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15.02.2026
09:28 Uhr
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EU-Außenbeauftragte fordert Reformen bei Verteidigung +++ Chinas Außenminister umwirbt Merz +++ Pistorius wirft Trump vor, der NATO zu schaden +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Die finnische Präsident Alexander Stubb sieht nach dem Wochenende der Münchner Sicherheitskonferenz Fortschritte bei den transatlantischen Beziehungen. „Ich denke, wir waren dieses Wochenende recht pragmatisch“, sagte Stubb der F.A.Z. in München. „Wir haben die Temperatur gesenkt, die nach Davos und Grönland ziemlich hoch war. Jetzt geht es darum, wie wir die Dinge vorantreiben.“ Er ziehe zwei Schlussfolgerungen aus München: „Das eine war die praktische Neugestaltung der transatlantischen Partnerschaft, das andere waren eindringliche Reden europäischer Staats- und Regierungschefs zur europäischen Sicherheit.“ Stubb lobte auch die Rede des Bundeskanzlers Friedrich Merz ausdrücklich und begrüßte den darin deutlich gewordenen Anspruch Deutschlands, mehr Führung übernehmen zu wollen: „Es war eine Rede der deutschen Führung, wie wir sie seit vielen Jahren nicht mehr aus Deutschland gehört haben.“ Stubb fügte an: „Ich habe kein Problem mit der deutschen Führung, ganz im Gegenteil, ich möchte eine deutsche Führung.“ Stubb gehört zu den europäischen Staats- und Regierungschefs, die ein besseres Verhältnis zu Washington und dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump pflegen. Mit Blick auf die Rede des amerikanischen Außenministers Marco Rubio in München verwies Stubb darauf, dass die Nationale Sicherheitsstrategie der Amerikaner das entscheidende Dokument sei, auf das man blicken sollte. Es sei aber schon ein Unterschied, dass der Tonfall der Rubio-Rede und die Weise, wie er sie vorgetragen habe, viel ruhiger gewesen sei, als jene des amerikanischen Vizepräsidenten JD Vance im vergangenen Jahr. „Ich finde, der Tonfall war viel diplomatischer, und in diesem Sinne ist die Situation jetzt unter Kontrolle.“
Grünen-Chefin Brantner kritisiert Rubios RedeDie Grünen-Ko-Vorsitzende Franziska Brantner hat sich mit Blick auf die transatlantischen Beziehungen sehr skeptisch geäußert. „Für Erleichterung sehe ich nach der Rede von Rubio keinen Grund“, sagte sie der F.A.Z. auf der Münchner Sicherheitskonferenz. „Der Ton war freundlicher, der Inhalt erschreckend.“ Brantner führte zu der Rede des amerikanischen Außenministers aus, dass man das meiste davon schon aus den USA gehört habe. „Aber dass Rubio so grundsätzlich gegen den Freihandel wettert, ist bemerkenswert“, sagte Brantner. „Ich kann mich noch erinnern, wie hier in München die alte Garde der Republikaner uns ständig den Freihandel gepriesen hat. Die Trump-Regierung findet den jetzt aber auch böse.“Mit Blick auf die Eröffnungsrede des Kanzlers Friedrich Merz am Freitag auf der Münchner Sicherheitskonferenz sagte Brantner: „Worte sind das eine, aber es fehlen die Handlungen, die dazu passen.“ Merz hatte sich dafür ausgesprochen, dass Europa selbständiger werden und mehr in die eigene Verteidigung investieren müsse. „Merz hilft der Ukraine nicht ausreichend, Merz lässt das deutsch-französische Kampfflugzeugprojekt FCAS scheitern, das sieht alles nicht nach mehr europäischer Souveränität aus“, sagte hingegen Brantner der F.A.Z.
Ukraine erhält Ewald-von-Kleist-Preis für ihren WiderstandFür ihren anhaltenden Widerstand gegen die russischen Invasionstruppen sind die Ukrainer mit dem Ewald-von-Kleist-Preis der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) geehrt worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nahm den Preis am Samstagabend stellvertretend für die ukrainische Bevölkerung entgegen. Gastgeber der Zeremonie in München war Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).Die Ukrainer kämpften seit Jahren „für ihre Freiheit, Unabhängigkeit und Würde“ und würden für ihren „Mut und ihre Widerstandskraft“ geehrt, hatte im Vorfeld der MSC-Vorsitzende Wolfgang Ischinger zur Begründung der Preisverleihung erklärt.
