FAZ 19.01.2026
10:02 Uhr

Liveblog USA unter Trump: Trump über Grönland: „Es wird erledigt werden!!!“


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Liveblog USA unter Trump: Trump über Grönland: „Es wird erledigt werden!!!“

Der britische Premierminister Keir Starmer hat im Grönlandstreit mit den USA zu einem sachlichen Dialog ​unter Verbündeten aufgerufen, um einen Handelskrieg zu vermeiden. Ein solcher Konflikt sei für niemanden von Interesse, sagte Starmer am Montag auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz in London. Zugleich appellierte er an US-Präsident Donald Trump, Bündnisse wie die NATO zu respektieren, statt sie zu untergraben. Trumps Drohung, Zölle gegen Großbritannien und andere europäische Verbündete zu verhängen, bis ​die USA Grönland kaufen dürften, sei falsch. Er deutete allerdings an, derzeit keine Gegenzölle zu planen. „Zölle sollten nicht auf diese Weise gegen Verbündete eingesetzt werden“, sagte Starmer. Er werde die ganze Kraft der ​Regierung einsetzen, um die US-Entscheidung zu stoppen, strebe derzeit aber keine Eskalation an. 

Die USA haben offenbar versucht, Informationen über militärische Einrichtungen, Häfen und Flugplätze in Grönland zu sammeln, ohne dabei auf die offiziellen Kanäle des dänischen Außen- oder Verteidigungsministeriums sowie der Streitkräfte zurückzugreifen. Das berichtet die dänische Zeitung „Berlingske“ unter Berufung auf Dokumente des dänischen Verteidigungsministeriums. Demnach fragte ein amerikanischer Militärangehöriger das dänische Militärkommando (Arktisk Kommando) Anfang 2025 mehrmals nach Informationen, die offenbar die kritische Infrastruktur betrafen. Um welche Informationen es sich genau handelte, ist unklar. Die Dokumente, die „Berlingske“ einsehen konnte, waren aus Gründen der nationalen Sicherheit stark geschwärzt. Doch geht aus den Dokumenten demnach hervor, dass sich die dänische Seite kooperativ zeigte und auf die entsprechenden Ansprechpartner verwies, etwa einen dänischen Verbindungsoffizier an der US-Militärbasis Pituffik Space Base auf Grönland. Inwiefern tatsächlich Informationen an die USA weitergegeben wurden, ist unklar. In Kopenhagen löste das amerikanische Vorgehen dennoch Besorgnis aus. Laut der Zeitung informierte das dänische Verteidigungskommando – das ist die oberste militärische Führungsbehörde des Landes – unter anderem die gesamte Führungsspitze des Militärs sowie das Verteidigungsministerium über die amerikanischen Anfragen.Warum Grönland aus militärischer Sicht so interessant für die USA ist, lesen Sie hier:

Unionsfraktionschef Jens Spahn hat eine „besonnene Antwort“ auf die Zolldrohung von US-Präsident Donald Trump gegen europäische Verbündete angemahnt. Zwar müsse man nun „klar und deutlich“ mit den USA reden, aber keine Seite habe etwas davon, „wenn wir eskalieren“, sagte der CDU-Politiker vor einer CDU-Präsidiumssitzung in Berlin. Es gebe viele gemeinsame Sicherheitsinteressen mit den USA, etwa mit Blick auf die Ukraine. „Wir brauchen einander, und das sollten wir uns in den Gesprächen immer wieder deutlich machen.“Die Kritik der Grünen an einem ihrer Ansicht nach zu weichen Kurs von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gegenüber Trump wies Spahn als „ziemlich wohlfeil“ zurück. „Wir haben ein sehr, sehr hohes Interesse daran, mit den Vereinigten Staaten in guten Gesprächen in einer guten Situation zu sein“, sagte er. Gleichzeitig müssten aber Dinge angesprochen werden, die nicht akzeptabel seien. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge hatte Merz zuvor scharf kritisiert. „Die Strategie des Zurückweichens und der Beschwichtigung von Friedrich Merz ist gescheitert“, sagte sie. „Bei der Verteidigung der internationalen Ordnung braucht es Selbstbewusstsein und Klarheit.“

Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker hat Dänemark und Grönland angesichts der US-Zolldrohung im Streit um die dänische Arktisinsel die „volle Solidarität“ zugesichert. Die Souveränität und territoriale Integrität müssten ausnahmslos respektiert werden, sagte Stocker. Entscheidungen über die Zukunft Grönlands könnten nicht über die Köpfe ​der Menschen hinweg getroffen werden. Die EU müsse geschlossen reagieren und dabei auf Dialog und Deeskalation setzen. Gleichzeitig müsse sie ihre wirtschaftliche Stärke nutzen und „alle zur Verfügung stehenden Instrumente in Betracht ziehen“. Österreich selbst ist von der jüngsten Zolldrohung der USA nicht betroffen. 

