FAZ 18.09.2026
13:33 Uhr

Mahnung für die Zukunft: Streeck blickt vor Untersuchungsausschuss auf Pandemie zurück


Der Virologe Hendrik Streeck hat vor dem Corona-Untersuchungsausschuss in Wiesbaden zu den Empfehlungen für Schulschließungen Stellung genommen. Für künftige Pandemien fordert er klare Strukturen bei Entscheidungen.

Mahnung für die Zukunft: Streeck blickt vor Untersuchungsausschuss auf Pandemie zurück

Der Virologe Hendrik Streeck hat Verständnis dafür geäußert, dass sich Menschen in der Corona-Pandemie ungerecht behandelt gefühlt haben und deswegen wütend waren. Der Wut solle auch Raum gegeben werden, sagte er am Freitag als Sachverständiger im Corona-Untersuchungsausschuss des hessischen Landtags in Wiesbaden. Es stelle sich aber auch die Frage, ob eine Krise mit einem solchen Ausmaß überhaupt ohne Unrecht geschehen könne. Wer in einer solchen Situation Entscheidungen fällen müsse, stehe immer vor einem Dilemma, sagte der Experte. Streeck ist seit guten einem Jahr Bundestagsabgeordneter und Drogenbeauftragter der Bundesregierung. Während der Corona-Pandemie zählte er als Virologe zum Expertenrat der Bundesregierung. Bei seinen Ausführungen vor dem Ausschuss, der erst kürzlich mit den Anhörungen begonnen hat, lenkte er den Blick auf mögliche neue Pandemien. Dafür mahnte er eine gute Koordination von Expertenwissen und Forschung an. Wissenschaftliche Einschätzungen aus unterschiedlichen Fachrichtungen – etwa von Virologie und Psychologie – könnten gegensätzlich, aber trotzdem beide richtig sein, sagte er mit Blick auf die langen und später kritisierten Schulschließungen in der Pandemie. Wichtig seien im Fall der Fälle unter anderem eine breite Expertise, klare Führungs- und Entscheidungsstrukturen, ausreichend Test- und Laborkapazitäten sowie eine Impfstrategie. Den Experten fehlten Informationen aus China Streeck erinnerte daran, dass es zum Beginn der Corona-Pandemie wenig bis keine Informationen dazu aus China gab. Die erste Reaktion des Gesundheitsamtes Frankfurt etwa am Flughafen nannte der Virologe „hochprofessionell“. In einer ersten Welle einer Pandemie müsse man ohne Frage erst mal vorsichtig sein, solange unklar sei, wie gefährlich ein Erreger ist, sagte Streeck. Den Untersuchungsausschuss hatte der hessische Landtag bereits im Juni 2024 auf Betreiben der AfD-Opposition eingesetzt. Nach einem gerichtlichen Streit über die ursprünglich 43 Fragen der AfD zur einstigen Corona-Politik gelten nur noch elf als zulässig. Erst nachdem dies geklärt war, wurde mit der Anhörung von Experten begonnen. Anfang September beantwortete bereits die Frankfurter Rechtswissenschaftlerin Andrea Kießling Fragen der Landtagsabgeordneten, dabei ging es unter anderem um Einschränkungen der Reisefreiheit.