Arrogante Belehrungen, wie J. D. Vance sie vor einem Jahr auf der Münchner Sicherheitskonferenz vorgetragen hat, sind von Marco Rubio nicht zu erwarten. Da ist man sich in Europa sicher. Wenn der amerikanische Außenminister sich am Samstag im Bayerischen Hof an die versammelten Politiker, Diplomaten und Militärs wendet, dürfte er die Gemeinsamkeiten im westlichen Bündnis hervorheben – wenige Wochen, nachdem die NATO angesichts der von Donald Trump losgetretenen Grönland-Krise noch in den Abgrund geschaut hatte. Er will vor allem über den Ukrainekrieg sprechen. In der Auseinandersetzung mit Russland steht auf Rubios Schreibtisch gleichsam das rote Telefon, das immer dann klingelt, wenn die Europäer in Sorge sind, Trump und dessen Sondergesandter Steve Witkoff könnten wieder einmal versucht sein, Kiew fallen zu lassen und einen Deal mit Moskau zu machen – der auch zulasten Europas wäre. Er ist und bleibt ein außenpolitischer Falke Rubio hat sich seit der Rückkehr Trumps ins Weiße Haus als Klempner eines erratischen Präsidenten erwiesen, der nichts von der westlichen Wertegemeinschaft hält und Europa als Rivalen betrachtet. Das heißt aber nicht, dass der frühere Senator nicht auch darauf dringt, dass Europa mehr Verantwortung für die (konventionelle) Verteidigung seines Kontinents übernehmen muss. Und es heißt auch nicht, dass Rubio immer nur mit sanfter Stimme spricht. Kritik von europäischen Bündnispartnern am amerikanischen Vorgehen in Venezuela (und der Karibik) wies er scharf zurück und hob Amerikas Hegemonie in der westlichen Hemisphäre hervor. In einer Sache ist sich der einstige Gegner Trumps treu geblieben, der vor Jahren entschied, sich doch lieber gut mit dem Mann zu stellen, der seit zehn Jahren die Republikaner dominiert: Der Sohn kubanischer Einwanderer ist und bleibt ein außenpolitischer Falke. Als solcher ist er in der Trump-Regierung der eigentliche Gegenspieler des Vizepräsidenten und Kronprinzen der MAGA-Bewegung, der eher isolationistisch denkt. Rubio, der auch der Nationale Sicherheitsberater des Präsidenten ist, war der eigentliche Antreiber der Militäroperation in Venezuela. Und in seinem Sicherheitsrat werden auch die Pläne für mögliche Interventionen gegen das iranische oder kubanische Regime entworfen. Trump lobt ihn stets. Doch so wie der Präsident tickt, verfolgt er damit auch das Ziel, Vance nicht allzu groß werden zu lassen. Niemand soll Trump überstrahlen. Den 54 Jahre alten Rubio, der mit seiner aus Kolumbien stammenden Frau Jeanette vier Kinder hat, sollte man ebenfalls auf der Rechnung haben, wenn es um die Präsidentschaftskandidatur 2028 geht. Heute ist Rubio so ziemlich der Einzige, auf den sich Europa in Washington noch verlassen kann.
