FAZ 18.05.2026
18:18 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Merkel rät Europa zu diplomatischem Kontakt mit Russland


Merkel: Reicht nicht, wenn nur die USA den Kontakt zu Russland halten +++ Ukraine meldet russische Angriffe auf Odessa und Dnipro +++ Behördenangaben zufolge wurden mindestens zwölf Menschen verletzt +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Merkel rät Europa zu diplomatischem Kontakt mit Russland

Russland: Drohne auf dem Weg nach Moskau abgefangenRussland hat nach Angaben des ​Moskauer Bürgermeisters ⁠Sergej Sobjanin eine Drohne auf dem ​Weg in ⁠die Hauptstadt abgefangen. Rettungskräfte ‌seien in dem ⁠Gebiet im Einsatz, in ⁠dem das ⁠Fluggerät ​abgestürzt ⁠sei, teilt ​Sobjanin über den Kurznachrichtendienst ‌Telegram mit.

Merz: Führen mit Nachdruck Gespräche über FriedenslösungDie Europäer führen nach den Worten von Bundeskanzler ​Friedrich Merz derzeit Gespräche über eine Friedenslösung für die Ukraine. „Wir ⁠sind mit unseren europäischen Partnern seit langer Zeit in einem intensiven Dialog über unsere gemeinsamen Wege hin zu einer Friedenslösung“, sagte Merz ‌in Berlin nach einem Treffen mit dem neuen bulgarischen Ministerpräsidenten Rumen Radew. Diese Gespräche würden auch in diesen Tagen mit Nachdruck geführt, ‌fügte er hinzu. Dafür will Merz nach eigenen Angaben auch US-Präsident Donald Trump gewinnen. Er habe bei seinem Telefonat mit Trump in der vergangenen Woche verabredet, den Austausch spätestens beim ​G7-Treffen in wenigen Wochen im ⁠französischen Evian fortzusetzen, so Merz.Zur Frage nach einem Vermittler, etwa der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel, äußerte sich Merz nicht ​direkt. Russland müsse zu Verhandlungen bereit sein, dann könne man einen Vermittler bestimmen. Als ⁠Erstes müssten aber ‌die Kämpfe eingestellt werden, forderte der Bundeskanzler. Bislang habe Russland auf jedes Verhandlungsangebot mit noch heftigeren Angriffen reagiert.

Russland warnt vor Eskalation am AKW Saporischschja Die Lage rund um das von Moskau besetzte und kontrollierte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja spitzt sich aus russischer Sicht bedrohlich zu. „Wir nähern uns immer mehr einem Punkt, ab dem es kein Zurück mehr gibt“, sagte Alexej Lichatschow, Leiter des Moskauer Atomkonzerns Rosatom. Der Konzern hatte das von russischen Truppen besetzte AKW unmittelbar nach Beginn der Invasion vor über vier Jahren unter seine Kontrolle gebracht. In der vergangenen Zeit häuften sich mutmaßlich ukrainische Artillerie- und Drohnenangriffe auf das Kraftwerksgelände.Lichatschow sagte, dass „dieses Spiel mit dem Feuer“ vor allem für Osteuropa gefährlich werden könne. Daher sollte sich Europa bemühen, die Lage rund um das AKW zu deeskalieren. Lichatschow gab an, dass sich auf dem Gelände des Kraftwerks rund 2600 Tonnen nukleares Brennmaterial befinde. „Und natürlich entstehen im Falle eines gezielten Treffers, insbesondere in Lagern für Kernbrennstoff, Risiken von regionaler Tragweite“, sagte er.Das mit sechs Reaktoren und einer Nennleistung von 6000 Megawatt größte Atomkraftwerk Europas steht seit März 2022 unter russischer Kontrolle.

Litauen: Abgestürzte Drohne war mit Sprengstoff bestücktEine in Nordosten Litauens abgestürzte Drohne war mit Sprengstoff bestückt. Dies teilten die Behörden des baltischen EU- und NATO-Landes mit. Das unbemannte Flugobjekt wurde litauischen Medienberichten zufolge vor Ort von Spezialkräften an der Fundstelle in einem Feld im Bezirk Utena entschärft. Die abgestürzte Drohne war am Sonntag von Anwohnern gemeldet worden. Verletzte oder größere Schäden gab es nicht. Wann und wie der Flugkörper in den litauischen Luftraum eingeflogen ist und abstürzte, ist weiterhin unklar. Auch zu Herkunft und Art des Flugkörpers gab es zunächst keine näheren Angaben. Die Behörden vermuteten, dass es sich um eine ukrainische Drohne handelt. Utena liegt im Nordosten Litauens nahe der Grenze zu Lettland und Russlands Verbündeten Belarus. 

