FAZ 14.02.2026
16:45 Uhr

Liveblog zur Sicherheitskonferenz: Pistorius wirft Trump vor, der NATO zu schaden


Verteidigungsminister: Drohungen des US-Präsidenten gegen ein NATO-Mitglied inakzeptabel +++ Selenskyj: Kein Kraftwerk, das nicht durch russische Angriffe beschädigt wurde +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog zur Sicherheitskonferenz: Pistorius wirft Trump vor, der NATO zu schaden

Dauerhaftes NATO-Engagement im neuen Arktis-EinsatzDie dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat die NATO-Partner aufgefordert, sich dauerhaft im neuen Arktis-Einsatz zu engagieren. „Nun haben wir Arctic Sentry als Rahmen, aber wir müssen ihn mit Substanz füllen“, sagte Frederiksen auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Sie und Grönlands Ministerpräsident Jens Frederik Nielsen begrüßten erneut den Start der Mission.Der Überwachungseinsatz soll für eine stärkere Präsenz des Bündnisses in der Region sorgen. Deutschland beteiligt sich mit Kampfflugzeugen und Kapazitäten zur Luftbetankung und will bald auch neue Seefernaufklärer vom Typ P-8 Poseidon bereitstellen, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte.Der Nato-Einsatz soll auch den Streit um von US-Präsident Donald Trump formulierte Besitzansprüche auf die Arktisinsel Grönland entschärfen. Sein Vorgehen begründete er mit der Behauptung, dass das zu Dänemark gehörende Territorium sonst nicht vor Russland und China sicher sei.

Dänemark immer noch skeptisch gegenüber TrumpIn einem der letzten Panels an diesem Samstag geht es um die Sicherheit in der Arktis. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen eröffnet die Debatte. Sie freue sich über das große Interesse an dem Thema. Sie betont die Bedeutung des neuen NATO-Einsatzes „Arctic Sentry“. Der Streit um Grönland mit US-Präsident Donald Trump hatte zu großen Differenzen zwischen Washington und den anderen NATO-Partnern geführt.  Es sei aber auch wichtig, sich auf die Interessen Russlands und Chinas in Bezug auf Grönland zu konzentrieren, ergänzte Frederiksen.  Als sie von der amerikanischen Moderatorin gefragt wird, ob sie glaube, dass Trump immer noch Grönland kaufen wolle, antwortet Frederiksen: „Ich glaube leider, dass der Wunsch nach wie vor besteht.“ Sie fügte hinzu: „Ich halte den Druck auf Grönland für inakzeptabel.“ 

Fast vier Jahre dauert Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine schon an. Das spiegelt sich auch auf der Münchner Sicherheitskonferenz wider. Dort spielte Militär lange nur eine untergeordnete Rolle, wie mein Kollege Peter Carstens aufgeschrieben hat. 

Merz trifft NewsomBundeskanzler Friedrich Merz hat am Rande der ​Münchner Sicherheitskonferenz den kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom getroffen. ‌Der 58 Jahre alte Amerikaner ist einer der schärfsten Kritiker von US-Präsident Donald Trump. Er gilt als möglicher Kandidat der US-Demokraten bei ​der nächsten Präsidentenwahl. Der Kanzler habe ⁠ihn aber in seiner Funktion als Gouverneur des großen US-Bundesstaats Kaliforniens getroffen, wurde betont. Newsom hatte ​die Europäer vor einigen Wochen dafür kritisiert, gegenüber Trump keinen Klartext zu reden.

Wadephul an Rubio: Keine weiteren RatschlägeAußenminister Johann Wadephul beurteilt die Rede seines US-Kollegen Marco Rubio in München als „guten Auftakt“ für künftige konstruktive Gespräche - verwahrt sich aber gegen weitere Forderungen. Europa habe sich aus eigenem Antrieb entschlossen, für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Stärke zu sorgen, sagte der CDU-Politiker vor Journalisten am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. „Dazu brauchen wir auch keine weiteren Anregungen von draußen.“ 

Für kleine Gesprächsrunden und bilaterale Treffen sind im Bayerischen Hof ganze Flure mit Suiten reserviert. Während drinnen Minister oder Diplomaten tagen, warten Personenschützer und Mitarbeiter vor den Türen. 

