FAZ 13.02.2026
05:18 Uhr

Liveblog zur Sicherheitskonferenz: US-Außenminister: „Europa ist uns wichtig“


Rubio betont vor Sicherheitskonferenz enge Verbindung zu Europa +++ Konferenz beginnt am Freitag +++ Tausende Polizisten im Einsatz +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog zur Sicherheitskonferenz: US-Außenminister: „Europa ist uns wichtig“

Wadephul: Wollen transatlantisches Band stark haltenAußenminister Johann Wadephul (CDU) betont angesichts der europakritischen Machtpolitik von US-Präsident Donald Trump Deutschlands Eintreten für eine auf Regeln beruhende internationale Ordnung. „In Zeiten globaler Umbrüche und Wiedererstarken von Machtpolitik ist politische Verlässlichkeit und Eintritt für eine stabile internationale Ordnung, die auf Regeln fußt, unser größtes Kapital“, erklärte er vor der am Freitag beginnenden Münchner Sicherheitskonferenz (MSC).Wadephul erklärte zugleich, man wisse um die Unerlässlichkeit der transatlantischen Verortung Deutschlands und habe großes Vertrauen in diese. Er fügte hinzu: „Wir werden alles dafür tun, um das transatlantische Band stark zu halten.“ Zugleich arbeite die Bundesregierung aktiv daran, alte Partnerschaften zu festigen und neue Partner global zu gewinnen. 

Merz wird außenpolitische Grundsatzrede halten Zum Auftakt der 62. Münchner Sicherheitskonferenz hält Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Freitag um 13.45 Uhr eine außenpolitische Grundsatzrede. Bei dem internationalen Treffen stehen in diesem Jahr der Ukraine-Krieg, die Krise der transatlantischen Beziehungen und die europäische Verteidigungsfähigkeit im Fokus. Die Veranstalter rechnen mit über Tausend Teilnehmern aus etwa 120 Staaten, unter ihnen mehr als 60 Staats- und Regierungschefs, rund Hundert Außen- und Verteidigungsminister sowie die Spitzenvertreter von über 40 internationalen Organisationen.

Die NATO ist vorerst gerettetDer Streit um Grönland hätte beinahe die NATO gesprengt. Dass das Militärbündnis den Konflikt für den Moment überstanden hat, ist das Verdienst ihres Generalsekretärs. Ein Kommentar von F.A.Z.-Außenpolitikchef Nikolas Busse:

Wer in München dabei ist20.000 Zugangspässe stellt die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) in diesem Jahr aus. Neben den etwa 1000 Gästen aus Politik, Militär und Wirtschaft und mehr als 1000 Journalisten sorgen mehrere Tausend Personenschützer, Sicherheitskräfte, Mitarbeiter und Servicepersonen für die Organisation des transatlantischen Treffens, sagte MSC-Chef Wolfgang Ischinger am Donnerstag bei einer Veranstaltung der BMW-Stiftung. Ischinger erinnerte an die Anfänge der Konferenz, als sich „70 Männer in einem verrauchten Raum\" getroffen hätten. Er verwies auf die transatlantischen Herausforderungen und Putins Terror gegen die ukrainische Bevölkerung, um die Lage zu beschreiben. Er wolle sein wie der Chef eines Fahrradladens, zu dem man kommen könne, um sein Rad zu reparieren - oder hier eben die transatlantischen Beziehungen.

Amerika und die „NATO 3.0“In der NATO stehen die Zeichen nach Wochen schwerer interner Spannungen auf Deeskalation. Bei einem Verteidigungsministertreffen in Brüssel am Donnerstag zeigte sich die amerikanische Regierung von Präsident Donald Trump zufrieden mit den Bemühungen der Europäer um eine fairere Lastenteilung in Verteidigungsfragen. Zudem wurde der von NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich gestartete Arktis-Einsatz als Zeichen der Entspannung im Grönlandkonflikt gewertet. In diesem hatte Trump zeitweise mit Strafzolldrohungen einen Verkauf der riesigen Arktisinsel an sein Land erzwingen wollen und behauptet, sonst könnten sich Russland oder China die zu Dänemark gehörende Insel einverleiben.Der in Vertretung für US-Verteidigungsminister Pete Hegseth nach Brüssel gereiste Staatssekretär Elbridge Colby sagte bei dem Treffen, seiner Meinung nach habe man nun „eine sehr starke Grundlage, um partnerschaftlich zusammenzuarbeiten“. Er sprach von einer „NATO 3.0“, die auf Partnerschaft statt Abhängigkeit beruhe. Es gehe um eine Rückkehr zu dem, wofür die NATO ursprünglich gedacht gewesen sei, sagte Colby. Dies seien Verteidigung und Abschreckung. Konkret lobte er, dass sich die Europäer im vergangenen Jahr verpflichtet hätten, sich federführend um die konventionelle Verteidigung zu kümmern. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer Neujustierung. Colby wird auch zu der US-Delegation bei der an diesem Freitag beginnenden Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) gehören.