Mutmaßlich ukrainische Drohne in Litauen abgestürztIn Litauen ist nach Behördenangaben eine vermutlich ukrainische Drohne abgestürzt. Das Flugobjekt sei nahe der ostlitauischen Stadt Utena zu Boden gegangen und nicht explodiert, teilten die Behörden am Sonntag mit. Verletzt wurde demnach niemand.Der Leiter des litauischen Krisenzentrums, Vilmantas Vitkauskas, sagte vor Journalisten, die Drohne sei „sehr wahrscheinlich“ ukrainisch gewesen. Weitere Angaben zu dem Vorfall wurden zunächst nicht gemacht.

Ukraine: Verletzte bei russischen Angriffen auf Odessa und DniproRussland hat die massiven ukrainischen Drohnenattacken auf Moskau in der Nacht mit Gegenangriffen beantwortet. Bei Drohnen- und Raketenangriffen auf Regionen im Zentrum und Süden der Ukraine wurden Behördenangaben zufolge mindestens zwölf Menschen verletzt. In der Hafenstadt Odessa trafen Drohnen demnach ein Wohngebäude und verletzten einen elfjährigen Jungen sowie einen 59-jährigen Mann. In der Stadt Dnipro wurden den Angaben zufolge mindestens neun Menschen verletzt, darunter ein Kind. Von unabhängiger Seite sind diese Angaben nicht überprüfbar.Beim Angriff auf Odessa am Schwarzen Meer beschädigten Drohnen außerdem einen Hörsaal einer Hochschule sowie einen Kindergarten, wie der Leiter der örtlichen Militärverwaltung, Serhij Lyssak, auf der Plattform Telegram schrieb. In der südostukrainischen Industriestadt Dnipro geriet durch den Angriff das Dach eines 24-stöckigen Hochhauses in Brand, wie der Chef der Militärverwaltung der Region Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, auf Telegram mitteilte. Zudem sei ein Lager getroffen worden und in Brand geraten, in dem Pyrotechnik gelagert worden sei. Aus der ganzen Stadt seien weitere Brände gemeldet worden. Das genaue Ausmaß der Schäden war zunächst unklar. 

Angriff bei besetztem AKW Saporischschja gemeldet Eine Fahrzeughalle des von Russland besetzten ukrainischen Kernkraftwerks Saporischschja ist nach russischer Darstellung von ukrainischer Artillerie getroffen worden. Das Gebäude sowie einige darin abgestellte Busse seien dabei beschädigt worden, Verletzte habe es nicht gegeben, teilte die Verwaltung des Kraftwerks mit. Zudem sei eine ukrainische Drohne beim Anflug auf das Kraftwerk von der Flugabwehr zerstört worden. Das mit sechs Reaktoren und einer Nennleistung von 6000 Megawatt größte Atomkraftwerk Europas steht seit März 2022 unter russischer Kontrolle. Es produziert derzeit keinen Strom. Mehrere ukrainische Rückeroberungsversuche scheiterten. Ein Team der internationalen Atombehörde IAEA ist ständig vor Ort, um die Lage zu beobachten und durch seine Präsenz einen Atomunfall zu verhindern. 

Selenskyj bestätigt ukrainischen Drohnenangriff auf Oblast Moskau Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Gegenschläge mit Drohnen gegen Moskau und die Hauptstadtregion als „völlig gerechtfertigt“ bezeichnet. Es handele sich um die Reaktion des Landes auf den andauernden russischen Angriffskrieg, teilte der Staatschef bei Telegram mit. Er veröffentlichte auch ein Video mit einer großen Rauchwolke in der Ferne – als angeblichen Beweis für die folgenreichen Angriffe nahe Moskau. „Die Konzentration der russischen Luftabwehr in der Region Moskau ist am größten. Aber wir überwinden sie“, sagte Selenskyj. Die ukrainischen weitreichenden Drohnen hätten Ziele in 500 Kilometer Entfernung von der Staatsgrenze der Ukraine erreicht. „Wir sagen den Russen ganz klar: Ihr Staat muss diesen Krieg beenden“, sagte er weiter. „Die ukrainischen Hersteller von Drohnen und Raketen setzen ihre Arbeit fort.“ 

