Preise, Pokale, Prämien: Auch im Jahr 2025 sind etliche davon vergeben worden. Ausgezeichnet wurden der phänomenale Teamgedanke der deutschen Basketballer, das beeindruckende Durchhaltevermögen von Biathletin Franziska Preuß oder der gigantische Kampfgeist von Zehnkämpfer Leo Neugebauer. Doch wo Gewinner sind, gibt es auch Sportler, die genauso viel gegeben und den Sieg doch verpasst haben. Sportler, auf die sich ein Blick lohnt, weil sich aus ihren Geschichten oft genauso viel und manchmal noch ein wenig mehr ziehen lässt. Die von Amanal Petros ist so eine. Als der deutsche Marathonläufer bei der Leichtathletik-WM in Tokio im September ins japanische Nationalstadion einbiegt, liegt er in Führung. Das ändert sich nicht nach einer halben Runde. Und auch nicht, als es auf die Zielgerade geht. Doch dann passiert es. Alphonce Simbu schiebt sich vorbei. Kurz vor Schluss. Petros feiert noch immer Nach 42,195 Kilometern trennen Petros 16 Zentimeter von Gold. Nach 2:09:48 Stunden fehlen 0,03 Sekunden zum Sieg. Zahlen sind dafür da, die Dinge greifbarer werden zu lassen. Manchmal bewirken sie das Gegenteil, führen vor Augen, wie unbegreiflich etwas ist. Hinterher tritt Petros selbstkritisch auf. Er habe sich zu oft umgedreht, erklärt er. Und es wäre nachvollziehbar gewesen, wenn er diesem so knapp verpassten Sieg nachgetrauert hätte, dieser vielleicht einmaligen Chance auf den ganz großen Erfolg. Wenn sie ihn lange beschäftigt, ihn gehemmt hätte. Wer weiß schon, ob sie noch mal kommt? So etwas kann einen Athleten ins Wanken bringen, kann seinen Willen bröckeln lassen. Doch der Mann, der seine Heimat wegen des Krieges zurückließ und seine Mutter seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen hat, der schon so viel verloren hat, machte aus der knappsten Niederlage die Geschichte eines Siegers, indem er – wenn überhaupt – nur für einen kurzen Moment traurig war über die verpasste Goldmedaille und sich stattdessen über Silber freute. Sein Strahlen sprach Bände. Petros hat es sich bewahrt. Seinen zweiten Platz, sagte er erst kürzlich im Jahresrückblick des ZDF, feiere er noch immer. Vor wenigen Wochen hat der Dreißigjährige in Valencia den deutschen Marathon-Rekord verbessert – jenen Rekord, den ihm Samuel Fitwi ein Jahr zuvor abgeknöpft hatte. Petros’ Lauf wirkte locker, leicht, unbeschwert wie sein Gemüt. Mit seiner Geschichte und seinem Frohsinn bildete Petros einen schönen Gegensatz zu den Schattenseiten der Sportwelt, die manchmal auch abstoßend wirken kann mit all den Instrumentalisierungen oder Betrugsversuchen. Er hat auf diese Weise auch eine Botschaft gesendet, die zwar nicht neu ist, aus der sich aber etwas ableiten lässt, was weit über den Sport hinausreicht: Glücklich wird, wer auch das Schöne und Gute sieht, das es gibt, statt nur auf das zu blicken, was gerade fehlt. Das könnte für das neue Jahr doch ein lohnender Vorsatz sein.