Selenskyj bietet Russen Waffenstillstand an, um Wahlen in Russland zu organisierenDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz nicht nur bekräftigt, zu Wahlen bereit zu sein, sofern Russland einer Waffenruhe zustimmt. Er drehte den Spieß auch einmal um: Die Ukraine könne auch „einen Waffenstillstand für die Russen verkünden, wenn diese in Russland Wahlen abhalten“. 

Ministerpräsident Sánchez warnt vor nuklearem WettrüstenDer spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor einem atomaren Wettrüsten gewarnt. Die Vergangenheit habe gezeigt, wie gefährlich und teuer der Weg der nuklearen Aufrüstung sei, sagte Sánchez. Allerdings scheine die Welt diese Lektionen vergessen zu haben. Mittlerweile würden weltweit mehr als 11 Millionen Dollar pro Stunde in dem Bereich ausgegeben, sagte Sánchez. Er rief dazu auf, die nukleare Aufrüstung zu beenden. Er sagte: „Unterzeichnen Sie einen neuen „New Start“-Vertrag“. Gleichzeitig rief er dazu auf, internationale Institutionen zu stärken und wiederholte seine Forderung nach europäischen Streitkräften. 

Standing Ovations für den Sportler mit dem HelmTeilnehmer der Münchner Sicherheitskonferenz erweisen dem ukrainischen Sportler Wladyslaw Heraskewytsch die Ehre, der bei den Olympischen Spielen als Rennrodler einen Helm tragen wollte, der getötete Sportler seines Landes zeigte. Er wurde dafür disqualifiziert. 

Selenskyj ist nach einem Waffenstillstand bereit für WahlenMit Blick auf die trilateralen Friedensverhandlungen in Genf hat der ukrainische Präsident Selenskyj bei der Münchner Sicherheitskonferenz seine Forderungen nach Sicherheitsgarantien wiederholt. Er sagte, die Ukraine tue alles, um diesen Krieg zu beenden. Es sei aber eine Illusion, zu glauben, dass Gebietsabtretungen echten Frieden bringen könnten. Selenskyj nannte es einen Fehler, dass Europa in Genf nicht mit am Verhandlungstisch sitzt.Mit Blick auf die Forderung der USA nach Wahlen in der Ukraine, sagt Selenskyj, das Land wäre bereit diese zu organisieren, allerdings bräuchte es dafür zunächst einen Waffenstillstand. Er forderte, den Druck auf Russland zu erhöhen. Das Regime höre nur auf Stärke, sagte Selenskyj. „Je stärker wir sind, desto realistischer wird auch die Aussicht auf Frieden.“Nach Angaben Selenskyjs zahlt Russland für seinen langsamen Vormarsch im Donbass einen hohen Preis. Im Dezember seien 35.000 russische Soldaten getötet oder schwer verletzt worden, im Januar 30.000. Pro erobertem Quadratkilometer verliere Russland 156 Soldaten. Sollten die Gefallenenzahlen bei russischen Soldaten auf 50.000 im Monat steigen, sei der Kreml eher zu echten Verhandlungen bereit, zeigte sich Selenskyj überzeugt. 