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil spricht sich im Konflikt um die US-Ansprüche auf Grönland für deutliche Antworten der EU auf die Zollandrohungen von US-Präsident Donald Trump aus. Der Vizekanzler und SPD-Chef sagte in einem Statement mit seinem französischen Amtskollegen Roland Lescure in Berlin: „Wir lassen uns nicht erpressen. Es wird eine geschlossene, eine deutliche Antwort Europas geben, und wir bereiten jetzt mit unseren europäischen Partnern geschlossene Gegenmaßnahmen vor.“ Sie sollten für den Fall vorbereitet werden, dass Trump seine Zolldrohungen aufrechterhalte. Klingbeil nannte drei Punkte: Die bisherige Zolleinigung, die es mit den USA gebe und die in dieser Woche im Europäischen Parlament verabschiedet werden sollte, liege auf Eis. Das Zweite sei, dass es ausgesetzte EU-Zölle auf Importe aus den USA gebe – diese könnten in Kraft treten. Dazu gebe es einen europäischen Instrumentenkasten, mit dem die EU auf wirtschaftliche Erpressungen mit „sehr empfindlichen Maßnahmen“ reagieren könne. Die EU solle den Einsatz dieser Maßnahmen jetzt prüfen. Klingbeil sagte, er habe kein Interesse an einer Eskalation. „Wir sind bereit, Lösungen zu finden. Unsere Hand ist ausgestreckt, aber wir sind nicht bereit, uns erpressen zu lassen.“ Die Grenze sei erreicht.

Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Sepp Müller fordert eine harte Antwort der Europäer auf die Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump. Sollte ​dieser die rote Linie bei Grönland überschreiten, würden die USA dies zu spüren bekommen, sagte der CDU-Politiker den Sendern RTL und n-tv. „Und das wird die Digitalsteuer sein“, betonte Müller mit Blick auf die US-Techkonzerne. Details nennt er nicht. 

Im Konflikt um die US-Besitzansprüche auf Grönland sollte die EU aus Sicht der Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge auch den Stopp von Energieimporten aus den USA in Betracht ziehen. „Diese Abhängigkeit ist wirtschaftspolitisch und energiepolitisch gefährlich“, sagte Dröge im ZDF-„Morgenmagazin“. Die EU hatte im vergangenen Sommer im Zuge des Handelsdeals mit den Vereinigten Staaten zugesagt, bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Donald Trump US-Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar zu kaufen, darunter Flüssigerdgas (LNG). „Hier sollte man aus meiner Sicht genau diese Entscheidung überdenken“, sagte Dröge. Trump akzeptiere die Grenzen anderer Länder nicht mehr, erklärte die Grünenpolitikerin. Sie verwies auf den Angriff der USA auf Venezuela und auf ihre Ankündigung, Grönland unter ihre Kontrolle zu bringen. „Als EU braucht es jetzt Klarheit, dass man so ein Handeln von Trump nicht akzeptieren wird“, sagte Dröge. Das bedeute Klarheit, dass man zu Gegenmaßnahmen bereit sei, und gleichzeitig die ausgestreckte Hand, um Gespräche weiter zu ermöglichen. 

