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19.01.2026
05:56 Uhr
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Liveticker zu US-Wahl 2024: Aktuelle News & Nachrichten zu den Vorwahlen und den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten ► Jetzt lesen im Liveticker der FAZ

Im Streit um Grönland hat US-Präsident Donald Trump Dänemark abermals vorgeworfen, nicht genug gegen die Bedrohung der arktischen Insel durch Russland zu tun. Seit zwei Jahrzehnten warne die NATO Dänemark vor der „russischen Bedrohung“, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social. „Leider war Dänemark bisher nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. Jetzt ist es an der Zeit, und es wird erledigt werden!!!“ Trump ließ offen, welche konkreten Schritte er meint.Der US-Präsident hat wiederholt deutlich gemacht, dass sich die USA die Insel einverleiben wollen – was die europäischen NATO-Partner vehement ablehnen. Bereits zuvor hatte Trump gewarnt, dass ansonsten Russland oder China das strategisch wichtige Territorium in der Arktis übernehmen würden. Grönland ist weitgehend autonom und gehört zum Staatsgebiet des NATO-Mitglieds Dänemark.Am Samstag hatte Trump Strafzölle gegen Deutschland und weitere NATO-Länder angekündigt. Anstoß hatte er unter anderem an deren gemeinsamer militärischer Erkundungsmission auf Grönland genommen. Seither befindet sich Europa auf Kollisionskurs mit den Vereinigten Staaten. Bei einem Sondergipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs Ende der Woche dürfte es auch um die milliardenschweren Gegenmaßnahmen gehen, die der EU als Handelsoption zur Verfügung stehen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigt sich auch nach den neuen Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Grönland-Streit solidarisch mit Dänemark und Grönland. „Zusammen stehen wir fest zu unserem Engagement, die Souveränität Grönlands und des Königreichs Dänemark zu wahren“, schrieb sie am Abend auf der Plattform X. „Wir werden stets unsere strategischen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen schützen.“ Man werde „diesen Herausforderungen für unsere europäische Solidarität mit Standhaftigkeit und Entschlossenheit begegnen“.
Vor dem Hintergrund der Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Streit um Grönland hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und weiteren europäischen Spitzenpolitikern gesprochen. Mit Merz, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, dem britischen Premierminister Keir Starmer, der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni und Nato-Generalsekretär Mark Rutte „halten wir an unserer Verpflichtung fest, die Souveränität Grönlands und des Königreichs Dänemark zu verteidigen“, erklärte von der Leyen am Sonntagabend im Onlinedienst X.
EU-Ratspräsident António Costa wird nach den neuen Zoll-Drohungen von US-Präsident Donald Trump im Grönland-Streit einen Sondergipfel einberufen. Als Termin für ein Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs kommt nach Angaben einer EU-Beamtin Donnerstag infrage.Die Europäische Union prüft zudem Gegenzölle in Höhe von 93 Milliarden Euro als Vergeltung gegen die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Sonderzölle. Alles weitere erfahren Sie hier von unserem Korrespondenten aus Brüssel.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat in einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump nach eigenen Angaben „über die Sicherheitslage in Grönland und der Arktis“ gesprochen. „Wir werden weiter daran arbeiten und ich freue mich darauf, ihn im Laufe dieser Woche in Davos zu sehen“, schrieb Rutte am Sonntag im Onlinedienst X. Nähere Angaben machte er zunächst nicht. Trump will am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine Rede halten, die wegen des Streits um Grönland mit Spannung erwartet wird.Grönland gehört als autonomes Gebiet zum EU- und NATO-Land Dänemark.
Außenminister Johann Wadephul geht angesichts der Drohungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht von einer zügigen Billigung des EU-Zollabkommens mit den USA aus. „Ich glaube nicht, dass in dieser aktuellen Situation diese Vereinbarung möglich ist“, sagte der Minister am Sonntag in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. Er sei „sehr skeptisch“, dass das Abkommen im Europäischen Parlament gebilligt werden könne.Mit Blick auf Grönland hob Wadephul die Souveränität Dänemarks hervor. „Über die Zukunft Grönlands entscheiden die Grönländerinnen und Grönländer“, sagte Wadephul. Zugleich bekräftigte er die Bereitschaft Deutschlands, gemeinsam mit den Partnern für die Sicherheit in der arktischen Region zu sorgen. Zölle seien „immer die falsche Antwort zwischen Verbündeten“.
