FAZ 13.02.2026
17:16 Uhr

Manuel Neuers WM-Rückkehr: Die Tür bleibt zu, das Fenster schließt sich


Manuel Neuer und Julian Nagelsmann sagen über eine mögliche Rückkehr ins Tor des DFB-Teams, was sie immer sagen. Zur Nachricht wird es trotzdem. Es ist eine bisweilen selbstreferentielle Debatte.

Manuel Neuers WM-Rückkehr: Die Tür bleibt zu, das Fenster schließt sich

Am Mittwochabend stand Manuel Neuer vor Mikrofonen in der Münchner Arena und wurde das gefragt, was er schon oft gefragt worden ist. Er antwortete darauf gar nicht so viel anders, als er sonst darauf antwortete. Zur Nachricht wurde seine Antwort trotzdem: Neuer schließt WM-Rückkehr aus. Dabei hatte er genau das eigentlich gar nicht getan. Sein „Ja“ auf die Nachfrage, ob sein nach der Europameisterschaft vor knapp zwei Jahren verkündeter Rücktritt „in Stein gemeißelt“ sei, konnte man zwar so lesen. Aber wenn man sah und hörte, wie Neuer, die Nummer eins beim FC Bayern München, sich in diesem Moment äußerte, dann wirkte es eher so, als wollte er darauf gar nicht antworten. Oder in der Fußballsprache: als wollte er sich aus dem Gegner – dieser gemeinen, hartnäckigen Frage – rausdrehen. Nagelsmann schließt Neuer-Rückkehr aus – wirklich? Am Donnerstagabend stand Julian Nagelsmann vor Mikrofonen im Brüsseler Kongresszentrum und wurde etwas gefragt, was er schon öfter gefragt worden ist. Er antwortete darauf gar nicht so viel anders, als er sonst darauf antwortete. Zur Nachricht wurde seine Antwort trotzdem: Nagelsmann schließt Neuer-Rückkehr aus. Aber hatte er das wirklich getan? Als der Bundestrainer am Rande der Auslosung der drei Gegner (Niederlande, Serbien, Griechenland) für die kommende Nations League seine drei Fakten zur aktuellen Lage im Nationaltor aufzählte, erwähnte er zuerst die neuerliche Verletzung Marc-André ter Stegens, zuletzt die guten Leistungen Oliver Baumanns und dazwischen, genau, Neuers (so gelesene) Bekräftigung vom Vortag. Klar ist also vor allem: Hier dreht sich etwas im Kreis, und das schon seit ein paar Monaten. Eine bisweilen selbstreferenzielle Debatte, deren Kern man wohl so zusammenfassen kann: Manuel Neuer ist zwar aus dem deutschen Nationaltor zurückgetreten, aber weil er eine Rückkehr bislang nicht mit maximaler semantischer Streckung ausgeschlossen hat, vermittelte das den Eindruck, als würde er vielleicht schon ganz gern noch mal gefragt werden. (So konnte man auch jenes Interview mit seinem Berater im September lesen, das die Debatte überhaupt erst ins Rollen gebracht hat.) Der Bundestrainer wiederum hat eine Rückkehr Neuers zwar nicht völlig ausgeschlossen, vermittelt aber den Eindruck, dass er lieber nicht in eine Situation kommen möchte, in der er Neuer würde fragen müssen. Und weil darüber nicht nur schon einige Zeit vergangen ist, sondern es bis zur Weltmeisterschaft auch nur noch vier Monate sind, schließt sich für diese Frage zusehends das Fenster. Nagelsmann hält die Tür für ter Stegen einen Spalt offen Dass das Wording in dieser Woche bei Nagelsmann und schon auch bei Neuer insgesamt ein bisschen deutlicher ausfiel als zuvor, war insofern wohl nicht zuletzt eine Anpassung der sprachlichen Realität an die auf dem Rasen. Klar ist damit jedoch auch: Sofern nichts Außergewöhnliches mehr passiert, wird der Hoffenheimer Baumann nicht nur bei den kommenden Länderspielen Ende März in der Schweiz und gegen Ghana im deutschen Tor stehen, sondern auch bei der WM. Dass Nagelsmann für ter Stegen die Tür einen Spalt geöffnet halten will, war, wie der Bundestrainer selbst sagte, eher eine Frage des Respekts. Sein Zusatz, die Lage sei nach der neuerlichen Verletzung nach dem Wechsel von Barcelona nach Girona „nicht rosig“, klang fast noch ein bisschen schöngefärbt. Ein Grund, neu über Neuer nachzudenken, war das gleichwohl nicht. Das liegt vor allem daran, wie Baumann sich in den vergangenen Monaten präsentiert und damit die Tür zum deutschen Tor auch in eigener Sache fest geschlossen gehalten hat: mit exzellenten Leistungen, aber auch als jemand, der in Sachen Ausstrahlung und Wirkung ins Team noch einmal an Format gewonnen hat – nicht zuletzt durch seinen bemerkenswert souveränen Umgang mit den immer wieder neu gestellten Fragen. Man kann nun zwar auch jene stellen, ob Nagelsmann das nicht von sich aus einmal so aussprechen sollte. Aber zum einen kann er darauf verweisen, dass er nie etwas substanziell anderes gesagt hat. Und zum anderen würde er in seiner Rolle als Bundestrainer nichts gewinnen, wenn er sich ohne Not einer Option beraubt, und sei es auch nur eine kleine. Wobei man im Gesamtkontext dieser Woche schon hinzufügen darf: Er erweckte nicht den Eindruck, als habe er ein Problem, wenn ein anderer das täte.