FAZ 08.12.2025
11:26 Uhr

Mariä Empfängnis: Dieses Fest verwirrt sogar Katholiken


Am 8. Dezember steht „Mariä Empfängnis“ im Kalender. Selbst Katholiken wissen nicht so recht, dass dieses Hochfest nichts mit Jesus zu tun hat. Jedenfalls nicht direkt.

Mariä Empfängnis: Dieses Fest verwirrt sogar Katholiken

Am 8. Dezember feiert die katholische Kirche das Fest „Mariä Empfängnis“. Wenn Sie jetzt denken, das ist der Tag, an dem die Gottesmutter Maria dank des Heiligen Geistes mit Jesus schwanger wurde, sind Sie nicht allein – liegen aber falsch. Wurde Maria empfangen oder hat Maria empfangen? Rechnen wir kurz durch: 8. Dezember plus 40 Schwangerschaftswochen ergibt nicht den 25. Dezember, den Tag der Geburt von Jesus. Stattdessen landet man beim 8. September. An diesem Tag begeht die Kirche die Geburt Marias. Die Bedeutung von Mariä Empfängnis Am 8. Dezember wird gefeiert, dass Joachim und Anna ihre Tochter Maria „empfangen“ haben. Die vollständige Bezeichnung „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ macht zumindest klar, wer wen empfangen hat. Eröffnet allerdings eine neue Frage: Ohne Erbsünde, was bedeutet das? Maria ist frei von allem Bösen und jeglicher Sünde, auch von der Erbsünde. Mit der Erbsünde leben der katholischen Lehre zufolge alle Menschen seit Adam und Eva. Daher wird die „Empfängnis“ Maria durch Anna auch als „unbefleckt“ bezeichnet; lateinisch immaculata conceptio. Damit soll keine jungfräuliche Empfängnis, Zeugung oder Jungfrauengeburt gemeint sein, sondern unbefleckt meint „ohne den Makel der Erbsünde“. Ohne das Böse ist Maria frei für Gott und das Gute. Diese Nähe zu Gott ist einzigartig und unterscheidet Maria von allen anderen Menschen. Später wird sie ja auch Gottes Sohn zur Welt bringen. Diese Einzigartigkeit wird am Tag Mariä Empfängnis gefeiert. Papst Pius IX. verkündete am 8. Dezember 1854 dieses „unfehlbare Dogma“ und erklärte es so: „Die seligste Jungfrau Maria wurde im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, rein von jedem Makel der Erbschuld bewahrt.“ Wer an Mariä Empfängnis freihat Mariä Empfängis geht auf das Fest „Empfängnis der heiligen Anna“ der byzantinischen Kirche des Ostens zurück. Der Fokus lag also auf der Mutter Marias, Anna. Als das Fest über Italien nach Frankreich und England gelang, verschob sich auch der Schwerpunkt weg von Anna hin zu Maria. In Österreich und in Italien ist Mariä Empfängnis ein gesetzlicher Feiertag. Der Papst betet dann traditionell an der Mariensäule an der Spanischen Treppe für das Wohlergehen der Stadt Rom.