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25.01.2026
05:50 Uhr
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Liveticker zur US-Politik unter Donald Trump aktuell: Aktuelle News & Nachrichten von heute ► Jetzt lesen im Liveticker der FAZ

Die Eltern des bei einem Einsatz von Bundesbeamten der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis erschossenen Mannes werfen den Einsatzkräften vor, ihren Sohn ohne legitimen Grund erschossen zu haben. Die Regierung, die die Schüsse eines Beamten als Notwehr bezeichnet hatte, lüge, heißt es in einer Stellungnahme der Familie von Alex Pretti, die von mehreren US-Medien veröffentlicht wurde. Anders als behauptet habe der 37-jährige Krankenpfleger keine Bedrohung für die Beamten dargestellt, als er von den Einsatzkräften attackiert wurde.„Die abscheulichen Lügen, die die Regierung über unseren Sohn verbreitet, sind verwerflich und widerwärtig“, heißt es in der Stellungnahme weiter. „Alex hält eindeutig keine Waffe in der Hand, als er von Trumps mordenden und feigen ICE-Gangstern angegriffen wird.“ Er habe lediglich versucht, eine von einem ICE-Beamten zu Boden gebrachte Frau zu schützen und sei mit Pfefferspray besprüht worden, bevor die Schüsse fielen. Die Wahrheit müsse ans Licht gebracht werden.
Die Demokraten im Senat drohen angesichts des Vorgehens der ICE-Beamten in amerikanischen Städten damit, einen teilweisen Regierungsstillstand herbeizuführen. Minderheitsführer Chuck Schumer schrieb nach den tödlichen Schüssen in Minneapolis in einem Beitrag auf X, die Demokraten im Senat würden nicht für ein Ausgabengesetz stimmen, in dem die Mittel für das Heimatschutzministerium enthalten seien. Was in Minnesota passiere, sei erschreckend. Um den Gesetzentwurf zu verabschieden, der unter anderem auch die Finanzierung für das Gesundheits- und Arbeitsministerium enthält, sind 60 Stimmen nötig. Die Republikaner haben jedoch nur eine Mehrheit von 53 Stimmen. Die Finanzierung für ICE hatte in der vergangenen Woche mit einem Kompromiss das Repräsentantenhaus passiert. Die Demokraten hatten auf bedeutende Leitplanken für das Vorgehen von ICE und der Grenzschutzbehörde gedrungen, sich schließlich jedoch unter anderem mit der Finanzierung von Bodycams und zusätzlichen Schulungen zufriedengegeben. Mehrere der Senatoren, die Ende vergangenen Jahres mit den Republikanern für ein Ende des Regierungsstillstands gestimmt hatten, haben nun jedoch im Gleichschritt mit Schumer angekündigt, nicht für den Gesetzentwurf zu stimmen, solange er die Finanzierung für das DHS enthält. Ist bis zum Freitag kein Kompromiss gefunden, kommt es wieder zu einem partiellen Shutdown.
Der republikanische Vorsitzende des Ausschusses für innere Sicherheit im Repräsentantenhaus, Andrew Garbarino, hat die Leiter der Einwanderungsbehörden ICE und USCIC sowie der Grenzschutzbehörde zu Aussagen im Kongress vorgeladen. In dem Schreiben hieß es laut dem Sender CNN, er sei verpflichtet, sicherzustellen, dass die Behörden die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen „effektiv“ zur Stärkung der öffentlichen Sicherheit nutzten. Garbarino verwies jedoch auch darauf, dass eine Einladung auf niedrigerer Ebene schon am 15. Januar erfolgt sei; dies sei nun der formelle Schritt. Innerhalb der republikanischen Partei hat es bislang so gut wie keine Kritik am Vorgehen von ICE in amerikanischen Städten gegeben.
Nach Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten schien sich die Lage in Minneapolis am Abend beruhigt zu haben. Trotz Temperaturen um minus zwanzig Grad versammelten sich nach Berichten des „Minnesota Star Tribune“ Tausende im Whittier Park, um des Getöteten zu gedenken. Die Vizepräsidentin des Stadtrats, Aisha Chughtai, rief in einer Rede demnach zu noch mehr Präsenz auf. Es sei nun wichtiger denn je, für Nachbarn da zu sein und sich in lokalen Nachbarschaftspatrouillen zu engagieren. Man müsse alles in der eigenen Macht stehende tun, „um dieser Gesetzlosigkeit, diesem Wahnsinn, diesen Morden, dieser Besatzung“ ein Ende zu bereiten. Auch in anderen amerikanischen Städten kam es zu Solidaritätsbekundungen. In Washington gingen laut Medienberichten etwa fünfhundert, in New York mehr als tausend Personen auf die Straße, um gegen ICE zu demonstrieren.