Chinas Außenminister zu Merz: Beziehungen zwischen Peking und Berlin auf „neue Ebene“ hebenChinas Außenminister Wang Yi hat bei einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz für einen Ausbau der bilateralen Beziehungen geworben. China wolle die „umfassende strategische Partnerschaft“ zwischen beiden Ländern auf eine „neue Ebene“ heben, sagte Wang nach Angaben seines Ministeriums bei dem Treffen mit Merz am Samstag.Deutschland sei auch eine „treibende Kraft“ für eine Zusammenarbeit zwischen China und der Europäischen Union, sagte der Außenminister demnach weiter. „China erwartet auch, dass Deutschland (...) ein stabilisierender Anker für strategische Beziehungen wird.“Merz wird Ende Februar laut Medienberichten erstmals als Bundeskanzler nach China reisen. Seine erste Asien-Reise seit seinem Amtsantritt hatte Merz nicht nach China, sondern im Januar nach Indien geführt.
Dauerhaftes NATO-Engagement im neuen Arktis-EinsatzDie dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat die NATO-Partner aufgefordert, sich dauerhaft im neuen Arktis-Einsatz zu engagieren. „Nun haben wir Arctic Sentry als Rahmen, aber wir müssen ihn mit Substanz füllen“, sagte Frederiksen auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Sie und Grönlands Ministerpräsident Jens Frederik Nielsen begrüßten wiederholt den Start der Mission.Der Überwachungseinsatz soll für eine stärkere Präsenz des Bündnisses in der Region sorgen. Deutschland beteiligt sich mit Kampfflugzeugen und Kapazitäten zur Luftbetankung und will bald auch neue Seefernaufklärer vom Typ P-8 Poseidon bereitstellen, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte.Der NATO-Einsatz soll auch den Streit um von US-Präsident Donald Trump formulierte Besitzansprüche auf die Arktisinsel Grönland entschärfen. Sein Vorgehen begründete er mit der Behauptung, dass das zu Dänemark gehörende Territorium sonst nicht vor Russland und China sicher sei.
Dänemark immer noch skeptisch gegenüber TrumpIn einem der letzten Panels an diesem Samstag geht es um die Sicherheit in der Arktis. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen eröffnet die Debatte. Sie freue sich über das große Interesse an dem Thema. Sie betont die Bedeutung des neuen NATO-Einsatzes „Arctic Sentry“. Der Streit um Grönland mit US-Präsident Donald Trump hatte zu großen Differenzen zwischen Washington und den anderen NATO-Partnern geführt. Es sei aber auch wichtig, sich auf die Interessen Russlands und Chinas in Bezug auf Grönland zu konzentrieren, ergänzte Frederiksen. Als sie von der amerikanischen Moderatorin gefragt wird, ob sie glaube, dass Trump immer noch Grönland kaufen wolle, antwortet Frederiksen: „Ich glaube leider, dass der Wunsch nach wie vor besteht.“ Sie fügte hinzu: „Ich halte den Druck auf Grönland für inakzeptabel.“
Fast vier Jahre dauert Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine schon an. Das spiegelt sich auch auf der Münchner Sicherheitskonferenz wider. Dort spielte Militär lange nur eine untergeordnete Rolle, wie mein Kollege Peter Carstens aufgeschrieben hat.
Merz trifft NewsomBundeskanzler Friedrich Merz hat am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz den kalifornischen Gouverneur Gavin Newsom getroffen. Der 58 Jahre alte Amerikaner ist einer der schärfsten Kritiker von US-Präsident Donald Trump. Er gilt als möglicher Kandidat der US-Demokraten bei der nächsten Präsidentenwahl. Der Kanzler habe ihn aber in seiner Funktion als Gouverneur des großen US-Bundesstaats Kaliforniens getroffen, wurde betont. Newsom hatte die Europäer vor einigen Wochen dafür kritisiert, gegenüber Trump keinen Klartext zu reden.
