Zwei Bohrfahrzeuge treiben Metallröhren in den Boden, Lastwagen fahren die aus der Tiefe geholte Erde davon und liefern Kies an, mit dem die Bohrlöcher wieder gefüllt werden: Auf der Baustelle im Frankfurter Osten zwischen der Autobahn 661 und dem Gleisdreieck der U-Bahn kurz vor der Haenischstraße herrscht reger Betrieb. Trotz des Regens, der mit den Schneeresten den Boden in braunen Matsch verwandelt, ist Matthias Achauer „schon ein wenig euphorisch, dass es jetzt losgeht“, wie er sagt. Wo der Riesenbohrer steht, sollen in zwei Jahren die ersten Meter der Tunnelröhre liegen. Seit November ist Achauer als Projektleiter der Autobahn GmbH für den Bau des 2,2 Kilometer langen Lückenschlusses zwischen der Autobahn 66 und der Frankfurter Ostumgehung A 661 zuständig, von dem 1,1 Kilometer im Riederwaldtunnel liegen werden. Auch wenn sich Achauer über den Baubeginn freut: Dass der Tunnel im Jahr 2033 fertig sein wird, wie zuletzt geplant, glaubt er nicht. Bei der Untersuchung des Baugrunds seien Altlasten gefunden worden, die man habe beseitigen müssen. Dann habe eine Verzögerung bei der Finanzierung die Ausschreibung nach hinten verschoben. „Ich sehe keine Möglichkeit, wie wir das aufholen könnten.“ Denn die Arbeiten seien nur zwischen sieben und 20 Uhr möglich, für die Verlegung des Gleisdreiecks gebe es ein festes Zeitfenster, und Auflagen regelten den Umgang mit dem Grundwasser. Einen neuen Fertigstellungstermin für das zuletzt auf 1,5 Milliarden Euro Kosten geschätzte Vorhaben will der Projektleiter erst nennen, wenn er das Vorhaben „auf Herz und Nieren geprüft“ hat. Ende des Jahres werde Klarheit herrschen, vermutet er. Dass sich das Bauende um mehrere Jahre verzögern könnte, schließt er nicht aus. Dennoch ist der 340 Meter lange Bauabschnitt so etwas wie der echte Baubeginn für das seit 60 Jahren diskutierte Projekt, für das 1989 das erste Planfeststellungsverfahren begann. Einen symbolischen ersten Spatenstich gab es schon 2009, begleitet vom Protest des Aktionsbündnisses Unmenschliche Autobahn. Seit dem gültigen Planfeststellungsbeschluss von 2019 hat es eine ganze Reihe von Vorarbeiten gegeben. So wurden drei kurze Abschnitte der Tunneldecke gebaut, um dort sämtliche Leitungen und Kanäle, die zuvor die Trasse gequert hatten, zu bündeln. Mit den jetzt begonnenen Arbeiten wird ein Trog geschaffen, der an das 2021 fertiggestellte Autobahndreieck Erlenbruch anschließt. Auch das Westportal des Riederwaldtunnels und die ersten 100 Meter Tunnel sollen hier bis 2028 gebaut werden. Spundwände gegen das Grundwasser Wegen des Grundwassers sind die Arbeiten aufwendig. Bevor die Baugrube ausgehoben werden kann, wird sie mit Spundwänden wasserdicht eingefasst. Aber selbst das ist wegen der tonhaltigen Erde nicht ohne Weiteres möglich, weil sich die Stahlbohlen kaum in den Boden treiben lassen. Das macht die jetzigen Austauschbohrungen erforderlich, wie Achauer erläutert: Bis in 30 Meter Tiefe werde die Erde im Bohrkern durch Kies ersetzt, in den die Stahlbohlen von Ende Februar an „gedrückt und gerüttelt“ werden könnten, statt sie einzurammen. Trotzdem wird man auch diese Arbeiten hören. Deshalb sind am jetzigen Bauabschnitt bis zu zehn Meter hohe Schallschutzwände errichtet worden, hinter denen die ersten Häuser der Straße Am Erlenbruch liegen. Sie bleiben nur in der Bauzeit stehen. Später wird die Autobahn in sieben Meter Tiefe liegen, wenn sie in den Tunnel führt. Die dauerhaften Lärmschutzwände entlang des Trogs werden sechs Meter hoch sein. Um den Grundwasserstrom nicht dauerhaft zu unterbrechen, wird unter dem Tunnel eine Kiesschicht liegen, durch die das Wasser strömen kann. Die einzelnen Tunnelabschnitte werden in einer offenen Grube gebaut und dann wieder zugeschüttet. In der zweiten Hälfte des Jahres 2027 sollen die Bauarbeiten am anderen, östlichen Ende der Trasse beginnen. Die Bäume auf der wegen des Heldbockkäfer-Vorkommens von der Fällung ausgesparten Fläche blieben bis zu einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs stehen, sagte Achauer. Die Bürgerinitiative für den Erhalt der Grünen Lunge am Günthersburgpark und das Aktionsbündnis Unmenschliche Autobahn haben gegen die Fällung geklagt. Anders als von ihnen gefordert, will die Autobahn GmbH aber im Februar mit vorbereitenden Arbeiten beginnen, indem das Unterholz beseitigt und nach Kampfmitteln gesucht wird. Abgesehen vom Bau des Riederwaldtunnels wird im Frankfurter Osten die A 661 auf volle vier Spuren erweitert, indem auch die Fahrbahn auf der westlichen Seite gebaut wird. Achauer nannte als geplanten Fertigstellungstermin das Jahr 2030. Das wären mehrere Jahre, bevor der von den Frankfurter Stadtverordneten jüngst beschlossene Deckel für die Autobahn gebaut werden kann. Zunächst würden die im Planfeststellungsbeschluss vorgesehenen Lärmschutzwände errichtet, so Achauer. Sie könnten womöglich auch während der Bauzeit der Einhausung als Lärmschutz dienen.