Amerikanische Medien haben den 37 Jahre alten Getöteten als Alex Pretti identifiziert, Intensivpfleger in einem Krankenhaus für Veteranen in Minneapolis. Die Nachrichtenagentur AP zitierte Prettis Eltern mit den Worten, ihr Sohn sei erzürnt über die Einsätze von ICE im Land gewesen. Vor zwei Wochen hätten sie noch mit ihm darüber gesprochen, dass er bei den Protesten auf sich aufpassen und „nichts Dummes“ tun solle. Er habe versichert, das werde er nicht. Offenbar erfuhr die Familie durch den Anruf der Nachrichtenagentur vom Tod Alex Prettis. Nachdem sie ein Video des Vorfalls gesehen hatten und die Person für ihren Sohn hielten, versuchten sie Auskunft von Behörden in Minnesota zu erhalten. Dort wurden sie nach Angaben der Agentur ohne Auskunft weitergereicht bis ein Gerichtsmediziner aus Hennepin County der Familie bestätigte, dass es dort einen Leichnam mit dem Namen und der Beschreibung Prettis gibt. Gegenüber dem Sender CNN äußerten die Eltern Alex Prettis, die Regierung verbreite „verwerfliche und ekelerregende“ Lügen über ihren Sohn. Er habe offensichtlich keine Waffe in der Hand gehalten, als er „von Trumps mörderischen und feigen ICE-Schlägern angegriffen“ wurde. Er habe in seinen letzten Minuten versucht, eine Frau vor den Angriffen von ICE zu schützen während er selbst mit Pfefferspray angegriffen worden sei.
Heimatschutzministerin Kristi Noem sprach am Samstagabend von einem „Akt des Inlandsterrorismus“ in Minneapolis. Der Getötete habe die ICE-Beamten „behindert und angegriffen“. Der Frage, an welchem Zeitpunkt der Mann seine Waffe gezogen haben soll, wich Noem aus. Sie verwies darauf, dass er überhaupt eine Waffe bei sich getragen habe. „Er war nicht dort, um friedlich zu demonstrieren“, behauptete sie. Laut Polizei hatte der Mann eine gültige Waffenlizenz. Noem warf Bürgermeister Jacob Frey und Gouverneur Tim Walz außerdem vor, die Situation mit verschuldet zu haben. Sie entschieden sich für Gewalt, förderten die Zerstörung der Stadt sowie Verbrechen gegen die Bürger von Minneapolis. Auf Walz Bemerkung angesprochen, dass die Behörden in Minnesota den Fall federführend untersuchen werden, sagte sie: „Wer würde Walz dieser Tage vertrauen?“ Die Ermittlungen würden „wie immer“ in solchen Fällen vom DHS geführt.
Nach den tödlichen Schüssen in Minneapolis im Zusammenhang mit Einsätzen von Beamten der US-Migrationsbehörde ICE hat die NBA das Spiel der Minnesota Timberwolves gegen die Golden State Warriors verlegt. Wie die nordamerikanische Basketball-Profiliga wenige Stunden vor dem geplanten Anpfiff mitteilte, soll die Begegnung nun an diesem Sonntag stattfinden. Die Timberwolves tragen ihre Heimspiele im Target Center in Minneapolis aus. „Die Entscheidung wurde getroffen, um der Sicherheit der Bevölkerung von Minneapolis Priorität einzuräumen“, teilte die NBA mit.
Greg Bovino, ranghoher Beamter der Grenzschutzbehörde und Leiter der Razzien gegen Einwanderer im ganzen Land, hat in einer kurzen Pressekonferenz das Vorgehen der ICE-Beamten verteidigt. Sie würden seit Wochen ständig angegriffen, sagte er in Minneapolis, „das war heute Morgen nicht anders“. Dann las Bovino im Wortlaut den Beitrag des Heimatschutzministeriums auf X vor, der den Hergang beschrieb und zeigte ein Foto der Waffe, die der Mann bei sich getragen haben soll. Zum Ende sagte Bovino, es handele sich bei dem Vorfall um „die jüngste Attacke“ auf Bundesbeamte.
Was meint Trump mit dem Milliardenbetrug in Minnesota? Hier können Sie mehr über die Hintergründe des massenhaften Sozialbetrugs innerhalb der somalischen Community in dem Bundesstaat lesen, den der Präsident immer wieder als Begründung für seine Tiraden gegen Somalier hernimmt. Gouverneur Tim Walz hat im Zuge der Diskussion über den Betrug in der Zwischenzeit bekanntgegeben, er werde nicht zur Wiederwahl antreten. Zwar sei er zuversichtlich, dass er hätte gewinnen können, sagte Walz bei der Bekanntgabe. Aber er sei zu dem Schluss gekommen, dass er sich angesichts der Lage „nicht voll und ganz auf einen Wahlkampf konzentrieren kann“.