Die Bundeswehr hat ihre kurze Erkundungsmission in Grönland beendet, „planmäßig“, wie ein Sprecher des Operativen Führungskommandos am Sonntagnachmittag mitteilte. Die Mission, an der Soldaten aus mehreren europäischen Staaten, darunter auch Frankreich, beteiligt waren, hatte am Donnerstag begonnen. Am Sonntag gegen Mittag hatten die 15 deutschen Soldaten Grönland verlassen. Ursprünglich sei geplant gewesen, bis Samstag zu bleiben, man habe aber „noch einen Tag für Abstimmungen in Dänemark eingefügt“, sodass die Erkundung nun am Sonntag ende. Die „Bild“-Zeitung hatte am Sonntag zunächst von einer sehr kurzfristig anberaumten Abreise berichtet. Eine Station der Reise, die nach Drohungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump kurzfristig auf den Weg gebracht worden war, habe man „wetterbedingt“ nicht erreichen können. Dennoch, so der Sprecher des Führungskommandos, „konnten wichtige Erkenntnisse erlangt werden, um nun mit unseren Partnern und im NATO-Rahmen mögliche gemeinsame Maßnahmen zur Stärkung der Sicherheit im Nordatlantik und in der Arktis abzustimmen“. Zum genauen Inhalt der Erkundung könne man „aus Gründen der militärischen Sicherheit“ keine Fragen beantworten. Trump hatte die europäische Mission als gefährlich für den Frieden bezeichnet und am Samstag Zoll-Sanktionen gegen die europäischen Länder angekündigt, die Grönland und Dänemark bei Widerstand gegen eine amerikanische Übernahme der Insel unterstützten.
Nach Trumps Zolldrohungen gegen europäische Länder warnen die EU-Spitzen Washington vor einer „gefährlichen Abwärtsspirale“. Noch im Sommer hatte die EU einen Deal mit den USA geschlossen, der die Zölle für amerikanische Importe streichen würde – mit der Annahme, dass Trump Europa weiter verteidigt. Nun bezweifeln Macron-Vertraute und EU-Parlamentarier die Gültigkeit des Abkommens. Weitere Hintergründe und Reaktionen auf die Drohungen lesen Sie hier:
Der britische Premierminister Keir Starmer hat Trumps Absichten, Grönland den USA einzugliedern, „vollkommen falsch“ genannt und beteuert, man bleibe bei der „sehr klaren Position“ bezüglich des Status Grönlands: „Es ist ein Teil des Königreiches Dänemark, und seine Zukunft ist allein die Angelegenheit der Grönländer und der Dänen.“ Starmer machte deutlich, dass sich London die amerikanische Argumentation mit strategischen Sicherheitsbedenken bezüglich der Arktis durchaus zu eigen mache: Es sei klar, dass die arktische Sicherheit die gesamte NATO angehe und dass die Alliierten im Bündnis gemeinsam mehr tun sollten, um der Bedrohung durch Russland in verschiedenen Teilen der Arktis zu begegnen. Sämtliche britischen Oppositionsparteien äußerten sich ähnlich scharf. Die Vorsitzende der Konservativen, Kemi Badenoch, sprach von einer „schrecklichen Idee“, die Rechtspopulisten von Reform UK, die sich einer engen Verbindung zu Trump rühmen, gaben an, sie seien „tief besorgt“. Außenministerin Yvette Cooper warb für einen ständigen NATO-Einsatz namens „Arctic Sentry“ (arktischer Wächter). Er solle ähnlich ausgestaltet werden wie die NATO-Präsenz in der Ostsee und abschreckend auf russische Expansionsversuche wirken. Die Arktis sei ein Einfallstor für die russische Nordmeerflotte, „um das Vereinigte Königreich zu bedrohen, aber auch Westeuropa, Norwegen, die Vereinigten Staaten und Kanada“. Die gesamte transatlantische Sicherheit hänge von „unserer Sicherheit in der Arktis ab“.
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat sich zurückhaltend und unter Verweis auf die europäischen Verbündeten zu Donald Trumps Zoll-Ankündigung geäußert. „Das Königreich Dänemark erfährt große Unterstützung. Gleichzeitig wird nun noch deutlicher, dass es sich hierbei um eine Angelegenheit handelt, die weit über unsere eigenen Grenzen hinausgeht“, sagte Frederiksen am Sonntagmittag der Nachrichtenagentur Ritzau. Sie freue sich über die übereinstimmenden Meldungen aus dem Rest des Kontinents, so Frederiksen. „Europa lässt sich nicht erpressen.“ Frederiksen hat wiederholt Trumps Ansinnen, Grönland zu annektieren, zurückgewiesen und zugleich die Solidarität der europäischen Partner gesucht. Die Zollankündigung könnte den dänischen Kampf um Grönland nun aus Sicht Kopenhagens zu einem Kampf Europas machen.