Die Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, warnt vor den Folgen der vom US-Präsidenten Donald Trump verlangten Annexion Grönlands. „Dann könnte in Zukunft kein Land auf dieser Welt mehr ruhig und in Frieden schlafen“, sagte die ehemalige deutsche Außenministerin am Montag im Deutschlandfunk. Sie zog Parallelen zum russischen Überfall auf die Ukraine vor vier Jahren.Eigentlich sollten die USA und Russland als ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat für Frieden sorgen. Stattdessen träten sie die internationalen Regeln mit Füßen. Das bedeute Unsicherheit für alle, sagte Baerbock. Die regelbasierte Ordnung der Vereinten Nationen stehe „offensiv unter Attacke“. Sie müsse verteidigt werden, denn: „Die Charta der Vereinten Nationen ist unsere Lebensversicherung.“ Wenn Trump nun jenen Staaten mit Strafzöllen drohe, die sich gegen seine Grönlandpläne stellen, sei das ein „Schuss ins eigene wirtschaftliche Knie“. Die USA seien stark verschuldet und hätten ein Interesse daran, weiter Handel zu betreiben. 

Im Streit um Grönland hat US-Präsident Donald Trump Dänemark abermals vorgeworfen, nicht genug gegen die Bedrohung der arktischen Insel durch Russland zu tun. Seit zwei Jahrzehnten warne die NATO Dänemark vor der „russischen Bedrohung“, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. „Leider war Dänemark bisher nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. Jetzt ist es an der Zeit, und es wird erledigt werden!!!“ Trump ließ offen, welche konkreten Schritte er meint.Der US-Präsident hat wiederholt deutlich gemacht, dass sich die USA die Insel einverleiben wollen – was die europäischen NATO-Partner vehement ablehnen. Bereits zuvor hatte Trump gewarnt, dass ansonsten Russland oder China das strategisch wichtige Territorium in der Arktis übernehmen würden. Grönland ist weitgehend autonom und gehört zum Staatsgebiet des NATO-Mitglieds Dänemark.Am Samstag hatte Trump Strafzölle gegen Deutschland und weitere NATO-Länder angekündigt. Anstoß hatte er unter anderem an deren gemeinsamer militärischer Erkundungsmission auf Grönland genommen. Seither befindet sich Europa auf Kollisionskurs mit den Vereinigten Staaten. Bei einem Sondergipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs Ende der Woche dürfte es auch um die milliardenschweren Gegenmaßnahmen gehen, die der EU als Handelsoption zur Verfügung stehen. 

Vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts um Grönland treffen der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen und die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeldt am Montag NATO-Generalsekretär Mark Rutte zu Gesprächen in Brüssel. Bei dem Treffen dürfte es um die US-Drohungen gegen Grönland und die nächsten Schritte der NATO hinsichtlich der Sicherheit in der Arktis gehen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigt sich auch nach den neuen Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Grönlandstreit solidarisch mit Dänemark und Grönland. „Zusammen stehen wir fest zu unserem Engagement, die Souveränität Grönlands und des Königreichs Dänemark zu wahren“, schrieb sie am Abend auf der Plattform X. „Wir werden stets unsere strategischen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen schützen.“ Man werde „diesen Herausforderungen für unsere europäische Solidarität mit Standhaftigkeit und Entschlossenheit begegnen“. 

Vor dem Hintergrund der Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Streit um Grönland hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und weiteren europäischen Spitzenpolitikern gesprochen. Mit Merz, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, dem britischen Premierminister Keir Starmer, der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni und NATO-Generalsekretär Mark Rutte „halten wir an unserer Verpflichtung fest, die Souveränität Grönlands und des Königreichs Dänemark zu verteidigen“, erklärte von der Leyen am Sonntagabend im Onlinedienst X.

EU-Ratspräsident António Costa wird nach den neuen Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Grönlandstreit einen Sondergipfel einberufen. Als Termin für ein Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs kommt nach Angaben einer EU-Beamtin Donnerstag infrage.Die Europäische Union prüft zudem Gegenzölle in Höhe von 93 Milliarden Euro als Vergeltung gegen die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Sonderzölle. Alles Weitere erfahren Sie hier von unserem Korrespondenten aus Brüssel. 

NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump nach eigenen Angaben „über die Sicherheitslage in Grönland und der Arktis“ gesprochen. „Wir werden weiter daran arbeiten, und ich freue mich darauf, ihn im Laufe dieser Woche in Davos zu sehen“, schrieb Rutte am Sonntag im Onlinedienst X. Nähere Angaben machte er zunächst nicht. Trump will am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine Rede halten, die wegen des Streits um Grönland mit Spannung erwartet wird.Grönland gehört als autonomes Gebiet zum EU- und NATO-Land Dänemark.