Donald Trump hat sich in seiner ersten Bemerkung zu dem Vorfall nicht konkret zum Vorgehen der Beamten geäußert, sondern behauptet, es handele sich dabei um eine „Vertuschung“ für den angeblichen Milliardenbetrug, der im Bundesstaat Minnesota stattgefunden habe. In einem Beitrag auf Truth Social warf der Präsident der örtlichen Polizei vor, die ICE-Beamten nicht geschützt zu haben. Er schrieb zu einem Foto der angeblichen Waffe des erschossenen Mannes: „Das ist die Waffe des Schützen, geladen (mit zwei zusätzlichen vollen Magazinen!) und einsatzbereit – Was hat das zu bedeuten? Wo ist die örtliche Polizei? Warum durfte sie die ICE-Beamten nicht schützen? Haben der Bürgermeister und der Gouverneur sie zurückgerufen? Es heißt, dass viele dieser Polizisten ihre Arbeit nicht machen durften, dass die ICE sich selbst schützen musste – keine leichte Aufgabe!“ Man sei in Minnesota „wegen massiven Finanzbetrugs“ und wegen „illegaler Krimineller“ im Einsatz. Der Bürgermeister und der Gouverneur stachelten mit ihrer „gefährlichen und arroganten Rhetorik zum Aufstand an“. Man müsse „UNSERE ICE-PATRIOTEN IHRE ARBEIT TUN“ lassen.
Jacob Frey, der Bürgermeister von Minneapolis, appellierte in der Pressekonferenz zu den tödlichen Schüssen an US-Präsident Donald Trump: Es sei an der Zeit, sich wie ein echter Anführer zu verhalten. Man müsse Minneapolis und Amerika nun an erste Stelle setzen. „Lasst uns nach Frieden streben und diese Operation beenden.“ Frey sagte, er habe das Video gesehen, in dem „sechs maskierte Beamte“ einen „unserer Mitbürger erschießen“. Minneapolis werde von der eigenen Bundesregierung angegriffen. Frey verwies außerdem auf die friedliche Demonstration von 50.000 Personen in der Stadt am Freitag und hob hervor, es habe keinerlei Verletzte oder Zerstörungen gegeben. Die „militarisierten Kräfte“ und „Beamten ohne Kennzeichnung“ würden jedoch das Vertrauen in die Strafverfolgung und die Demokratie selbst untergraben.
Der Polizeichef von Minneapolis Brian O'Hara hat am Samstag bei einer Pressekonferenz mitgeteilt, dass seine Behörde um kurz nach 9 Uhr morgens von Schüssen in der Stadt erfahren habe. Das deckt sich mit den Schilderungen des US-Heimatschutzministeriums zu dem Vorfall. Polizeibeamte hätten einen Mann mit „mehreren Schusswunden“ am Einsatzort vorgefunden. O'Hara sagte zudem, dass „basierend auf den uns vorliegenden Informationen, die sehr begrenzt sind,“ handele es sich bei der erschossenen Person um einen 37 Jahre alten weißen Mann, der in Minneapolis gelebt habe und vermutlich amerikanischer Staatsbürger sei. Außerdem sei der Mann mutmaßlich ein „gesetzmäßiger Waffenbesitzer“ gewesen, der den Behörden zuvor nicht aufgefallen sei.Der Polizeichef forderte alle sich versammelnde Personen in der Stadt dazu auf, friedlich zu bleiben. „Wir sind uns bewusst, dass es viel Wut und viele Fragen zu den Geschehnissen gibt, aber wir brauchen Menschen, die friedlich bleiben.” Alle sollten den Ort des Vorfalls verlassen, so O'Hara.Der Polizeichef antwortete auf eine Frage einer Journalistin, dass man aktuell noch keine gesicherten Erkenntnisse über die Geschehnisse habe und deswegen die Schilderungen des US-Heimatschutzministeriums nicht bestätigen könne. Allerdings gehe man davon aus, dass mehrere ICE-Beamte beteiligt gewesen seien.
Das US-Heimatschutzministerium schreibt in einem Beitrag auf X, Beamte hätten um 9.05 Uhr Ortszeit eine Person ohne Aufenthaltspapiere in Minneapolis festnehmen wollen, als sich ihnen eine Person mit einer Pistole genähert habe. Man habe versucht, sie zu entwaffnen, aber die Person habe sich „gewalttätig widersetzt“. Aus „Angst um sein Leben und die Sicherheit der anderen Beamten“ habe ein Beamter „in Verteidigung“ Schüsse abgefeuert. Anschließend sei sofort Erste Hilfe geleistet worden, aber die Person sei noch vor Ort für tot erklärt worden. Weiter heißt es in dem Beitrag, die Person habe zwei Magazine und keinen Ausweis bei sich gehabt. Das Ministerium behauptet, es „sieht nach einer Situation aus, in der eine Person maximalen Schaden anrichten und Strafverfolgungsbeamte massakrieren wollte“. Nach dem Vorfall hätten sich 200 Personen am Ort der Schüsse versammelt und man habe Maßnahmen zur Kontrolle der Menschenmenge anwenden müssen. Damit ist in der Regel Reizgas gemeint.