Russland meldet großen ukrainischen AngriffDie russischen Streitkräfte haben in der Nacht nach Angaben des Verteidigungsministeriums im ganzen Land insgesamt 556 ukrainische Drohnen abgewehrt. Das berichtete Russlands staatliche Nachrichtenagentur Tass. Die Angaben aus Moskau konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Zuvor hatten russische Behördenvertreter im Raum Moskau und auf der besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim von Drohnenangriffen berichtet. Sollten die russischen Angaben zur Zahl der abgeschossenen Drohnen zutreffen, würden sie auf einen großen Angriff der Ukraine hindeuten. Das Verteidigungsministerium in Moskau veröffentlichte keine Informationen dazu, wie viele Drohnen nicht rechtzeitig abgefangen werden konnten. Bei ukrainischen Angriffen auf die Region Moskau seien mindestens drei Menschen ums Leben gekommen, schrieb der Gouverneur des Moskauer Gebiets, Andrej Worobjow, auf Telegram. Mehrere Häuser und Wohnungen seien beschädigt worden und in Brand geraten. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte auf Telegram mit, in der Hauptstadt seien mindestens zwölf Menschen verletzt worden, vor allem Arbeiter in der Nähe einer Ölraffinerie. Mehrere Häuser seien beschädigt worden. Auf den Hauptstadt-Flughäfen gab es zeitweilig keine Starts und Landungen wegen der Drohnengefahr. Schäden wurden auch aus der russisch besetzten Marinestadt Sewastopol auf der Krim gemeldet. 

Selenskyj: Moskau bekommt immer noch westliche Elektronik  Nach schweren russischen Raketenangriffen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Einhaltung der Techniksanktionen gegen Moskau gefordert. „Bei dem Angriff auf Kiew in dieser Woche haben die Russen Raketen eingesetzt, die in diesem Jahr hergestellt wurden“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft aus Kiew. „Ohne Komponenten von Unternehmen aus Europa, Japan und den Vereinigten Staaten hätten die Russen diese Raketen einfach nicht herstellen können.“ Gleiches gelte für andere Waffen der russischen Armee bei ihren Angriffen auf ukrainische Städte. „Russlands Verbindungen zur Welt, die dem Krieg dienen, sind eine direkte Bedrohung für das Leben“, sagte der ukrainische Präsident.Wegen der militärischen Nutzung ist der Export von Elektronikbauteilen nach Russland verboten, solche Teile werden aber oft über Drittstaaten geschickt. 

Russische Truppen nehmen zwei ukrainische Dörfer einDie russischen Truppen haben nach Angaben ​des Verteidigungsministeriums in ⁠Moskau zwei Dörfer in der ukrainischen Region Charkiw ​unter ihre Kontrolle ⁠gebracht. Es handele sich ‌um die Ortschaften Borowa und Kutkiwka, meldete ⁠die staatliche Nachrichtenagentur RIA ⁠unter Berufung auf das Ministerium.

Kiew erhält mehr als 500 sterbliche Überreste von Gefallenen zurückDie Ukraine hat nach Angaben aus Kiew abermals Hunderte Soldatenleichen von Russland zurückerhalten. Die sterblichen Überreste von 528 Gefallenen, bei denen es sich nach Angaben der russischen Seite um ukrainische Soldaten handeln könnte, seien Kiew übergeben worden, teilte der ukrainische Stab für Kriegsgefangenenbelange mit. Vermittelt habe das Internationale Komitee vom Roten Kreuz.Von russischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung. Allerdings hatte die staatliche Nachrichtenagentur Tass am Vortag gemeldet, dass auch Soldatenleichen ausgetauscht werden sollen. Moskau gebe 526 tote ukrainische Soldaten zurück und bekomme 41 russische Leichen, hieß es unter Berufung auf Quellen. Die Zahl toter Ukrainer ist bei solchen Austauschen in den vergangenen Jahren immer deutlich höher gewesen. Als Grund gilt, dass die russische Armee ständig vorgerückt ist und die abziehende ukrainische Armee ihre Toten oft nicht bergen konnte.Am Vortag hatte ein großer Gefangenenaustausch zwischen Moskau und Kiew begonnen. Der Austausch von insgesamt 1000 Kriegsgefangenen war Teil der Vereinbarung über eine Waffenruhe vom 9. bis 11. Mai, die US-Präsident Donald Trump vermittelt hatte. Die Waffenruhe schützte vor allem die Militärparade zum russischen Weltkriegsgedenken am 9. Mai.

Kreml: Putin reist am Dienstag nach ChinaRusslands Machthaber Wladimir Putin reist am Dienstag zu einem zweitägigen Besuch nach China. Der russische Staatschef werde mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping erörtern, wie die „umfassende Partnerschaft und strategische Zusammenarbeit“ zwischen Moskau und Peking „weiter gestärkt“ werden könne, erklärte der Kreml am Samstag. Putins Reise erfolgt wenige Tage nach einem Staatsbesuch des amerikanischen Präsidenten Donald Trump in China.

Neun Verletzte in Belgorod nach ukrainischem DrohnenangriffNeun Menschen sind im westrussischen Belgorod nach Behördenangaben durch den Einschlag einer ukrainischen Drohne in einem Wohnhaus verletzt worden. Unter den Verletzten sei auch ein dreijähriges Mädchen, teilte der Krisenstab der Region bei Telegram mit. Den vom Stab veröffentlichten Bildern zufolge wurde ein zehnstöckiger Wohnblock getroffen, die Fassade und etliche Balkons beschädigt.