Wadephul an Rubio: Keine weiteren RatschlägeAußenminister Johann Wadephul beurteilt die Rede seines US-Kollegen Marco Rubio in München als „guten Auftakt“ für künftige konstruktive Gespräche - verwahrt sich aber gegen weitere Forderungen. Europa habe sich aus eigenem Antrieb entschlossen, für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Stärke zu sorgen, sagte der CDU-Politiker vor Journalisten am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. „Dazu brauchen wir auch keine weiteren Anregungen von draußen.“
Für kleine Gesprächsrunden und bilaterale Treffen sind im Bayerischen Hof ganze Flure mit Suiten reserviert. Während drinnen Minister oder Diplomaten tagen, warten Personenschützer und Mitarbeiter vor den Türen.
Pistorius: Unterstützung der Ukraine wird nicht nachlassenVerteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) warnt in München: „Die Freiheit ist unter Beschuss.“ Dann geht Pistorius auf die neuen Realitäten in der NATO ein. Es hätte nicht zur Norm werden sollen, dass die Vereinigten Staaten Europas Sicherheit gewährleisten. Nun gibt es eine „klare und faire Verteilung von Verantwortung“. In der neuen NATO übernehme Europa die Führungsrolle, aber die USA müssten weiter nuklearen Rückhalt geben. „Die NATO wird europäischer, bleibt aber transatlantisch zugleich.“An die USA gerichtet, sagte Pistorius, man brauche Verbündete und die Amerikaner hätten mehr als 30 davon. „Das macht sie stärker als andere Supermächte – und stärker als ihre Gegner.“ Deshalb kritisierte er auch die Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen Grönland. \"Die territoriale Integrität und Souveränität eines NATO-Mitgliedstaates in Frage stellen, europäische Verbündete von Verhandlungen ausschließen, die für die Sicherheit auf dem Kontinent von entscheidender Bedeutung sind: All dies schadet unserem Bündnis und stärkt unsere Gegner.\"Pistorius reagierte auch direkt auf die Rede von US-Außenminister Marco Rubio am Morgen. Es stimme zwar, dass die bestehenden internationalen Organisationen nicht immer besonders erfolgreich im Lösen von Krisen gewesen seien. Aber die Lösung könne nicht sein, dass ein Land einen Alleingang hinlegt. „Internationale Organisationen gewährleisten Frieden und Sicherheit“, sagte der Verteidigungsminister.
Selenskyj bietet Russen Waffenstillstand an, um Wahlen in Russland zu organisierenDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz nicht nur bekräftigt, zu Wahlen bereit zu sein, sofern Russland einer Waffenruhe zustimmt. Er drehte den Spieß auch einmal um: Die Ukraine könne auch „einen Waffenstillstand für die Russen verkünden, wenn diese in Russland Wahlen abhalten“.
Ministerpräsident Sánchez warnt vor nuklearem WettrüstenDer spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz vor einem atomaren Wettrüsten gewarnt. Die Vergangenheit habe gezeigt, wie gefährlich und teuer der Weg der nuklearen Aufrüstung sei, sagte Sánchez. Allerdings scheine die Welt diese Lektionen vergessen zu haben. Mittlerweile würden weltweit mehr als 11 Millionen Dollar pro Stunde in dem Bereich ausgegeben, sagte Sánchez. Er rief dazu auf, die nukleare Aufrüstung zu beenden. Er sagte: „Unterzeichnen Sie einen neuen „New Start“-Vertrag“. Gleichzeitig rief er dazu auf, internationale Institutionen zu stärken und wiederholte seine Forderung nach europäischen Streitkräften.
Standing Ovations für den Sportler mit dem HelmTeilnehmer der Münchner Sicherheitskonferenz erweisen dem ukrainischen Sportler Wladyslaw Heraskewytsch die Ehre, der bei den Olympischen Spielen als Rennrodler einen Helm tragen wollte, der getötete Sportler seines Landes zeigte. Er wurde dafür disqualifiziert.