Wer den nächsten Krieg gewinnen will, muss im Weltraum dabei sein. Für Generalmajor Michael Traut, den Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr, gibt es daran keine Zweifel. Das All sei das, was in den vergangenen Kriegen der Luftraum war. Auf der Space Night anlässlich der Münchener Sicherheitskonferenz zitierte Traut am Freitagabend den britischen Generalfeldmarschall Bernard Montgomery, der im Zweiten Weltkrieg die Panzerarmee von Erwin Rommel in El Alamein besiegt hatte: „Wenn Sie den Luftkrieg verlieren, verlieren Sie den Krieg und das sehr schnell.“ Für Traut hat dieser Satz noch immer Gültigkeit, allerdings müsse der Luft- durch den Weltraum ersetzt werden. Die Widerstandsfähigkeit im Weltraum bezeichnete die Deloitte-Expertin Viviane Hülsmeier als essenziell für die Sicherheit auf der Erde. Inzwischen müssten sich die Menschen auf die Satelliten in jedem Moment verlassen. Sie seien eng mit der kritischen Infrastruktur verbunden. Verwundbare Infrastruktur Ein Ausfall der Satelliten könnte Kosten von einer Milliarde Euro am Tag verursachen. Die Infrastruktur im All wird nach ihrer Aussage immer mehr zur Zielscheibe feindlicher Attacken. Im ersten Halbjahr 2025 seien die Angriffe im All um 118 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Diese Infrastruktur sei verwundbar und müsse daher geschützt werden, forderte Hülsmeier. Es gebe keine 100-prozentig sichere Verteidigung, gab Generalmajor Traut zu bedenken. Deshalb seien auch offensive Waffen nötig, um mögliche Gegner abzuschrecken. Einen nuklearen Krieg im Weltraum hält er für ein Schreckensszenario. Die Folgen wären verheerend. Wer dieses Risiko eingehe, gefährde die künftige Entwicklung und werfe diese um Jahrzehnte zurück. Seiner Ansicht nach kann China, das inzwischen stark vom Weltraum abhängig sei, nicht daran interessiert sein. ESA-Chef will Astronauten auf den Mond schicken In der Raumfahrt könne es Europa mit den Großmächten wie die Vereinigten Staaten, China oder Russland aufnehmen, zeigte sich Josef Aschbacher, Chef der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, überzeugt. Den Mond betrachtet er als das nächste strategische Terrain. Er sei für die Sicherheit und künftige Wettbewerbsfähigkeit von entscheidender Bedeutung. Das wirtschaftliche Potential auf dem Mond schätzte Aschbacher bis zum Jahr 2040 auf 170 Milliarden Euro. Europa müsse Astronauten auf den Mond schicken, wandte sich der ESA-Chef an die Politik und erinnerte daran, dass nun auch Indien ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm verfolge. Europa habe die technischen Möglichkeiten, um Menschen auf den Mond zu schicken, sagte Sabine von der Recke, Vorstandsmitglied des Bremer Raumfahrtunternehmens OHB. Sie hält dafür auch Partnerschaften für eine Möglichkeit und erinnerte dabei an die Raumfahrtambitionen Indiens und Japans: „Die Raumfahrt ist ein Mannschaftsspiel“, sagte sie. „Technisch können wir das“ ESA-Chef Aschbacher forderte mehr politische Entschlossenheit, um die Raumfahrt zu stärken: „Technisch können wir das.“ Europa müsse ein Teil des Spiels sein. Trotz des zunehmenden internationalen Wettbewerbs in der Raumfahrt verwies er auf die zahlreichen internationalen Kooperationen der Raumfahrtbehörde ESA. Als Beispiel nannte er den bevorstehenden Start von Artemis 2, dem geplanten Mondflug in Zusammenarbeit der Weltraumbehörden Europas (ESA), der USA (Nasa) und Kanadas (CSA). Die Raumfahrt sei aus der Nische getreten, stellte Thomas Reiter, Leiter der Abteilung Raumfahrt und Sicherheit im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fest. Der Weltraum sei wichtig für die Sicherheit, das gleiche gelte für den Mond, fügte der ehemalige Raumfahrer und Brigadegeneral der Luftwaffe hinzu. Er hält dies zudem für die Zukunft auf der Erde für unerlässlich. Die Erkenntnisse, die aus menschlichen Leben auf dem Mond gewonnen werden könnten, lieferten einen Beitrag für die Nachhaltigkeit auf der Erde. Auf die Bedeutung von Partnerschaften, insbesondere mit privaten Unternehmen, verwies Generalmajor Traut. „Um als Partner akzeptiert zu werden, muss man etwas bieten können“, sagte er. Die von der New-Space-Initiative des Bundesverbands der Deutschen Industrie zusammen mit der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft war nach Angaben der Veranstalter so gut wie noch nie besucht.
