Das letzte Licht der Dämmerung an den Drei Zinnen, eine einsame Skispur kurz vor Mondaufgang am Brennerpass, der Nachthimmel über dem Schwarzsee in den Zillertaler Alpen, in dem sich die Milchstraße spiegelt (unser Bild): Viele der Fotos von Norbert Span wirken träumerisch, mystisch, märchenhaft. Dabei ist ihr Anfang erdenschwer. Gut 30 Kilogramm wiegt Spans Rucksack, wenn der Astrofotograf für seine Aufnahmen in die Bergwelt aufbricht. Erst geht es per E-Bike oder Tourenski nach oben, dann folgen bis zu 1500 Höhenmeter Fußmarsch, bis endlich der perfekte Standpunkt erreicht ist. Da baut der Österreicher dann sein Zelt auf, isst zu Abend, bereitet alles für seine Aufnahmen vor – und wartet auf die Nacht. Der Nachthimmel geht uns verloren Norbert Span ist Wissenschaftler, er hat Meteorologie, Glaziologie und Astronomie studiert und nach der Promotion unter anderem als Forschungsassistent am Institut für Meteorologie und Geophysik an der Universität Innsbruck gearbeitet. Besonders am Herzen aber lagen ihm schon früh die Naturschauspiele am Nachthimmel, für die er auch eisige Winternächte in Kauf nimmt: Dämmerung und Alpenglühen, Sternbilder und Tierkreiszeichen, Mondlicht und Sternschuppen, Planeten und Kometen. Im Band „Sterne über Tirol“ legt er nun seine Ausbeute vor – mit prachtvollen Panoramabildern, die Abend- und Nachthimmel über Gipfeln und Gletschern lebendig werden lassen. Span, ganz der Wissenschaftler, erklärt dazu immer, wo und wie die Aufnahmen entstanden sind, mit allen fotografischen Details, und er gibt auch Tipps für Orte, Wege und Techniken, um eigene fotografische Sternbilder einzufangen. Ein Problem dabei, das immer weitreichender wird, ist die zunehmende Lichtverschmutzung. Auch Dunkelheit ist ein schützenswertes Gut – das führt Span glanzvoll vor Augen. Norbert Span: „Sterne über Tirol“. Tyrolia, 200 S., 45 Euro.
