FAZ 29.01.2026
10:13 Uhr

Lufthansa-Urlaubsflieger: Discover fordert Condor mit neuen Sitzen heraus


Die beiden Fluggesellschaften pflegen eine besondere Rivalität. Nun investiert die Lufthansa-Tochter Discover einen dreistelligen Millionenbetrag – und bringt erstmals Suiten in die Ferienflieger.

Lufthansa-Urlaubsflieger: Discover fordert Condor mit neuen Sitzen heraus

Eine Suite in einem Ferienflieger, der mindestens zur Hälfte mit Pauschalurlaubern besetzt ist – das klingt erstaunlich. Doch die Lufthansa-Tochtergesellschaft Discover Airlines führt genau das für Reisende mit Business-Class-Buchung ein. Und der neue Discover-Chef Ulrich Lindner, seit knapp zwei Monaten im Amt, sieht auch keinen Widerspruch zwischen Urlaubergeschäft und Premiumkurs. Denn höherpreisige Sitze mit mehr Platz und Komfort würden schon seit einiger Zeit auch von Pauschalurlaubskunden der Reiseveranstalter „verstärkt nachgefragt“. Die neue Suite bietet zwar nur Platz für zwei Passagiere. Neue Möbel soll es aber für alle der bis zu 288 Passagiere an Bord aller Airbus-A330-Langstreckenflugzeuge von Discover geben. „Wir investieren einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Komfort, Qualität und das Reiseerlebnis unserer Gäste“, sagt Lindner. Das Ummöblieren der Flugzeuge dürfte aber auch ein Konter auf den Rivalen Condor sein. Der hatte schon 2022 neues Gestühl für seine Fernflieger vorgestellt. Bei Condor war man damals so stolz, dass man intern prahlte, die eigene Business-Class böte mehr Komfort als die von Discover und auch als die der Premium-Kernmarke von Lufthansa. Und in Vielfliegerkreisen kursierte, dass dies sogar stimme – zumindest im Vergleich zur bisherigen in die Jahre gekommenen Lufthansa-Business-Class. Deren Ablösung begann erst 2024 und läuft noch über Jahre. „Klar in der Ferienbranche angekommen“ Zwischen Discover und Condor gibt es eine besondere Rivalität. Einst gehörte Condor zum Lufthansa-Konzern, der wollte dann aber weniger im Ferienflug, sondern mehr im Geschäft mit zahlungskräftigeren Geschäftsreisenden unterwegs sein und trennte sich von Condor. Später verschob sich der Konzernfokus, 2021 gründete Lufthansa die Tochtergesellschaft Discover. Seitdem wird hinter den Kulissen von Condor und Discover wechselseitig gegeneinander gestichelt. Lindner sieht Discover nun „klar in der Ferienbranche angekommen“. Im Jahr flögen mehr als vier Millionen Passagiere mit, mehr als 11.000 am Tag. 2024 sei ein Gewinn in zweistelliger Millionenhöhe eingeflogen worden, detaillierte Zahlen zu Discover legt der Konzern nicht offen, sondern bilanziert sie zusammen mit der Hauptmarke Lufthansa. Auch 2025, für das noch keine Bilanz vorliegt, sei ein „gutes Jahr“ gewesen, so Lindner. „Und die nächsten drei Jahre stehen im Zeichen von Wachstum, Modernisierung und Investitionen.“ Von 30 geht es auf 40 Flugzeuge, darunter 20 statt bislang 14 Langstreckenjets. Dazu kommen die neuen Sitze – mit viel Blau. Am Anfang stand das „Project Ocean“ „Blue Ocean“ nennt man bei Discover das Design. Nichts stehe mehr für Urlaub als der Ozean, heißt es. Das Wort „Ocean“ gehörte auch schon zu Discover, als die Gesellschaft noch gar nicht gegründet war. Der Plan, mit dem neuen Betrieb Condor herauszufordern und niedrigere Personalkosten durchzusetzen, war konzernintern unter dem Namen „Project Ocean“ vorbereitet worden. Die „Blue-Ocean“-Suite wird nur für zwei Reisende je Flieger Platz bieten. Weitere 28 Business-Class-Passagiere bekommen aber Plätze, die sich zum Zwei-Meter-Bett ausfahren lassen, und einen eigenen Fernseher mit 44-Zentimeter-Bilddiagonale, eine ausfahrbare Trennwand sowie die Möglichkeit zum kabellosen Smartphone-Laden haben. Für 31 Premium-Economy-Reisende gibt es Plätze, auf denen der Abstand zum Vordermann nicht geringer wird, wenn der seine Lehne neigt. Und für die 227 Sitze in der Economy-Class, die stets von vielen Reisenden als eng empfunden wird, verspricht Discover zumindest 79 Zentimeter Sitzabstand, was fünf Zentimeter mehr Beinfreiheit im Vergleich zur bisherigen Einrichtung bieten soll. Mit Sitzen hat es Lufthansa nicht immer leicht Lufthansa und neue Sitze – an anderer Stelle im Konzern ist das fast zur Endlosgeschichte geworden. Für die Kernmarke sollte ursprünglich Anfang des Jahrzehnts das Allegris-Konzept umgesetzt werden. Die Corona-Pandemie und allerlei Hürden kamen dazwischen. Für Boeing-787-Flugzeuge fehlt weiterhin eine Zulassung, damit dort auf schon eingebauten Business-Plätzen Reisende sitzen dürfen. Für den Boeing-747-Jumbo wurden wegen Gewichtsproblemen mit den Sitzen späte Umkonstruktionen nötig. Bei Discover soll alles schneller gehen: Der erste umgerüstete A330-Flieger soll im März 2027 bereit stehen, der letzte im Sommer 2028. Mehr Tempo, da diesmal auf vorhandene Sitzkonzepte zurückgegriffen wird – unter anderem auf die lange bearbeiteten Allegris-Modelle. In der Economy- und der Premium-Economy-Class wird das Discover-Gestühl bis auf Polsterfarbe und einzelne Ausstattungsdetails identisch sein. Für die Business-Class wurde auf ein Markt etabliertes Modell zurückgegriffen: Vantage-XL des Herstellers Thompson Aero. Der Schweizer Lufthansa-Ferienflieger Edelweiss nutzt dieses auch. Lernen und Übernehmen von anderen Konzernmarken soll vieles einfacher machen. Einen kleinen Haken hat der Stuhlwechsel allerdings auch für Discover. Und der hat mit vier A350-Flugzeugen zu tun. Diese werden in der Lufthansa-Markenfamilie von 2027 an zu Discover verlagert. Und dieses Quartett ist eine kleine Sondergruppe - nicht identisch mit den übrigen A350 im Konzern. Denn die vier Jets wurden für Philippine Airlines gebaut und eingerichtet. Als die Gesellschaft sie doch nicht abnahm, nutzte Lufthansa 2022 eine günstige Gelegenheit, das Philippine-Gestühl blieb aber drin. Daran wird sich auch bei Discover nichts – außer der Polsterfarbe – ändern. Der in den vier Jets vorhandene Business-Class-Sitz sei die direkte Vorgängerversion des für den Rest der Discover-Flotte gewählten Modells, heißt es.