. Später schaute er bei seiner eigenen Aussage immer wieder darauf. „Er hat große Angst vor der ganzen Situation“ Der norwegischen Zeitung „Verdens Gang“ sagte Høibys Verteidigerin, Ellen Holager Andenæs, am Mittwochmorgen über die Aussage ihres Mandanten: „Es ist sein Wunsch, sich zu erklären.“ Høiby stehe unter Druck. „Er hat große Angst vor der ganzen Situation“, sagte Andenæs nach dem ersten Verhandlungstag. Dazu trage auch die enorme öffentliche Aufmerksamkeit bei. Am Dienstag hatte der 29-Jährige die gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe zurückgewiesen und auch in anderen schwerwiegenden Anklagepunkten auf nicht schuldig plädiert. Seine Mutter, die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit, teilte derweil mit, eine geplante private Reise ins Ausland verschoben zu haben. Das bestätigte eine Sprecherin des Königshauses der Deutschen Presse-Agentur – begründete die Entscheidung auf Anfrage aber nicht. Eigentlich hatte Mette-Marit vorgehabt, zum Auftakt des Prozesses zu verreisen. Auch Norwegens Kronprinz Haakon will nicht zur Verhandlung gegen seinen Ziehsohn kommen. Mehrere Skandale belasten das Königshaus Gleich mehrere Skandale belasten derzeit seine Familie: Neben dem Vergewaltigungs-Prozess gegen Mette-Marits ältesten Sohn taucht der Name der Kronprinzessin Hunderte Male in den Akten zu Jeffrey Epstein auf. Sie soll über Jahre privaten Mail-Kontakt mit dem Sexualstraftäter gehabt haben. Hoiby wird vorgeworfen, vier Frauen vergewaltigt und mehrere Ex-Freundinnen körperlich und psychisch misshandelt zu haben. Insgesamt umfasst die Anklage gegen den aus einer früheren Beziehung der Kronprinzessin stammenden 29-Jährigen 38 Punkte. Der Prozess soll bis Mitte März dauern, Hoiby drohen bis zu 16 Jahre Gefängnis.