FAZ 02.01.2026
07:39 Uhr

Mamdani vereidigt: „Sie wollen wissen, ob die Linke regieren kann“


Als erster Bürgermeister New Yorks legt Zohran Mamdani am Neujahrstag bei Minusgraden den Amtseid auf den Koran ab. Er verspricht, für alle New Yorker da zu sein – und sich als demokratischer Sozialist treu zu bleiben.

Mamdani vereidigt: „Sie wollen wissen, ob die Linke regieren kann“

„Wenn du ein New Yorker bist“, sagte Zohran Mamdani in seiner Rede zur Amtseinführung, „dann bin ich dein Bürgermeister.“ Es war ein Versprechen an diejenigen, die sich von der Politik vergessen fühlen, und gleichsam an diejenigen, die dem demokratischen Sozialisten kritisch gegenüberstehen. Mamdani fügte hinzu, am Ende könnten ohnehin nur Taten die Leute umstimmen. Zur ersten Rede des neuen Bürgermeisters versammelten sich am Donnerstag trotz Minusgraden Zehntausende entlang des Broadway vor dem historischen Rathaus in Manhattan. Mamdani sprach in hoffnungsvollem, versöhnlichen Ton zu ihnen: Nur selten erhalte man so eine Gelegenheit, Dinge zu verändern und neu zu denken. In der Vergangenheit seien zu viele Möglichkeiten nicht wahrgenommen worden. Von nun an werde man jedoch entschlossen und mutig regieren. „Wir werden vielleicht nicht immer Erfolg haben“, sagte Mamdani. „Aber man wird uns niemals vorwerfen können, uns habe der Mut gefehlt, es zu versuchen.“ Die Versprechen, die der Überraschungskandidat im Wahlkampf gemacht hatte, waren groß: bezahlbare Mieten, kostenloser Busverkehr und freie Kinderbetreuung etwa. Die Frage ist nun, ob er sie auch halten kann. Schützenhilfe erhielt Mamdani zum Amtsantritt am Donnerstag vom linken Senator Bernie Sanders und der linken Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez. „Regierung, die für alle arbeitet“ Als Sanders dem Muslim Mamdani den Amtsschwur auf den Koran abnahm, sagte dieser, er wolle Sanders’ Führungsqualitäten nacheifern. Der Senator wiederum dankte New York in seiner Rede. Die Stadt gebe dem ganzen Land Hoffnung, „dass wir eine Regierung schaffen können, die für alle arbeitet, nicht nur für die Reichen und einige wenige“. Mamdani und sein Vorgänger Eric Adams, beide Demokraten, unterscheiden sich grundlegend in ihrer Ausrichtung und Ansprache. Adams, 65 Jahre alt, ist in Queens als Sohn einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, die Putzfrau war. Nach mehr als zwanzig Jahren bei der Polizei ging er in die Politik. Er war erst Senator im Bundesstaat New York und wurde später mit dem Versprechen, die Stadt sicherer zu machen, als moderater Demokrat zum Bürgermeister von New York City gewählt. Eine Anklage wegen Bestechung und Betrugs von 2024 wurde nach Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im vergangenen Frühjahr eingestellt. Doch Adams zog seine Bewerbung um die Wiederwahl im Herbst trotzdem zurück. Mamdani wiederum ist vor allem vielen jungen New Yorkern Symbol eines Neuanfangs. Er ist 34 Jahre alt und als Sohn einer indischen Filmemacherin und eines Anthropologen in Uganda geboren. Er kam mit sieben Jahren nach New York und ist seit 2018 amerikanischer Staatsbürger. Als Abgeordneter im New Yorker Parlament in Albany kannte Mamdani bis vor kurzem fast niemand. Doch mit seinem Versprechen, die Stadt für ihre Bewohner wieder lebenswert und bezahlbar zu machen, gewann er im vergangenen November mit neun Prozentpunkten vor Andrew Cuomo, dem früheren Gouverneur von New York. Mehrere Dekrete zum Wohnungsbau In seiner Antrittsrede sagte Mamdani, er sei als demokratischer Sozialist gewählt worden und werde auch als solcher regieren – ohne „Furcht, radikal genannt zu werden“. Er wiederholte seine Absicht, Reiche und Unternehmen für seine umfassenden Vorhaben höher zu besteuern. Zusätzliche Finanzmittel und Steuererhöhungen für die Stadt müssten jedoch durch die Abgeordneten des Bundesstaates genehmigt werden. Sonst bleibt es Mamdani, die im Haushalt vorgesehenen 116 Milliarden Dollar je nach Prioritäten umzuschichten. Am Donnerstag versprach er, man werde im Rathaus die Tradition des Neinsagens mit der Frage ersetzen, wie man etwas machen könne. Viele in der Welt schauten auf New York und wollten wissen, „ob die Linke regieren kann“. Als erste Amtshandlungen unterzeichnete Mamdani mehrere Dekrete, unter anderem zum Schutz von Mietern und für Wohnungsbau. So soll eine Arbeitsgruppe bis Juli städtische Grundstücke ausmachen, auf denen neue Wohnungen gebaut werden können, und eine andere die Genehmigungsverfahren zum Hausbau untersuchen und vereinfachen. Eine Mietpreisbremse sei nicht alles, sagte Mamdani dazu, man wolle New Yorkern auch schneller zu Wohnraum verhelfen. Die Kulisse für diese Ankündigung war bewusst gewählt: ein Apartmenthaus in Flatbush in Brooklyn, in dem Mieter laut amerikanischen Medien seit Jahren ohne Erfolg auf desaströse Zustände aufmerksam machen. Danach gefragt, was die Stadt für die Mieter tun könne, gab Mamdani jedoch zunächst keine konkrete Antwort. Der Stadt mangele es nicht an Mitteln, sagte der Bürgermeister. Bislang habe es ihr nur an der Absicht gemangelt, zu helfen.