Lunch mit ukrainischen SoldatenBeim traditionellen Mittagessen der ukrainischen Delegation treffen sich europäische Politiker und Unterstützer der Ukraine, gemeinsam mit Offizieren und Frontsoldaten der ukrainischen Streitkräfte. Das Treffen soll den Zusammenhalt stärken und der Hoffnung Ausdruck verleihen, der russische Angriffskrieg möge endlich enden. Auf der Bühne sitzen die Staats- und Regierungschefs der Tschechischen Republik, Dänemarks, Kroatiens und der Niederlande. Im Publikum sind  dieses Mal zwar wenige Repräsentanten der USA, aber dafür wie stets die Generäle a.D. Ben Hodges und David Petraeus. Hodges, ein früherer Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, hatte als einer von wenigen Fachleuten 2022 vorhergesagt, dass sich die Ukraine hart und auch erfolgreich gegen die russische Invasion zur Wehr setzen würde. Deutschland war seinerzeit stark für seine abwartende Haltung kritisiert worden. Der Optimismus, der zwischenzeitlich die Zusammenkunft der Ukraine-Freunde in München in den vergangenen Jahren begleitet hatte, ist einem erschöpften Durchhaltewillen gewichen.

Selenskyj warnt vor Schattenflotte und IranDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankt am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz den westlichen Verbündeten für ihre Unterstützung. Gleichzeitig forderte er mehr Schnelligkeit bei den Waffenlieferungen: „Manchmal gelingt es uns, neue Raketen für unsere Patriots oder Nasams erst kurz vor einem Angriff und manchmal sogar nur im allerletzten Moment bereitzustellen“, sagte er am Samstag unter Verweis auf zwei von Deutschland und Norwegen gelieferte Luftabwehrsysteme.Er verwies in seiner Rede auf die massiven Schäden an der Energieinfrastruktur seines Landes, die die anhaltenden russischen Angriffe anrichten: „Die meisten Angriffe zielen auf unsere Kraftwerke und andere wichtige Infrastrukturen ab, und es gibt kein einziges Kraftwerk in der Ukraine mehr, das nicht durch die russischen Angriffe beschädigt wurde.“Von der EU forderte er eine härtere Umsetzung der Sanktionen. Noch immer würde russisches Öl über Ost-, und Nordsee verschifft werden. „Jeder Tanker ist eine schwimmende Kugel für Russland“, sagte Selenskyj. Sie müssten gestoppt und das Öl konfisziert werden. Ohne die Einnahmen aus dem Handel mit Öl und Gas könnte Russland den Krieg nicht finanzieren.Scharf kritisierte er auch das iranische Regime, das Russland wichtige Waffen für den Krieg in der Ukraine liefert. Er sagte, die Menschen in Iran erwarten von der Welt, was die Ukraine am Tag des russischen Einmarschs erwartet hatte – Einheit, Entschlossenheit und Geschwindigkeit. Gegenüber Iran dürfe man, genau wie Russland, nicht zögerlich sein: „Wenn sie mehr Zeit haben, dann töten sie nur noch mehr“, sagte Selenskyj. 

Mahnen mit ZahlenDer ukrainische Staatspräsident Selenskyj präsentiert bei der Münchner Sicherheitskonferenz Zahlen zu den massiven russischen Angriffen auf die Infrastruktur seines Landes. Allein im Januar hat Russland demnach die Ukraine mit mehr als 6000 Kampfdrohnen, 157 Raketen und 5500 Gleitbomben angegriffen.

Starmer sendet ein Zeichen der Normalität Der britische Premierminister Keir Starmer mahnt auf der Münchner Sicherheitskonferenz die versammelten Europäer: „Wir müssen mehr Hardware aufbauen, kühn und selbstbewusst bereit sein, auch zu kämpfen.“ Zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum sagt Starmer, es gebe keine europäische Sicherheit ohne Großbritannien, das habe die Geschichte gezeigt, und das sei heute auch Realität. Gemeinsam mit EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen stellt er sich nach seiner Rede den Fragen der CNN-Moderation Christiane  Amanpour. Starmer, dessen eigene Marine in einem insgesamt schwierigen Zustand ist, kündigt an, die britische Flugzeugträgergruppe mit der HMS Prince of Wales zu Manövern mit Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika in den Nordatlantik zu verlegen. Das findet den Beifall des Auditoriums: ein Zeichen der transatlantischen Normalität nach den schweren Konflikten um Grönland.