Die Kampfkraft nimmt zuDie Bundeswehr-Brigade in Litauen nimmt erstmals aktive Kampftruppen unter ihr Kommando – und gewinnt damit spürbar an Substanz, nachdem bislang vor allem Stäbe aufgebaut und Infrastruktur geplant wurde. Was der nächste Schritt beim Aufwuchs bedeutet, wie die NATO-Battlegroup eingebunden wird und welches Signal das an die Ostflanke senden soll, erklärt unser Korrespondent Peter Carstens:

Probleme bei der Anreise nach MünchenWer frühzeitig mit dem Flugzeug zur Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) gelangen wollte, könnte heute Schwierigkeiten bekommen: Wegen des Streiks von Piloten und Flugbegleitern der Lufthansa sind am Donnerstag allein in Frankfurt und München mehrere Hundert Flüge ausgefallen. Der Flughafen München sprach am Vormittag von insgesamt 300 annullierten Starts und Landungen. Das ist etwa ein Drittel der insgesamt 920 dort für Donnerstag geplanten Flugbewegungen. Für Freitag, den ersten Tag der Konferenz, erwartete der Flughafen München wieder einen normalen Betrieb. 

Rüstungsunternehmen wollen zusammenarbeitenDie deutschen Rüstungsunternehmen Hensoldt und Helsing haben eine strategische Partnerschaft für eine gemeinsame Weiterentwicklung von Verteidigungstechnologien vereinbart. Das erste gemeinsame Produkt der beiden Unternehmen werde die Zusammenarbeit beim KI-gestützten autonomen Kampfflugzeug CA-1 Europa von Helsing, teilten die Unternehmen vor der Münchner Sicherheitskonferenz mit. Die CA-1 Europa solle künftig mit Sensorik von Hensoldt ausgestattet werden, hieß es. Geplant sei die Integration von Technologien und Sensoren aus den Bereichen Radar, Optronik, Selbstschutz sowie elektromagnetischer Kampfführung. Helsing und Hensoldt arbeiten bereits gemeinsam mit dem norwegischen Konzern Kongsberg zusammen, um bis 2029 eine Satellitenkonstellation für Aufklärung, Überwachung und Zielerfassung für Europa aufzubauen. „Die Zukunft moderner Verteidigungssysteme liegt im intelligenten und vernetzten Zusammenspiel von Sensorik und Künstlicher Intelligenz\", erklärte Oliver Dörre, Vorstandsvorsitzender von Hensoldt. Gundbert Scherf, Mitgründer und Co-CEO von Helsing, bezeichnete CA-1 als „Angebot für eine glaubwürdige europäische Abschreckung\". Er betonte die Bedeutung einer eigenen Rüstungsproduktion für Souveränität und Überlegenheit der Streitkräfte.

Pahlavi fordert von Washington neuen Militärschlag gegen IranKurz vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) hat der iranische Exil-Oppositionelle Reza Pahlavi einen erneuten US-Militärschlag gegen Iran gefordert. Jetzt sei der richtige Moment für einen gezielten Schlag gegen die iranischen Revolutionsgarden, um einen Massenmord zu stoppen und den Iranern eine \"faire Chance\" zu geben, sagte der Sohn des 1979 gestürzten Schahs am Donnerstag dem \"Spiegel\". Pahlavi reist selbst zur MSC nach München, wo für Freitag und Samstag Proteste von Gegnern der Führung in Teheran angekündigt sind.Amerikas Präsident Donald Trump habe \"die Chance, Geschichte zu schreiben, indem er dem iranischen Volk zur Freiheit verhilft\", fügte Pahlavi hinzu. Das iranische Regime sei geschwächt, die Führung verstecke sich in Bunkern und habe dem Volk nichts zu bieten. Ein Militärschlag gegen den iranischen Unterdrückungsapparat sei \"keine äußere Intervention, sondern ein humanitäres Einschreiten\". Die internationale Gemeinschaft solle \"aufhören, das Regime zu stützen, und sich klar auf die Seite des iranischen Volks stellen\", sagte Pahlavi an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der MSC gerichtet. \"Die Freiheitsbewegung in Iran braucht Unterstützung – politisch, wirtschaftlich, notfalls militärisch.\"

Markige Worte in MünchenZur Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) wird die bayerische Landeshauptstadt von Freitag an wieder zur Bühne für die Weltpolitik: Mehr als tausend Teilnehmer, unter ihnen über 60 Staats- und Regierungschefs, beraten drei Tage lang über die weltweiten Krisen und Konflikte. Ein Überblick über markante Konferenz-Momente in den vergangenen Jahrzehnten:

Wissenschaftler warnen Europa vor „Lücke\" bei der nuklearen AbschreckungForscher drängen die europäischen Verbündeten zu schnellen Schritten beim Ausbau der nuklearen Abschreckung. In einem Bericht, der auf der am Freitag beginnenden Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) vorgestellt werden soll, warnen sie vor einer „Lücke\". \"Die Europäer können das Nachdenken über nukleare Abschreckung nicht weiter an die USA auslagern. Die Ära, in der sich Europa nukleare Nachlässigkeit leisten konnte, ist vorbei\", schreiben die Autoren. \"Wie unbequem die Debatte auch sein mag, das neue Sicherheitsumfeld erfordert es, dass europäische Entscheidungsträger die Rolle von Atomwaffen in der Verteidigung direkt und ohne Verzögerung angehen - und die nötigen Ressourcen bereitstellen, um das kompetent zu machen\", heißt es weiter. Die Forscher untersuchen dabei fünf Optionen. Darunter sind neben dem weiteren Vertrauen auf die ameriknaische Abschreckung sowie einer Stärkung der europäischen Atommächte Großbritannien und Frankreich auch drei teils umstrittene Wege: Entwicklung einer gemeinsamen nuklearen Abschreckung in Europa, unabhängige Schritte einzelner Nationen sowie Investitionen in eine Abschreckung nur mit konventionellen Waffen ohne Atomwaffen. 

Linke fordert Merz auf, China stärker einzubindenDer Ko-Vorsitzende der Linken, Jan van Aken, fordert Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf, Chinas Präsident Xi Jinping zu einem Ukraine-Gipfel ⁠einzuladen. „Merz sollte auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) die Initiative ergreifen, den chinesischen Präsidenten Xi Jinping einzuladen, zusammen mit der EU einen Friedensgipfel für die Ukraine zu organisieren\", sagt van Aken der Nachrichtenagentur Reuters in Anspielung auf das geplante Treffen des ‌Kanzlers mit dem chinesischen Außenminister Wang Yi. Um die Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine einen entscheidenden Schritt voranzubringen, müsse man China mit ins Boot holen. „Russland wiederum ist in hohem Maße von China abhängig. Wenn Xi Jinping ‌einlädt, muss Wladimir Putin kommen\", fügt er ‌hinzu. Der Linken-Vorsitzende zeigte sich verwundert, dass er dieses Jahr nicht zur MSC eingeladen wurde. Damit fehle eine ganz bestimmte Perspektive auf der Sicherheitskonferenz. 

Wie Ischinger Europa reformieren willDer Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, fordert Europa vor dem Beginn des Treffens in München zum Handeln auf. „Wir brauchen Fortschritte“, sagte Ischinger kürzlich der F.A.Z. „Sei es mit einem Kerneuropa, dass bei wichtigen Entscheidungen vorangeht, sei es mit Mehrheitsentscheidungen statt Einstimmigkeit in der EU auch bei Fragen der Außenpolitik oder bei dem Aufbau einer europäischen Rüstungsindustrie, die Großbritannien einbezieht oder Norwegen.“ Zwar habe er noch Zweifel, dass das gelinge. „Aber die Zeit, die uns die Ukraine mit ihrem Freiheitskampf gegen Russland verschafft, darf nicht ungenutzt verstreichen.“