Man denkt ja, über die Mainzer Hofsänger schon alles zu wissen. Und dann stehen da plötzlich zwei große Kartons, gefüllt mit alten Fotos und Zeitungsausschnitten, Werbeprospekten, etlichen Liedertexten und Partituren: der Nachlass von Hans Gebert. Ein Fund, der womöglich irgendwo im Keller oder auf dem Speicher der gleichnamigen Mainzer Weinstube die Jahrzehnte überdauert hat. Und der dem Redaktionsteam um Diether Degreif, Fördervereinsvorsitzender des in der Karnevalshochburg seit 2004 betriebenen Fastnachtsmuseums, jetzt gerade recht kam: Galt es doch, mit einer Ausstellung und einem Buch an die bewegte Geschichte des vor 100 Jahren aus der Taufe gehobenen und bis heute kurz „MHS“ genannten Männerchors zu erinnern. Die Truppe, die sich 1926 am Mainzer Konservatorium als spaßorientierter und fastnachtstauglicher Extra-Chor namens Musik-Hochschul-Sänger gebildet hatte, war unter anderem aus den „Kordelbrüdern“ und dem „Streichholzquartett“ entstanden. Acht Jahre später musste man sich – immerhin unter Beibehaltung der ursprünglichen Initialien – dann allerdings in Mainzer Hofsänger umbenennen. Weil es im seriösen Institut für klassische Musik nicht allen gefiel, was die jungen Leute seinerzeit bei Kneipensitzungen, etwa im einstigen Keglerheim am Fuße der heutigen Saarstraße, so alles auf die Bühne und zu Gehör brachten. Politische Texte nicht immer erwünscht Das ist übrigens so geblieben. Denn die Hofsänger, die sich immer wieder modernisiert haben, gehören weiterhin zu den Fastnachtsakteuren, die das Zeug dazu haben, das Narrenvolk zu spalten. Noch immer gehen bei ihren Auftritten die einen zum Ausspannen mal lieber ins Foyer, derweil andere auf den Tischen und Bänken in der Narrhalla tanzen. Und zweimal, nämlich 1981 und 2008, haben die traditionell im Bajazz-Kostüm mit Bommelmütze auftretenden Stimmwunder sogar die im jährlichen Wechsel vom Südwestrundfunk respektive dem Zweiten Deutschen Fernsehen übertragene Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ boykottiert. Der Grund: Man wollte die Sänger, die längst nicht mehr nur aus der Stadt selbst, sondern aus dem weiten Umland stammen, seinerzeit nur mehr für ein stimmungsvolles Finale haben, aber nicht deren politischen Beiträge hören. Dabei sind die Schlussnummern der TV-Sitzung, die aller Voraussicht nach am 13. Februar kurz vor Mitternacht wieder im Kurfürstlichen Schloss erschallen dürften, tatsächlich unnachahmlich: Dafür sorgen bewährte Gassenhauer wie „So ein Tag“, „Sassa“ und „Ole Fiesta“. Allerdings habe der semiprofessionelle Männerchor, der aktuell 18 Mitglieder zähle und ganzjährig für Konzerte in vielen Ländern unterwegs sei, wohl eher 1000 als 100 Lieder im Repertoire, sagte der musikalische Leiter Andreas Leuck, der selbst schon 20 Jahre dabei ist, am Samstag bei der Eröffnung der Hofsänger-Jubiläumsausstellung im Mainzer Fastnachtsmuseum. Nachgezeichnet wird dort der Werdegang der zurzeit von „MHS-Kapitän“ Vinzent Grimmel geleiteten Gruppe, die sich für ihre Konzerte gerne mal auf Kreuzfahrtschiffe begibt. Besucht werden kann die Ausstellung dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt in die Kellerräume des Proviant-Magazins, Neue Universitätsstraße 2, kostet für Erwachsene vier Euro. Wer die ganze Geschichte des „Mainzer Flaggschiffs“ in aller Ruhe nachlesen möchte, kann dafür in die mehr als 200 Seiten dicke Festschrift „Von Mainz in die Welt: 100 Jahre die Mainzer Hofsänger“ schauen. Das 25 Euro teure, im Oppenheimer Nünnerich-Asmus Verlag erschienene Werk, das im Buchhandel sowie in der Geschäftsstelle des Mainzer Carneval-Vereins zu erwerben ist, bietet außer viel Information selten schöne Bilder und allerlei Extras – als Zugabe zum Beispiel die Noten von „So ein Tag“ und auch ein mittels QR-Code aufzurufendes Hörbeispiel: „Ach wie bald entschwinden frohe Stunden. Und die Tage im Wind verwehn. So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der dürfte nie vergehn.“