Die Diplomatie stößt im Umgang mit US-Präsident Donald Trump an ihre Grenzen, kommentiert Julia Löhr. Sie plädiert für mehr Druck:
Deutschland und die übrigen betroffenen europäischen Länder haben die Drohung von US-Präsident Donald Trump mit Sonderzöllen im Grönlandkonflikt zurückgewiesen. „Zolldrohungen untergraben die transatlantischen Beziehungen und bergen das Risiko einer Eskalation“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung Deutschlands mit Dänemark, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Großbritannien. Zugleich betonten sie: „Wir sind entschlossen, unsere Souveränität zu wahren.“ „Als Alliierte der NATO sind wir der Stärkung der Sicherheit in der Arktis verpflichtet. Dies ist ein gemeinsames transatlantisches Interesse.“ Die von Dänemark koordinierte Übung „Arctic Endurance“ sei eine Antwort auf die Notwendigkeit größerer Sicherheit in der Arktis. „Die Übung stellt für niemanden eine Bedrohung dar“, erklärten die acht Länder.Und weiter: „Wir stehen in voller Solidarität an der Seite des Königreichs Dänemark und der Bevölkerung Grönlands. Aufbauend auf dem letzte Woche begonnenen Prozess sind wir bereit, in einen Dialog einzutreten, auf Grundlage der Prinzipien der Souveränität und territorialen Integrität. Wir stehen fest zu diesen Prinzipien.“ Frankreichs Präsident Emmanuel Macron brachte angesichts der Zolldrohungen die Aktivierung eines wirkmächtigen EU-Notfallinstruments ins Spiel. Wie mehrere Agenturen unter Berufung auf Macrons Umfeld am Sonntag berichten, will der französische Präsident die EU auffordern, erstmals das „Instrument zur Bekämpfung von Zwangsmaßnahmen“ in Kraft zu setzen. Die als „Bazooka des Handels“ bezeichnete Verordnung ermöglicht der EU die Begrenzung von Warenimporten und Dienstleistungen.Brüssel-Korrespondent Hendrik Kafsack hat alles Wichtige zu Europas Reaktion zusammengefasst:
US-Präsident Donald Trump hat 60 Regierungen in einem Brief aufgefordert, sich an einem sogenannten Friedensrat für den Gazakonflikt zu beteiligen, der über den Nahen Osten hinaus internationale Konflikte lösen soll. Mit ihm selbst als Vorsitzendem solle eine neue internationale Organisation gebildet werden, schrieb Trump in einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben, das auch an Deutschland und andere europäische Staaten ging. Die seinem Brief angefügte Charta sieht vor, dass die teilnehmenden Staaten eine Milliarde Dollar zahlen sollten, wenn sie länger als drei Jahre Mitglied bleiben wollen.Der Friedensrat würde wohl die Bedeutung der von Trump immer wieder kritisierten UN drastisch schmälern. Eine Zustimmung zumindest der europäischen Staaten gilt schon deshalb als sehr unsicher. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Kritik an den wechselseitigen Blockaden im UN-Sicherheitsrat mit den Atommächten USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich als ständigen Mitgliedern gegeben. Dennoch sehen die Bundesregierung und die EU die UN als wichtigste internationale Organisation zur Wahrung des Völkerrechts an.Trump argumentiert, durch den vorgeschlagenen Friedensrat habe man die Chance auf einen „dauerhaften Frieden“. Die Eingeladenen hätten die Ehre, durch „Vorbild zu führen“ und „brillant“ in eine sichere und wohlhabende Zukunft zu investieren. Die Einladung gehe deshalb an „wundervolle und engagierte“ Partner. Diese könnten einen Repräsentanten ernennen, der dem von ihm geführten Rat angehören solle. „Jeder Mitgliedstaat hat eine Amtszeit von höchstens drei Jahren ab Inkrafttreten dieser Charta, die vom Vorsitzenden verlängert werden kann“, heißt es in dem begleitenden Dokument zu dem Brief, über den die Nachrichtenagentur Bloomberg zuerst berichtete. „Die dreijährige Mitgliedschaftsdauer gilt nicht für Mitgliedstaaten, die innerhalb des ersten Jahres nach Inkrafttreten der Charta mehr als eine Milliarde US-Dollar an Barmitteln an den Friedensrat leisten.“
Dänemark stimmt sich mit seinen engsten europäischen Verbündeten ab. Noch heute werde Außenminister Lars Løkke Rasmussen zu Beratungen in die norwegische Hauptstadt Oslo reisen, teilte das dänische Außenministerium mit. Am Montag werde er in London sein und am Donnerstag die schwedische Hauptstadt Stockholm besuchen.Auf der Tagesordnung stehe die Sicherheit in der Arktis, hieß es in der Mitteilung. Im Zentrum der Beratungen dürften aber vor allem die zunehmend mit Drohungen versehenen Ansprüche von US-Präsident Donald Trump auf die zu Dänemark gehörende Arktis-Insel Grönland stehen. Für Dänemark könnte Trumps Eskalation unterdessen sogar ein Vorteil sein, schreibt unser Korrespondent Julian Staib: